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Kresnik-Uraufführung: Nackter Wahnsinn stürmisch umjubelt

Heidelberg (dpa) Theaterregisseur Kresnik provoziert gerne. Jetzt tut er es mit dem Stück «Sammlung Prinzhorn» in Heidelberg. Es geht um die Kunst von Psychiatriepatienten - und um die Nähe von Ärzten zu den Nazis.

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Hans Prinzhorn (Andreas Seifert) sammelt Kunstwerke von psychisch kranken Patienten. Foto: Uwe Anspach

Andreas Seifert als Hans Prinzhorn und Natalie Mukherjee als seine dritte Ehefrau Litschan Hoffmann. Foto: Uwe Anspach

Andreas Seifert als Hans Prinzhorn bei der Probe. Foto: Uwe Anspach

Johann Kresnik im Theater Heidelberg. Foto: Uwe Anspach

Andreas Seifert als Hans Prinzhorn (r) und Florian Mania als Johann Knüpfer. Foto: Uwe Anspach

An Hans Prinzhorn (Andreas Seifert) wird gezerrt. Foto: Uwe Anspach

Es kracht ohrenbetäubend. Eisenbetten werden umhergeworfen. Dicke und dünne Nackte tanzen und laufen wie Verrückte umher. Johann Kresnik ist in seinem Element. Der 72-jährige Schöpfer des «Choreografischen Theaters» und provokative Regisseur ist nach über 20 Jahren an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt: das Heidelberger Theater. Nach 120 Minuten erhält am Samstagabend seine Uraufführung des Stücks «Sammlung Prinzhorn» stürmischen Beifall.

In dem spartenübergreifenden Werk wird das Leben des Heidelberger Psychiaters und Kunsthistorikers Hans Prinzhorn (1886-1933) erzählt. Der von Andreas Seifert gekonnt gespielte Kunstsammler trifft dabei als Typhuskranker in zehn Fiebertraum-Episoden auf seine Eltern, Frauen, Kollegen - und auf die talentiertesten Künstler-Patienten seines Lebens.

Prinzhorn hatte zwischen 1919 und 1921 über 5000 künstlerische Arbeiten von Psychiatriepatienten aus ganz Europa gesammelt. Diese beeinflussten die Kunstszene, wurden aber schon vor seinem Tod 1933 von den Nazis als «entartete Kunst» diffamiert.

In das sehenswerte Alufolien-Bühnenbild von Marion Eisele werden in der Folge immer wieder verschiedene Bilder aus der Sammlung projiziert. Thematisiert werden auch die Verstrickungen deutscher Mediziner in das NS-Regime.

Die in Kellern aufbewahrte Sammlung Prinzhorn wurde nach dem Krieg erst in den 1980er-Jahren wiederentdeckt und restauriert. Mittlerweile umfasst sie 12 000 Exponate. Eine Auswahl wird seit 2001 in einem Museum des Uniklinikums Heidelberg ausgestellt.

Von 1979 bis 1989 war Kresnik Ballettdirektor in Heidelberg. Hier entwickelte der österreichische Choreograf seinen Stil eines modernen choreografischen Theaters an der Schnittstelle von Tanztheater und Schauspiel.

Infos des Theaters

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