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Konwitschny beklagt „tote Hose“ an deutschen Bühnen

Stuttgart. Mit seinen Operninszenierungen will der streitbare Regisseur Peter Konwitschny wachrütteln. In Stuttgart bringt er nun die mordende „Medea“ auf die Bühne und erzählt, wie er sich gutes Musiktheater vorstellt.

Konwitschny beklagt „tote Hose“ an deutschen Bühnen

Der Opern-Regisseur Peter Konwitschny will eine Botschaft vermitteln. Foto: Bernd Weißbrod

Peter Konwitschny (72) beklagt, dass an vielen Bühnen heute nur noch „tote Hose“ herrsche. „In München ist tote Hose, und in Hamburg ist tote Hose. Tote Hose ist, was keine Impulse schafft, keine Widersprüche liefert“, sagte der Starregisseur vor der Premiere der Cherubini-Oper „Medea“ am Sonntag in Stuttgart.

„Der Widerspruch ist nun einmal das A und O des Lebens.“ Er selbst wolle „keinen Klimbim, keine schönen Kostüme, schöne Tönchen“ auf die Bühne bringen, sondern eine Botschaft vermitteln.

Die Oper handelt von Medea, die ihren Mann an eine andere verliert und dann ihre beiden Kinder und die neue Partnerin des Mannes tötet. Er selbst habe Sympathien für Medea, sagte Konwitschny, interessiere sich für ihre Botschaft, weil sie sich zur Wehr setze gegen Verrat, Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit. „Es müsste eine Gesellschaft geschaffen werden, die in der Lage ist, solche großartigen Frauen zu integrieren, statt sie zu liquidieren.“ In Sicht sei eine solche Welt aber nicht.

Zugleich bedauerte Konwitschny, der auch Studenten ausbildet, dass junge Menschen immer weniger die großen Tragödien durchdringen würden. „Sie lernen mehr, sich zu verkaufen, als die Stücke zu analysieren.“ Ihm selbst kämen auch mit 72 Jahren immer noch viele Ideen für Inszenierungen. „Das kommt durch meine Spaziergänge im Wald“, sagte Konwitschny. Er lese auch viel, gehe aber nicht mehr selbst in die Oper. Und auch in seinem Künstlerleben gebe es Tiefpunkte. „Die kommen so alle fünf Jahre bei mir. Das hing immer auch mit Trennungen zusammen“, sagte der Künstler.

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