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Musiker Alexander Knappe: Ohne Chaos keine Lieder

„Laufen, hinfallen, aufstehen, weitergehen“

DORTMUND Sein Traum waren schon immer volle Stadien. Doch Alexander Knappe musste seine Fußball-Karriere wegen einer Verletzung frühzeitig aufgeben. Der zweite Versuch als Sänger scheint zunächst im Chaos zu enden. Dann merkt er, dass er genau das für seine Musik braucht. „Laufen, hinfallen, aufstehen, weitergehen“ – das scheint sich durch sein Leben zu ziehen.

„Laufen, hinfallen, aufstehen, weitergehen“

Er wollte schon immer in vollen Stadien spielen. Doch anstatt als Fußballer muss Alexander Knappe jetzt als Sänger sein Publikum begeistern. Foto: Tino Schulz

Als Alexander Knappe seinen Vater nach der Trennung von seiner Mutter zum ersten Mal weinen sieht, schießen ihm die Worte für einen Song direkt in den Kopf: „Du weißt, dass ich dich liebe, ohne Scheiß. Unsre Zeit tickt, ich will, dass du weißt: Ich würd’ dir folgen, egal wohin, komm geh’ mit mir durch dick und dünn.“

Zwei Jahre ist das jetzt her. Die Fahrt nach Hause, die Erkenntnis, dass seine Eltern sich endgültig getrennt haben: „Ich hatte drei Tage vorher mein Handy verloren. Da war alles drauf, Notizen, Songskizzen, Aufnahmen, mein ganzes kleines Leben. Ich hatte nie ein Backup gemacht. Das war einer der schwersten Tage meines Lebens“, sagt Knappe. Und dann das. Die Familie am Ende. Emotionaler Ausnahmezustand. Und sein Kopf beginnt zu texten: „Am Ende des Tages“, sagt Knappe über diese Zeit, „brauche ich das Chaos, um zu schreiben.“

Der 33-Jährige hat bereits eine Menge Chaos hinter sich. Der Traum vom Profifußball platzt kurz vor dem Schulabschluss wegen einer schweren Verletzung. Die Enttäuschung darüber reißt auch sein Abitur mit sich, Knappe strauchelt zum ersten Mal, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, arbeitet in einem Schnellrestaurant, in einer Geisterbahn.

Doch es gibt da etwas, das ihn auf den Beinen hält. Auf Klassenfahrten singt er erstmals vor seinen Freunden und erntet statt Augenrollen echte Begeisterung. Die Musik begleitet ihn von da an und nimmt einen immer größeren Platz in seinem Leben ein. Nach dem Ende der Fußballkarriere ist sie das einzige, was übrig ist. „Man muss etwas finden, was man liebt, dann kann man damit auch etwas verändern“, sagt Knappe.

„Laufen, hinfallen, aufstehen, weitergehen“

Vor allem verändert die Musik ihn. Knappe glaubt wieder an sich, probiert sich aus, wird Teil eines Musikprojekts, steigt wieder aus, singt Schlager und kommt damit ins Fernsehen, merkt aber schnell, dass das nicht seine Welt ist. „Laufen, hinfallen, aufstehen, weitergehen“, das ist sein Credo, mit dem er 2010 in der damals neuen Casting-Show „X-Factor“ einschlägt. Er überzeugt die Jury mit seiner Interpretation von Herbert Grönemeyers „Halt mich“, steigt aber aus, bevor es richtig ernst wird, weil er sich mit einem anderen gleichzeitigen Projekt mehr Chancen ausrechnet. „‘X-Factor‘ erschien mir zu unsicher“, sagt er später und erfindet einen Kreuzbandriss, um es sich mit dem großen Sender nicht zu verscherzen.

Eine verhängnisvolle Lüge, denn das Projekt zerschlägt sich, aber Knappe wird von der Produktionsfirma in die Show zurückgelassen. Das Problem: Der nicht vorhandene Kreuzbandriss muss jetzt vorhanden sein. „Ich habe gedacht, okay, ich gehe da jetzt mit gespieltem Kreuzbandriss hin, singe vor Till Brönner und fliege dann bestimmt raus.“ Falsch gedacht. Brönner ist begeistert, Knappe beichtet die Lüge und muss kurz vor den Live-Shows gehen. Die Bild-Zeitung schreibt damals: „Der Lügen-Kandidat ist raus.“ Knappe 0, Leben 5. So sieht er das damals.

