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Kosten zehren an Zulagen für Riester-Vertrag

Stuttgart (dpa/tmn) Kann Riestern schlecht sein? Private Vorsorge für das Alter tut not, das empfiehlt auch der Staat - und gibt in Form von Zulagen und Steuervergünstigungen etwas dazu.

Kosten zehren an Zulagen für Riester-Vertrag

Staatliche Zulagen für einen Riestervertrag landen nicht komplett im Sparschwein - die Kosten für Abschluss und Verwaltung fressen einen Teil des Betrags auf. (Bild: dpa)

Verluste können beim Sparen für das Alter nicht anfallen, denn der Erhalt der eingezahlten Beiträge plus Zulagen ist garantiert. Es gibt laut Verbraucherschützern also keinen Grund, nicht zu riestern. Doch neue Berechnungen zur Kostenstruktur von Riester-Verträgen lassen aufhorchen: Ein Anbieterwechsel zwischendrin ist möglich - aber die damit verbundenen Verluste sind erheblich.

So zehren die Kosten für Abschluss und Verwaltung von Riester-Rentenversicherungen die staatlichen Zulagen teilweise auf, wie eine Auswertung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart ergeben hat. Demnach bleiben unter Umständen vor allem in den ersten Jahren sogar große Teile der Sparzulage bei den Anbietern hängen und wandern somit nicht auf das Altersvorsorge-Konto des Einzahlers. Für die Rente bleibt dann ein unter Umständen deutlich geringerer Betrag.

Die Zulagen kämen sogar «in der Masse» nicht der Altersvorsorge zugute, sagt Referent Niels Nauhauser, der Fälle aus der Beratungspraxis dokumentiert hat. In Deutschland gibt es der Verbraucherzentrale zufolge rund elf Millionen Riester-Sparer - und viele Verbraucher hätten Produkte, die nicht kostengünstig sind. Dazu zählten vor allem die Rentenversicherungen, aber auch Fondssparpläne. Bei den untersuchten Beispielen handelt es sich ausschließlich um Rentenversicherungen - gefördert werden im Riester-Rahmen aber auch Bank- und Fondssparpläne.

Für den Fall einer 28-jährigen Frau haben die Verbraucherschützer ausgerechnet, dass sie bei Einzahlungen von 2100 Euro pro Jahr in eine fondsgebundene Rentenversicherung bis zum 64. Lebensjahr ein Kapital von rund 200 000 Euro anhäufen würde. Die Kosten schmälerten die Summe aber auf rund 122 000 Euro. Die Rente wäre ohne Kosten also um mehr als die Hälfte höher. Dabei wurde anhand der Einzahlungen und der Angaben aus dem Vertrag auf die Gesamtlaufzeit hochgerechnet.

In einem anderen Beispiel war die eingezahlte Jahresbeitragssumme von 1188 Euro - pro Monat 99 Euro - mit 519 Euro Abschluss- und Verwaltungskosten belastet. Das ist eine Kostenquote von rund 44 Prozent, wie Nauhauser vorrechnet. Wer angesichts einer solchen Jahresstandmitteilung sein Recht auf einen Anbieterwechsel in Anspruch nimmt, könne im schlimmsten Fall aber sogar fast das gesamte eingezahlte Kapital verlieren.

Das zeige ein Fall, in dem 88 Prozent der eingezahlten Summe aus Beiträgen und Zulagen bei der Übertragung weg waren. Dabei hatte ein 30-Jähriger den Riester-Anbieter nach drei Jahren gewechselt. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin betont angesichts der Berechnungen, es könne nicht sein, dass die Dienstleistung der Versicherer umsonst zu haben ist: «Beratung muss etwas kosten», sagt Sprecher Peter Schwark.

Außerdem sei das Verhältnis von Kosten- und Sparquote eine Frage des Vertragsvolumens - also abhängig davon, wie viel regelmäßig eingezahlt wird. In Verträgen mit geringer Zulagenquote - etwa wenn der Maximalbetrag bezahlt wird und keine Zulagen für Kinder und einen Partner anfallen - könne die Kostenquote anfangs die Zulagenquote erreichen, sagt Schwark. Steuervorteile seien davon aber unberührt.

Zudem habe die Verbraucherzentrale überwiegend Jahresmitteilungen aus den ersten Vertragsjahren betrachtet. Naturgemäß sei in diesen die Kostenquote höher, weil die Abschlusskosten bei Rentenversicherungen auf die ersten fünf Jahre gestreckt einbehalten werden. «Bei jeder Geldanlage gibt es Vertriebskosten» - und bei Rentenversicherungen fange das Konto mit hohem Kostenabzug an, erklärt Hermann-Josef Tenhagen von der Stiftung Warentest in Berlin. «Es dauert wegen des Abzugs der Kosten in den ersten fünf Jahren, bis man ins Plus kommt», so der Chefredakteur von «Finanztest».

Dass in der Hochrechnung für den Fall der 28-jährigen Frau so hohe Kosten ausgewiesen werden müssen, liegt laut Schwark außerdem an der Produktkonstruktion: In dem Fall geht es um eine fondsgebundene Rentenversicherung, es wurden also Kosten für Fonds und Versicherung zusammengezählt. «Wer seinen Vertrag durchhält, hat aber kein Problem - er bekommt die Einzahlungen plus Zulagen in jedem Fall heraus», sagt Tenhagen.

Kann Riestern also schlecht sein? «Nein», sagt Tenhagen und stellt folgende Regel auf: «Riestern ist besser als ein Vorsorgevertrag ohne Riester - und ein guter Riester-Vertrag ist deutlich besser als ein schlechter.» Vorigen Herbst hatten Untersuchungen der «Finanztest» deutliche Unterschiede bei den Kosten der einzelnen Anbieter ergeben. «Die Kosten sind beim Riester der entscheidende Parameter.»

Tenhagen rät, ebenso wie Verbraucherschützer Nauhauser, Sparern mit teurem Vertrag, möglichst früh durch einen Anbieterwechsel die Weichen besser zu stellen. Wie bei jedem Vorsorgevertrag sei der Wechsel auch bei Riester-Verträgen von Nachteil. Aber ein Wechsel rentiere sich langfristig.

Unter dem Strich bleiben für Nauhauser dennoch mangelnde Vorgaben durch den Gesetzgeber: «Wenn man die Altersvorsorge privatisiert, muss man auch darauf achten, dass der Markt funktioniert.» Die Riester-Rente wurde vom Gesetzgeber geschaffen, um die private Vorsorge staatlich zu fördern - und viele Riester-Verträge seien schlichtweg zu teuer.

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