Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Kurdendemos gegen türkische Militäroffensive in Syrien

Berlin. In mehreren Orten werden türkische Domizile in Brand gesetzt. Im Düsseldorfer Flughafen, aber auch in anderen Städten demonstrieren Menschen gegen die türkische Offensive auf die nordsyrische Kurdenhochburg Afrin. Gibt es einen Zusammenhang?

Kurdendemos gegen türkische Militäroffensive in Syrien

Das vom Feuer zerstörte Gebäude in Berlin, in der ein Moscheeverein untergebracht ist. Foto: Paul Zinken

Bei Demonstrationen in deutschen und anderen europäischen Städten haben am Wochenende zahlreiche Menschen gegen die türkische Militäroffensive gegen Kurden in Nordsyrien protestiert.

Zudem gab es eine Reihe von Brandanschlägen auf türkische Domizile, bei denen der Hintergrund nicht eindeutig, ein Zusammenhang zu den Protesten aber nicht ausgeschlossen war. Eine kurdische Internetseite ordnete zwei der Taten Kurden zu. Das nordrhein-westfälische Innenministerium teilte mit, dass die Polizei in erhöhter Einsatzbereitschaft sei.

Im Flughafen Düsseldorf kam es bei einer Spontandemonstration zu Auseinandersetzungen. Es gab Verletzte, unter anderem durch den Einsatz von Pfefferspray durch die Polizei, wie eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen Landespolizei sagte. Zur Verletztenzahl machte sie zunächst keine Angaben. Bis zu 400 Demonstranten hielten sich demnach zeitweise im Flughafen auf, bis die Polizei sie am Nachmittag aus dem Gebäude drängte. Ein dpa-Reporter beobachtete, dass die Beamten mehrere Menschen abführte.

Die Bundespolizei sprach zunächst von einer Auseinandersetzung zwischen mutmaßlich Kurden und Türken; die Landespolizei teilte später mit, es habe sich vorrangig um eine Auseinandersetzung zwischen Kurden und Polizisten gehandelt. Ein Flughafensprecher sagte, der Flugverkehr sei nicht beeinträchtigt worden, wohl aber die Zu- und Abfahrt vom Terminal.

Auch in Hamburg kam es zu Zwischenfällen: Gut 400 Menschen zogen am Samstagabend unter anderem zum türkischen Generalkonsulat, wie ein Polizeisprecher erklärte. Dort warfen Teilnehmer demnach Steine gegen die Fassade, die kleinere Schäden verursachten.

In Berlin und Kiel protestierten jeweils ebenfalls mehrere Hundert Menschen. Auch in Saarbrücken und Kaiserslautern gab es in der Nacht zu Sonntag friedliche Proteste.

Zeitgleich fanden Demonstrationen auch in anderen europäischen Städten statt. Im englischen Manchester stürmten Demonstranten Zuggleise und blockierten so den Nahverkehr. Der zentrale Piccadilly-Bahnhof wurde zeitweise geschlossen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. In London kam der Zugbetrieb am Bahnhof King's Cross wegen der Proteste zum Erliegen, wie das Unternehmen Virgin Trains mitteilte. Auf Bildern örtlicher Medien waren in Manchester Menschen zu sehen mit Flaggen der Kurdenmiliz YPG und mit Porträts des Chefs der verbotenen Kurdenpartei PKK, Abdullah Öcalan.

Unklar war zunächst, ob es einen Zusammenhang zu einer Reihe von Brandanschlägen auf zwei Moscheen, einen deutsch-türkischen Verein und einen türkischen Gemüseladen gab. Am frühen Sonntagmorgen hatten Unbekannte fast zeitgleich Brandsätze in eine Berliner Ditib-Moschee und an ein Gebäude des deutsch-türkischen Freundschaftsvereins im nordrhein-westfälischen Meschede geworfen. Dort nahm die Polizei am Nachmittag drei Tatverdächtige aus Meschede zwischen 26 und 30 Jahren fest. In Itzehoe in Schleswig-Holstein schlugen Unbekannte die Fenster einer Moschee ein und legten ein Feuer in einem türkischen Gemüseladen. Bereits am Freitag hatte es einen Brandanschlag auf eine Moschee in Lauffen nahe Heilbronn (Baden-Württemberg) gegeben.

Auf einer kurdischen Internetseite, die zu Aktionen gegen die türkische Offensive in Afrin aufruft, wurden Videos geteilt, die angeblich die Anschläge in Meschede und Lauffen zeigen. Es handele sich um eine Aktion kurdischer Jugendlicher, hieß es dort. Über die Videos berichteten auch die „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ (Montag).

In Berlin sagte ein Polizeisprecher: „Nach derzeitigen Erkenntnissen wird von einer politisch motivierten Straftat ausgegangen.“ Ditib sprach vom bundesweit 18. Anschlag auf eine Moschee innerhalb von zwei Monaten.

Die türkischen Streitkräfte hatten am 20. Januar eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordwestsyrien gestartet. Inzwischen sollen sie sich der schwer umkämpften Stadt Afrin bis auf wenige hundert Meter genähert haben.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Inland

Sozialverbände machen Front gegen die AfD

Berlin. Die AfD beherrscht das Spiel mit Provokationen. Ihre Anfrage zu Behinderten in Deutschland hat weithin Empörung ausgelöst. Die Sozialverbände sehen sich „an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte“ erinnert - und gehen in die Offensive.mehr...

Inland

Nahles mit schwerem Dämpfer zur ersten SPD-Chefin gewählt

Wiesbaden. Die SPD-Führung hatte sich ein Aufbruchsignal vom Parteitag in Wiesbaden erhofft. Das bleibt aus. Andrea Nahles muss bei ihrer historischen Wahl zur SPD-Vorsitzenden eine schwere Schlappe hinnehmen. Eine eindringliche Warnung hat Vorgänger Martin Schulz.mehr...

Inland

Von der Leyen: „Putin schätzt keine Schwäche“

Berlin. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen plädiert für einen harten Kurs gegenüber Moskau. „Präsident (Wladimir) Putin schätzt keine Schwäche. Anbiedern oder Nachgiebigkeit macht ihn nicht freundlicher“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild am Sonntag“.mehr...

Inland

Seehofer lässt Korruptionsverdacht beim BAMF untersuchen

Berlin/München. Für die SPD ist die Sache klar: Die Verantwortung für Missstände beim Flüchtlingsbundesamt trägt die Union. Doch was ist tatsächlich in der Bremer Außenstelle abgelaufen? Und wie neutral sind die Dolmetscher des BAMF?mehr...

Inland

Neonazi-Festival in Sachsen ohne größere Zwischenfälle

Ostritz. Der erste Tag des Neonazi-Festivals „Schild & Schwert“ im ostsächsischen Ostritz ist ohne größere Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Bei Kontrollen von Teilnehmern stellten die Beamten jeweils zwei Verstöße gegen das Waffengesetz und gegen das Betäubungsmittelgesetz fest.mehr...