Beginn seines neuen Lebens

Würde man das Leben von Alexander Knappe auf ein Blatt Papier malen, es wäre ein Zick-Zack-Kurs mit vielen Loopings, Abbrüchen und mehreren Enden, die ins Leere laufen. Doch das zweite Karriere-Ende ist der Beginn seines neuen Lebens. „Ich habe dann im richtigen Moment meinen Produzenten und Manager Kai Oliver Krug kennengelernt. Er hat zu mir gesagt, erzähl den Leuten deine Geschichten und schreibe Lieder.“ Das Resultat erscheint im August 2012 beim Indie-Label ferryhouse, dem Label, das damals auch Philipp Poisel fördert. Knappes Album „Zweimal bis unendlich“ mit einfühlsamen Songs wie „Sag, dass du“ oder „Wunderwerk“ („Du bist ein Wunderwerk, doch bin ich dir ein Wunder wert?“) geht in den Charts bis auf Platz 21.

„Das war der Anfang einer Reise“, sagt er.

Dass seine Stimme einer Kreuzung aus Xavier Naidoo und Herbert Grönemeyer gleichkommt, hat er schon öfter gehört. „Ich denke, es gibt Schlimmeres“, fügt er schelmisch hinzu. „Aber ich versuche, meinen eigenen Stil zu haben. Am Ende sind es die Geschichten – meine Vita – die sich von jeglichen Vergleichen mit anderen unterscheiden.“

Sie führt ihn in kleine Klubs, auf Festivals, im Norden und Osten Deutschland wird seine Single „Weil ich wieder zu Hause hin“ hoch und runter gespielt, doch der Funke springt nicht auf ganz Deutschland über. „Um einen Hit zu landen, musst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, sagt Knappe, der „die ewige Suche nach dem Song, den jeder gerne geschrieben hätte“, fortsetzt. Zwei Jahre später erscheint „Die Zweite“, der Song „Bis meine Welt die Augen schließt“ hat das Potenzial, so ein Hit zu sein, doch das Album erreicht insgesamt „nur“ Platz 44 in den Charts. Knappe sagt: „Wenn man die Musik nicht liebt und nicht bereit ist, auch durch Scheiß-Zeiten zu gehen, dann ist man in diesem Business falsch.“

Mitte April erschien das vierte Album

Knappe nimmt sich nach dem zweiten Album Zeit. Das dritte ist zwar ein besonders arrangiertes, aber es ist im Grunde genommen ein Best-of der ersten beiden Alben, live aufgenommen mit dem philharmonischen Orchester des Staatstheaters seiner Heimatstadt Cottbus. Dort fing alles an, mit 13 verließ er seine Heimat für den Fußball, jetzt kehrt er persönlich, aber auch gesanglich immer wieder zurück.

Es sind diese Augenblicke des Nachhause-kommens, für die er das alles macht. „Es gibt Momente, da würde ich gerne alles hinschmeißen, aber dann gibt’s auch wieder diese Momente, die es Wert sind, auch mal drei Jahre an einem Album zu schreiben.“

Mitte April erschien nach eben diesen drei Jahren das vierte Album von Alexander Knappe. Nicht mehr bei ferryhouse, sondern jetzt bei Starwatch Entertainment, der großen Musik-Agentur von ProSieben-Sat.1. Es steigt auf Platz sechs der Deutschen Album-Charts ein. Wieder schreibt er sich seine Emotionen von der Seele, legt sein ganzes Leben in die Songs: „Musik reinigt die Seele, darum geht es mir“, sagt Knappe. Die zwei vorab veröffentlichten Songs geben die Richtung vor. „Du“, das er teilweise zusammen mit seinem Vater geschrieben hat und das sein Lieblingssong auf dem Album ist. Und „Herz mit der Post“, das er in einer Trotzreaktion für seine Freundin schrieb, nachdem sie ihn verlassen hatte: „Das Gefühl kannte ich nicht“, sagt Knappe, bevor er sich verabschiedet. Das nächste Chaos wartet sicher schon auf ihn.

Alexander Knappe auf Tour:

28. Mai im Gloria-Theater in Köln, 29. November Zeche Carl in Essen, 3. Dezember Stereo Bielefeld. www.alexanderknappe.net

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