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Kooperation statt Egoismus

WITTEN In einer Gesellschaft ist es gut, wenn alle miteinander kooperieren. „Nur so kann auch Zusammenleben funktionieren“, weiß Prof. Dr. Kenneth Arrow, amerikanischer Nobelpreisträger von der renommierten Universität Stanford.

von Von Julia Reidegeld

, 24.10.2007
Kooperation statt Egoismus

Der erste Redner der neuen Vorlesungsreihe „Witten Lectures in Economics and Philosophy“ Kenneth Arrow (r.) wird von Gastgeber Chrysostomos Mantzavinos begrüßt.

Warum der Einzelne jedoch trotzdem oft darauf setzt, dass alle Übrigen miteinander kooperieren und er selber daraus einen Nutzen ziehen kann, darüber referierte und diskutierte der arrivierte Wirtschaftsphilosoph jetzt mit Dozenten und Studenten der Universität Witten/Herdecke.

Die Uni hat gerade ihre neue Vorlesungsreihe „Witten Lectures in Economics and Philosophy“ ins Leben gerufen und ihr erster Referent war der amerikanische Ökonom Kenneth Arrow. „Die Berufung als Witten Lecturer in Economics and Philosophy ist eine Auszeichnung für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Wirtschaftsphilosophie“, erklärte Gastgeber und Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Dr. Chrysostomos Mantzavinos. Ein mit führenden Wissenschaftlern besetztes internationales Komitee entschied sich einstimmig für den Stanford-Professor, der die Vorlesungsreihe mit zwei Veranstaltungen am Dienstag- und Mittwochabend im Audimax eröffnete.

Welche Aufgaben sollten dem Staat anvertraut werden? Was erwartet die Wirtschaft vom Staat? Und wie können Werte und Ethik hierbei eine Rolle spielen? Mit diesen und vielen anderen Fragen über die Begegnung der Philosophie mit der Ökonomie setzte sich Arrow in seinem Vortrag auseinander und unterstützte damit eines seiner wichtigsten Prinzipien: „Ich habe mehr Fragen als Antworten. Und es ist wichtig, die richtigen Fragen zustellen.“

Überrascht registrierte er die Zustände, die an den staatlichen Universitäten in Deutschland herrschen. Eine Vorlesung vor über 500 Leuten zu halten, das komme in Stanford nicht vor. Von maximal 120 bis 150 Studierenden sprach der Professor. „Vor 800 Leuten ist das ja schon fast ein Konzert“, lachte Arrow, der mit 85 Jahren immer noch jeden Morgen mit dem Fahrrad ins Büro fährt. Die „Witten Lectures“ sind mit einem Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro dotiert. Was er denn mit dem Geld macht, wurde der Nobelpreisträger gefragt. „Das ist schon längst auf der Bank“, antwortete Arrow schmunzelnd.

Die Wahl für den Referenten im nächsten Jahr ist auch schon gefallen. „Es wird Thomas Schelling sein, der lange Zeit in Harvard Professor war und 2005 den Nobelpreis für Ökonomie erhielt“, freut sich Mantzavinos schon jetzt auf Oktober 2008. Denn dieser Semesteranfangs-Termin wird künftig immer für die „Witten Lecturers“ freigehalten.