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Klimaschutz am Küchentisch

Umwelttag

Beim Essen auf den Klimaschutz zu achten – das ist gar nicht so einfach. Beim Umwelttag in Bochum gab es eine Fülle an Informationen, mit teilweise verwirrenden Zahlenspielchen.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 05.06.2012
Klimaschutz am Küchentisch

Bei der IKK schmiert Chef Frank Heckmann selbst gemachten Möhrenaufstrich aufs Brot. Natürlich aus regionalen Möhren in der heimischen Küche verarbeitet.

Drei gefüllte Öl-Flaschen stehen am Stand der IKK. Sie zeigen die Menge an Erdöl, die benötigt wird, um Erdbeeren auch im Winter auf den Tisch zu bringen. Der Transportflug aus Südafrika schlägt alle: Fast fünf Liter Erdöl pro Kilo Erdbeeren. Da scheint die heimische Produktion im beheizten Gewächshaus mit 20 Millilitern vertretbar.

Doch Gewächshäuser sind alles andere als klimafreundlich, erfährt man drei Stände weiter am Beispiel der Tomaten. Der CO2-Ausstoß ist immens. Das Treibhausgas lässt die Öko-Bilanz in den Keller rauschen – trotz nur geringem Erdöl-Einsatz. Der Klimaschutz lässt sich nicht auf einen Aspekt reduzieren.

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Umwelttag in Bochum

Umwelttage haben in Bochum Tradition. In diesem Jahr lud das städtische Umweltamt am Dienstag unter dem Motto "Klimafreundlich essen will gelernt sein" zum Rathaus. Dort gab es zahlreiche Angebote zum Schlemmen und zum Stillen des Informationsbedarfs.
05.06.2012
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Bei dem Imkern gibt es Honig vom Rathausdach - aber nur in kleinen Gläsern, denn dort oben leben nur zwei Bienenvölker.© Foto: Benedikt Reichel
Remo Leonhard, Azubi beim Akademischen Förderungswerk (Akafö), mit dem Menü aus der Mensa: Spargelterrine an Salatbouquet mit lauwarmen Spargelsalat und Vollkornbrot. Obendrein gibt es Erdbeeren mit grünem Pfeffer an Limonenmousse.© Foto: Benedikt Reichel
Die CDU grillt: auf einem Gasgrill, weil der weniger CO2 verbraucht, als der Vertreter mit Holzkohle. Zudem gibt es Putenfleisch, weil dessen CO2-Bilanz besser ausfällt, als die vom Rind.© Foto: Benedikt Reichel
Wild auf Wild - die Bochumer Kreisjägerschaft informierte über ihre Arbeit.© Foto: Benedikt Reichel
Bei den Hausfrauen wird Salat geschnippelt. Männer bekommen zudem Abwaschtipps.© Foto: Benedikt Reichel
Informationsstände beim Umwelttag in Bochum.© Foto: Benedikt Reichel
Die Imker erklären beim Umwelttag, wie die Bienen den Honig machen. Und natürlich darf gekostet werden.© Foto: Benedikt Reichel
Salat ist in Sachen Öko-Bilanz von keinem Nahrungsmittel zu toppen.© Foto: Benedikt Reichel
Die Dezernentinnen Britta Anger (Soziales/l.) und Birgitt Collisi (Sport u. Personal) beim Ratspiel "Saisonales Gemüse". Die beiden schlagen sich nicht schlecht. Bei einigen Salaten hapert es noch.© Foto: Benedikt Reichel
Ölverbrauch für die Erdbeerproduktion. Der Flug aus Südafrika verbraucht ordentlich Erdöl, da ist es sogar im heimischen Gewächshaus besser - allerdings wird dabei ordentlich CO2 verbraucht.© Foto: Benedikt Reichel
Bei der IKK schmiert Chef Frank Heckmann selbst gemachten Möhrenaufstrich aufs Brot. Natürlich aus regionalen Möhren in der heimischen Küche verarbeitet.© Foto: Benedikt Reichel
Möhrchen auf Brot - serviert von Claudia Niemczyk.© Foto: Benedikt Reichel
Schlagworte Bochum

„Wir müssen alle über unseren Tellerrand hinausschauen“, sagt Wolfgang Jagla. Er ist Jäger in Bochum und stellt beim Umwelttag seine Arbeit vor, verteilt zudem Wild-Salami an die Passanten. Er hat zu tun in seinem Revier. Die Wildsäue machen den Jägern zu schaffen. Es sind zu viele. Und dieses Problem ist hausgemacht. Ein Öko-Problem.

Wildschweine finden in den Maisfeldern optimale Bedingungen zum Leben und Vermehren. Mais wird hierzulande aufgrund der großen Energiedichte gern angepflanzt. Immer mehr. Unter anderem für Bio-Sprit. Die Wildschweine freut es, die Jäger weniger und die Bauern klagen über Wildschweinhorden, die über ihre Felder herfallen.Wer sich im Einklang mit der Natur und dem Klima ernähren will, muss nicht auf Rind oder Erdbeeren verzichten. Derartige Lösungen sind zu einfach gedacht. Klimafreundliche Ernährung ist vor allem vielseitig –  zugleich aber auch regional und saisonal.

  • Fleisch-Produkte sind besonders energieaufwendig und klimabelastend – ebenso wie alle tierischen Produkte, sagt die Verbraucherzentrale. Für ein Kilo Rindfleisch werden mehr als 13 Kilogramm Treibhausgase freigesetzt. Deswegen: Klasse statt Masse. Ein Kilo Obst oder Gemüse verursacht dagegen nur ein halbes Kilo Treibhausgas. Mit den täglichen Obst-Portionen hinken wir deutschen sowieso hinterher. Sie dürfen gern öfter zum Apfel greifen.
  • Weite Transporte per Flugzeug oder LKW sind Energieverschwendung. Die Tomate lässt sich auch hier anbauen. Sie muss nicht aus Spanien kommen. Oder Spargel. Der aus Chile importierte Spargel belastet das Klima mehrere tausend Mal stärker als der Spargel aus der Region. Und wer die Landwirtschaft vor der eigenen Tür unterstützt, der leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der regionalen Wirtschaft.
  • Heimische Produkte sind noch klimafreundlicher, wenn sie Saison haben. Dabei wissen wir kaum noch, wann welches Obst und Gemüse reift – zu verwöhnt wurden wir beim Gang durch den Supermarkt, in dem immer alles angeboten wird. Doch selbst Produkte aus der Region produzieren tonnenweise Treibhausgase, wenn sie im Gewächshaus gezüchtet werden.
  • Bei wem ein Geschirrspüler daheim steht, der darf sich über weniger Arbeit freuen. Hier gilt: Erst die Maschine vollmachen, dann anschalten. Das schont die Umwelt. Wer in Handarbeit zugange ist, sollte das Abwaschen unter fließendem Wasser tunlichst vermeiden. Auch bei kleinen Geschirrmengen. Wasser ins Becken, nicht mehr Spülmittel als nötig (steht auf der Flasche) und Teller und Gläser in einem Klarwasserbecken vom Spülschaum befreien.