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Kraft tanken im Kinderhospiz Löwenherz

Syke (dpa) Marek sitzt in einem Rollstuhl, Augen und Mund sind halb geöffnet. Der unheilbar kranke Junge kann sich nicht bewegen, sprechen, sehen oder hören. Über Schläuche ist der Fünfjährige mit einem Überwachungsapparat verbunden.

Kraft tanken im Kinderhospiz Löwenherz

Die Leiterin des Kinderhospiz Löwenherz in Syke (Kreis Diepholz), Gaby Letzing, steht vor dem Haupteingang. (Bild: dpa)

«Jederzeit ist eine lebensbedrohliche Situation möglich», sagt seine Mutter Kerstin Wilpert und ihr Blick wandert zum Monitor. Dessen eventuelle Alarmsignale muss sie in ihrem streng durchgeplanten Alltag rund um die Uhr jederzeit hören können. Im Kinderhospiz Löwenherz in Syke (Kreis Diepholz) jedoch ist Familie Wilpert nicht allein mit der Pflege des Jungen. «In unserem Haus können die Familien Kraft schöpfen», erklärt die Leiterin Gaby Letzing. Doch manche Eltern kommen auch, um ihre Kinder an diesem Ort beim Sterben zu begleiten.

Das Kinderhospiz, das einzige in Niedersachsen, besteht bereits seit fünf Jahren. Es hat in dieser Zeit rund 250 unheilbar kranke Kinder und ihre Familien betreut. Am 20. September, dem Weltkindertag, wird das Jubiläum mit einem Tag der Offenen Tür gefeiert.

Acht Plätze für die jungen Patienten bietet das Hospiz. Bis zu vier Wochen im Jahr können die Kinder zusammen mit ihren gesunden Geschwistern und Eltern in dem Haus bleiben. Jedes Jahr ist die Einrichtung auf 500 000 Euro Spenden angewiesen, weil die Krankenkassen nur einen Teil der Kosten übernehmen. Seinen Namen verdankt das Hospiz dem Märchen «Die Brüder Löwenherz» der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren.

Das Haus will kein trauriger, sondern ein Ort voller Lebensfreude sein. Das Gebäude ist von Wiesen umgeben. Alles ist hell und freundlich. Warme, sonnige Farben verbreiten eine behagliche Atmosphäre und strahlen Geborgenheit aus. Die Kinder wohnen in bunten Zimmern mit Namen wie «Wolkennest» oder «Waldlichtung». Das Angebot für die Kleinen ist groß. «Jedes Kind kann noch irgendetwas, unsere Aufgabe es ist, die Fähigkeiten herauszufinden», erklärt Krankengymnastin Corry Bünger. Sie legt Marek auf ein Bett, bettet seinen Kopf auf ein Kuscheltier und führt seine rechte Hand vorsichtig zu einer Klangharfe. Die Finger des Jungen gleiten langsam an den Saiten entlang, leise Töne sind zu hören. In seinem Gesicht ist keine Regung abzulesen. «Er nimmt die Schwingungen wahr», ist sich Bünger sicher.

Einige Räume weiter badet der sechsjährige Moritz im Arm der Mitarbeiterin Sarah Wiesner in einem Whirlpool. Der Junge leidet unter einer fortschreitenden Gehirnveränderung, hat immer wieder Krampfanfälle. Im Wasser aber sind seine Bewegungen fließender. «Er liebt und genießt das», sagt Wiesner.

Moritz' Vater, Magnus Bornhorst, hat akzeptieren müssen, dass immer mit dem Tod seines Sohnes zu rechnen ist: «Theoretisch kann jeder Anfall der letzte sein», sagt der 36-Jährige. Er sitzt allein im Garten des Hospizes und spielt auf seiner Gitarre leise das Lied «Stairway to Heaven». An ihm vorbei drehen quirlige Geschwisterkinder lachend auf Fahrrädern ihre Runden. «Wir haben uns lange damit schwergetan, in ein Hospiz zu fahren», erzählt Bornhorst. Die Familie hatte Angst vor der Konfrontation mit dem Tod eines Kindes. Denn so bunt und lustig die «Löwenherz»-Welt oft ist, der Tod ist doch ständig präsent.

In einem «Raum der Stille» können Eltern von ihrem gestorbenen Kind Abschied nehmen. Im Flur des Hauses brennt beim Tod eines «Löwenherz»-Kindes eine weiße Kerze, Mitarbeiter und Angehörige gestalten eine Seite in einem Erinnerungsbuch. Über ein kleines Mädchen, das den Kampf gegen seine Krankheit verloren hat, ist dort zu lesen: «Ein neuer Stern lacht vom Himmel.»

Weitere Infos zum Kinderhospiz: www.kinderhospiz-loewenherz.de

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