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Kraftvolle Rockoper um Liebe, Hass und späte Reue

München (dpa) Liebe und Hass, Habgier und Herrschsucht, Rache und Mord, späte Reue und Suche nach Erlösung: Die neue Rockoper «ChristO» mit der deutschen Rockband Vanden Plas zeigt die ganze Palette theatraler Gefühle.

Am Freitagabend feierte das gut zweieinhalbstündige Stück nach Motiven des Romans «Der Graf von Monte Christo» von Alexandre Dumas im Münchner Gärtnerplatztheater seine umjubelte Uraufführung. In starken und oft dunklen Bildern, mit melodischen Balladen und harten, rockigen Heavy Metal-Klängen erzählt das Stück die Geschichte des Seemanns Edmond Dantès.

Die Hochzeit mit seiner geliebten Mercedes steht unmittelbar bevor, die Braut schmückt sich für das Fest, da wird der junge, erfolgreiche Dantès denunziert und eingekerkert. Nach 21 Jahren kommt er frei - und beginnt als Graf von Monte Christo grausam Rache zu nehmen.

Vanden Plas-Leadsänger und Autor Andy Kuntz spielt die Titelrolle des ChristO als punkigen, wilden, morphiumsüchtigen, von Hass getriebenen Mörder. Im schwarzen Mantel rächt er sich gnadenlos an denen, die ihm Jahrzehnte zuvor sein Glück genommen haben: An Mercedes' Ehemann Fernand Mondego, an dem geizigen Zahlmeister Danglars (Thomas Peters), und am Ende tötet er auch den kalten und korrupten Staatsanwalt Villefort (Philippe Ducloux).

Die Autoren Kuntz und Holger Hauer bringen mit Inspektor X (Chris Murray) ein «Alter Ego» ins Spiel - die zweite, abgespaltene Persönlichkeit des ChristO ist ihm stets knapp auf den Fersen, versucht ihn zu überführen. Doch als Edmond bereit ist, der Gewalt abzuschwören, kann Inspektor X nicht vergeben und verhindert so ein Happy End. Mercedes (Agnes Hilpert), gerade wieder mit Edmond vereint, stürzt, halb von diesem gestoßen, von der Brücke, als Inspektor X dazukommt und sein zweites Ich, den Mörder ChristO, endlich stellt.

Die ursprüngliche, hochkomplexe Handlung von Dumas und die zugehörigen Beziehungsbande werden teils übernommen, teils neu gestrickt und zusammengeknotet. Es entsteht ein ausgeklügeltes, aber gelegentlich kaum durchschaubares System. Etwa gibt es einen unehelichen Sohn Edmonds mit Mercedes, Albert Mondego (Sven Fliege) der erst zum Schluss das Geheimnis seiner Herkunft erfährt.

Bilder, die mit loderndem Feuer und sich brechenden Wogen die Elemente in ihrer Kraft zeigen, bunte, punkige Kostüme, die zugleich an Dumas' Zeit im 19. Jahrhundert erinnern, und stimmstarke Charaktere prägen das Stück unter musikalischer Leitung von Vanden Plas-Keyboarder Günter Werno. Manche Theaterträne hätte nicht unbedingt fließen müssen. Mit Witz und Liebe zum Detail ist dafür manche Szene ausgemalt, etwa, wenn Villefort beim Besuch von Mercedes kurzerhand seine Gespielinnen hinter den Vorhang verbannt und das Programm des Fernsehers von Porno auf Kaminfeuer umstellt. Die Gruppe Vanden Plas hat dazu in Schlips und Anzug im Orchestergraben Platz genommen, nicht ganz mühelos füllt sich von den Boxen daneben aus der Raum mit abwechlungsreichem, rockigem Sound.

Die musikalische und inhaltliche Basis für «ChristO» lieferte das gleichnamige Konzertalbum von Vanden Plas. Mit der Rockoper als Auftragsarbeit beschreitet das Gärtnerplatztheater neues Terrain. Mit seiner ersten Rockoper will das Haus auch junge Zuschauer ansprechen. Es sei ein Irrtum, zu glauben, man könne junge Leute mit moderner Oper anziehen, sagt der neue Intendant Ulrich Peters, der zuvor in Augsburg mit «Jesus Christ Superstar» einen durchschlagenden Erfolg landete. Ob die Gattung Oper und Heavy Metal am Gärtnerplatz zusammen finden könnten, das sei ein Experiment.

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