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Kunstmarkt in der Zechen-Kaue

MENGEDE Was ist Kunst? In der Kaue der Zeche Hansemann warteten am Wochenende 50 verschiedene Antworten. Zwischen gerahmtem Öl, genähtem Filz und geblasenem oder gestrahltem Glas musste jeder selbst entscheiden: Wo geh' ich vorbei, wo bleib' ich stehen?

von Von Tilman Abegg

, 21.10.2007

Direkt am Eingang ein echter Hingucker: Groß und grellgelb schießt der Lastwagen durchs Bild. Breite, pastose Pinselstriche, Froschperspektive, das Führerhaus vom Bildrand stark angeschnitten. "Der steht richtig dynamisch in der Kurve", lobt Dieter Saliwski. Würde er sich's in die Wohnung hängen? "Wenn ich die richtige Wand hätte - sofort!", ist der Rentner überzeugt.

Kunst muss schließlich atmen. Dafür ist die hohe Halle der ehemaligen Zeche Hansemann in der Barbarastraße ideal. Findet auch Marlies Stein-Cadenbach, die Schöpferin der automobilen Acryl-Ansicht. Allerdings sei nicht nur über, sondern auch zwischen den Ständen viel Luft: "Es könnten etwas mehr Besucher sein", seufzt die Lehrerin und Hobby-Malerin.

Udo Bleidick lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Über mangelndes Interesse kann sich der Reisefotograf nicht beschweren:

"Fotos verkaufen sich schlecht", sagt er Schulter zuckend, "aber ich fachsimpel auch gern und das Interesse ist groß". Kein Wunder bei seinen exotischen Tier- und Pflanzenbildern: Der gestochen scharfe Kolibri im Flug ("Belichtung: eine Zweitausendstel Sekunde"), der brillante grüne Leguan ("der war noch nass vom Regen") oder das extrem tiefenscharfe Makrofoto eines Orchideenstempels ("der Computer hat 'ne Nacht gebraucht, um die sieben Aufnahmen zusammenzurechnen") sind Magneten für Hobbyknipser.

Ein paar Meter weiter rücken Hüte ins Blickfeld. "Das sind Objekte", verbessert Textilkünstlerin Petra Grenz. Ob schwarzes Blütenblatt-Käppchen oder kleine Haar-Röschen - Kunst zum Aufsetzen, fantasievoll betitelt mit "Himmelspalast" oder "Lakritze".

Am Sonntag wird die Vielfalt der Ausdrucksformen von Grafitti-Zeichnungen, Glasfenstern und der Präsentation des Bergmann-Unterstützungs-Vereins um eine weitere bereichert: Die "Steeldrum Supergirls" der Musikschule spielen unentgeltlich für die Besucher.

Übrigens: Auch im nächsten Jahr können Jugendliche wieder umsonst ausstellen und ihre Natwort auf die Frage "Was ist Kunst" geben.