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Konjunkturzug im Revier unter Dampf

BOCHUM Der Konjunkturzug rast ungebremst durchs Ruhrgebiet. Lokomotive ist die Industrie, im Bremserhäuschen sitzt der Einzelhandel.

von von Joachim Stöwer

, 09.10.2007
Konjunkturzug im Revier unter Dampf

Mehr ausbilden in technischen Berufen - wie hier bei ThyssenKrupp - empfiehlt Bochums IHK-Präsident Gerd Pieper.

Die Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet unter 1000 Unternehmen lässt weiter Frühlingsgefühle aufkommen: „Die Konjunktur ist in den letzten Monaten vorangekommen, stabil geblieben, nur die Dynamik hat sich etwas abgeschwächt“, kommentierte gestern Hauptgeschäftsführer Tillmann Neinhaus von der federführenden IHK Bochum die Ergebnisse. Trotz Mehrwertsteuererhöhung und Turbulenzen an den Finanzmärkten hat sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage im Revier nicht geändert.

Gute Lage

Der Rekord-Index sank gegenüber dem Jahresanfang nur um einen Punkt auf 122. 43 Prozent der Firmen beurteilen ihre Lage gut, nur elf Prozent machen schlechte Geschäfte. „Dass der Aufschwung anhält belegen auch die Zuwachsraten an Investitionen und Beschäftigung“, freut sich Bochums IHK-Präsident Gerd Pieper. Den Boom im Export führt der Maschinenbau an – trotz Dollar-Schwäche. Die Kehrseite: In den technischen Berufsfeldern hätten inzwischen schon 30 Prozent der Firmen Probleme, freie Stellen zu besetzen. Hier könnte nach Ansicht von Neinhaus eine stärkere Kooperation von Hochschulen, Schulen und Wirtschaft Abhilfe schaffen.

Mehr ausbilden

Auch prekär wird die Personalbeschaffung bei Service- und Fachkräften aus kaufmännischen Berufen. Angesichts der demografischen Entwicklung sieht Pieper hier noch größere Probleme auf die florierenden Unternehmen zukommen. Seine Empfehlung: mehr ausbilden (die Kammern im Revier verzeichnen 2007 schon ein Rekordergebnis von plus zwölf Prozent), in Weiterbildung investieren, ältere Arbeitnehmer bei der Stange halten, familiengerechte Arbeitsplätze schaffen.

Nicht profitiert

Solche Probleme beschäftigen zwei Branchen auf dem Binnenmarkt weniger: Vom Aufschwung nicht profitieren konnten die Bauwirtschaft (Wegfall der Eigenheimzulage) und der Einzelhandel (Mehrwertsteuer) – „man merkt hier deutlich“ so Neinhaus, „dass die Bürger nicht mehr so viel Geld in der Tasche haben.“