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Umbau der Krankenhäuser in NRW

Kommt das Großprojekt der Bundesregierung in Gang?

NRW Fast 20 Millionen Menschen kommen im Jahr in die Krankenhäuser in Deutschland. Experten mahnen schon seit längerem mehr Arbeitsteilung und Spezialisierung der Kliniken an. Wird das Mammutprojekt in Angriff genommen?

Kommt das Großprojekt der Bundesregierung in Gang?

Ein Mediziner-Team operiert in einer Klinik. Die Bundesregierung möchte einen Umbau der „Krankenhauslandschaft“ vorantreiben. Foto: Felix Kästle/dpa

Wenn es wirklich ernst wird, bauen Millionen Patienten darauf, in einer guten Klinik gut behandelt zu werden - und das möglichst gut erreichbar überall in der Republik. Doch die alternde Gesellschaft und Abwanderung aus dünn besiedelten Gegenden zwingen das bundesweite Krankenhaus-System auf den Prüfstand. Was soll und kann noch an welchen Orten mit Milliardenkosten angeboten werden? Die neue Bundesregierung will einen Umbau vorantreiben, der auf stärkere Bündelung für mehr Effizienz und Qualität zielt. Gerade in ländlichen Regionen ist es aber eine sensible Frage, was aus einer Klinik wird.

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Worum geht es in der Debatte genau?

Dass sich bei der Struktur der knapp 2000 Krankenhäuser in Deutschland etwas tun soll, ist unstrittig. Seit zwei Jahren ist ein Gesetz in Kraft, das den für die Planung zuständigen Ländern Spielräume dafür eröffnet. Krankenkassen monieren aber, dass sich bisher zu wenig tut. Die AOK trommelt am Montag eigens noch einmal dafür, ein Zielbild für das Jahr 2025 aufzustellen. Die Stoßrichtung: Mehr Zentralisierung, größere und spezialisierte Kliniken mit Expertise für komplizierte Krankheiten. Die „Gelegenheitsbehandlung“, die an vielen Häusern stattfinde, solle ein Ende haben, fordert AOK-Chef Martin Litsch.

Was soll Zentralisierung bringen?

Im Blick stehen vor allem planbare und komplizierte Eingriffe, bei denen auch die Erfahrung der Ärzte zählt. „Nicht jedes Krankenhaus muss jede Operation anbieten“, sagt auch der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Als Beispiel führt das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) Darmkrebs-OPs an, die bisher 1000 Häuser machen - jedes zweite aber allenfalls 33 Mal pro Jahr. Würde dies in Spezialzentren und Kliniken mit mindestens 50 OPs erledigt, blieben 385 Häuser. Auch bei Notfällen wie Herzinfarkten sei eine Konzentration auf gut ausgestattete Kliniken machbar.

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Was bedeutet das für Anfahrtswege der Patienten?

Wenn manche Leistungen nur noch in bestimmten Kliniken zu bekommen sind, bedeutet das für Patienten natürlich weitere Wege. Beim Beispiel der Darmkrebs-Zentralisierung verlängerte sich die Anfahrt im Schnitt von 8,5 Kilometer auf 15,6 Kilometer, wie die AOK-Analyse ergab. Sehr lange Wege von mehr als 50 Kilometern müssten im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen dabei nur 0,1 Prozent der Einwohner hinnehmen - im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern aber mehr als 20 Prozent. Gerade bei schweren Eingriffen wollten Patienten gar nicht „ins Krankenhaus um die Ecke“, sagt WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

Wie geht es weiter?

Zur Unterstützung für einen Umbau der „Krankenhauslandschaft“ will die große Koalition weiter einen Bund-Länder-Fonds von jährlich einer Milliarde Euro bereitstellen. Krankenkassen fordern schon mehr Geld. Als ersten Schritt sieht NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zudem, dass zumindest Krankenhäuser einer Stadt kooperieren. Spahn gibt vor, dass schlechte Qualität „früher oder später vom Netz“ müsse. Ein besonderes Augenmerk hat die Regierung aber generell den ländlichen Räumen versprochen. Kleinere Kliniken soll es daher weiter geben, womöglich mit kleinerem Angebot. Zwingend sei es für Geburten, sagt Grünen-Expertin Kirsten Kappert-Gonther. „Anfahrtswege von über einer halben Stunde sind für werdende Mütter nicht zumutbar.“

dpa

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