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Klöppelbrief zeigt den Weg zum Kunstwerk

HEVEN Klöppeln ist ein uraltes Handwerk. Wer an Klöppeln denkt, verbindet dies mit Spitzendecken - etwas antik und verstaubt. Ein Hobby für alte Leute mit Geduld und viel Zeit? Weit gefehlt.

von Von Barbara Zabka

, 27.12.2007
Klöppelbrief zeigt den Weg zum Kunstwerk

Wilma Kikuth-Wesberg.

Wenn man sich in der kleinen Werkstatt von Wilma Kikuth-Wesberg genauer umsieht., stellt man fest, dass mit der Kunst des Klöppelns sich überraschend viele Dinge herstellen lassen: Modische Schals, dekorative Figuren, Wandbilder und sogar Schmuck-Colliers.

Wilma Kikuth-Wesberg bekam im zarten Alter von sechzehn Jahren den „Kick“ zum Klöppeln - im Textilunterricht am Wittener Schillergymnasium. „Von diesem Moment an hat es mich nicht mehr losgelassen - das Klöppeln,“ meint sie lachend. Das Klöppeln wurde zu ihrer Leidenschaft - und begleitete sie durch ihr Lehramts-Studium und den folgenden beruflichen Alltag. Insgeheim ist Wilma Kikuth-Wesberg die „Wittener Klöppelkönigin“. Niemand in der Ruhrstadt beherrscht das alte Handwerk besser als sie.

Alternative Techniken und neue Ideen

Stets setzt sie sich mit alternativen Techniken und Gestaltungsideen auseinander. Entwickelt neue Ideen. Neue Klöppelbriefe.Seit nunmehr 30 Jahren unterrichtet sie an der Volkshochschule Witten-Wetter-Herdecke im etwas „exotischen anmutenden“ Fach des Klöppelns. Und seit drei Jahrzehnten sind ihre Kurse ausgebucht. Teils mit „Stammkundschaft“ - teils mit „New-Comern“. Und immer stehen neue Aufgaben auf dem Programm. „Die Kunst des Klöppelns besteht in dem Verflechten verschiedener Fäden! Die Grundbewegung ist das Kreuzen und Drehen. Vier Klöppel - zwei Paar Fäden! Ganzschlag, Leinenschlag, Halbschlag müssen anfangs natürlich geübt werden!“ lacht die Expertin. „Aber später kann man das dann wie im Schlaf!“ Auch beim Fernsehen.

Am Anfang heißt es: Schläge üben

Am Anfang steht also obligatorisch: Schläge üben. Dann Klöppelbriefe lesen und schreiben. „Der Klöppelbrief ist quasi die Wegbeschreibung, die Arbeitsanleitung für jedes Klöppelstück,“ erläutert Wilma Kikuth-Wesberg. Aber auch dies sei nicht schwer. Für alle, die das Prinzip verstanden hätten. Die handwerkliche Komponente ist der Klöpplerin bei ihren VHS-Angeboten ausgesprochen wichtig. „Da bin ich klassische Lehrerin. Denn das Handwerk ist Anfang und Ende. Und kleine gegenständliche Erfolge bringen sogar den Anfänger weiter!“

60 Klöppel mit Garnen

Daheim in Heven ist ein 150 Jahre altes „Backs“ ihre Klöppelwerkstatt. Ein passendes Ambiente für ein klassisches Handwerk. Das selbstentworfene Klöppelkissen ist als Schiebekissen konstruiert. Ohne große Umsteckarbeiten kann sie somit auch ein größeres Teil bearbeiten. Momentan liegt auf dem Schiebekissen ein modischer Schal. Etwa zwanzig Zentimeter breit. Aus verschiedenen Woll-Fäden verflochten - mit bunten Perlen aufgepeppt. Mehr als sechzig Klöppel mit Garnen verbergen sich wohlgeordnet auf dem Klöppelkissen. Für zehn Zentimeter Schal braucht Wilma Kikuth-Wesberg etwa eine Stunde Zeit. „ Eine wunderbare Zeit der Entspannung...,“ meint sie lachend. Und klöppelt weiter.