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"Sie wollte ihn bestrafen"

Lebenslang für Mutter nach doppeltem Kindsmord

STUTTGART Lebenslang. Das Urteil nach dem doppelten Kindsmord von Köngen ist eindeutig. Das Landgericht Stuttgart ist überzeugt: Aus Wut auf ihren Ehemann hat die 41-Jährige ihre gemeinsamen Töchter erstochen. Dabei war sie voll zurechnungsfähig - was der Richter auch auf einen Anruf zurückführte, den die Mutter nach der Tat ausübte.

Lebenslang für Mutter nach doppeltem Kindsmord

ARCHIV - Eine Polizeiabsperrung ist am 02.11.2014 in Köngen (Baden-Württemberg) vor einem Haus aufgebaut. Zwei Kinderleichen sind am Sonntag in einer Wohnung in Köngen (Kreis Esslingen) gefunden worden. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus, wie ein Sprecher der Polizei in Reutlingen sagte. Wie genau die Kinder ums Leben kamen, wurde zunächst nicht bekannt. Foto: Daniel Maurer/dpa (zu lsw Vorausmeldung: «Doppelkindsmord Köngen» vom 15.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Das Motiv für den doppelten Kindsmord von Köngen liegt für den Vorsitzenden Richter Wolfgang Hahn am Ende des Prozesses klar auf dem Tisch: „Die Tat war eine Anklage gegen den Ehemann.“ Mit dem Vater der beiden toten Mädchen habe die 41-Jährige im vergangenen November abrechnen wollen, weil er sich von ihr trennen wollte.

„Sie wollte ihn bestrafen, ihm die Kinder nehmen.“ Er habe Schuld an ihrer Lage - das habe der Doppelmord aller Welt zeigen sollen. Das Landgericht Stuttgart verurteilte die angeklagte Mutter wegen zwei Morden zu lebenslanger Haft.

Die 41-Jährige nahm das Urteil am Montag im großen Saal 1 des Landgerichts ohne erkennbare Regungen zur Kenntnis. In ihrem letzten Wort vor Verkündung des Urteils hatte sie den Vater der Kinder in der vergangenen Woche unter Tränen um Vergebung gebeten. Die Kinder seien ihr „Ein und Alles“ gewesen, sagte sie. Ohne die Mädchen habe sie nicht mehr leben wollen. Nach der Tat hatte die Frau versucht, sich das Leben zu nehmen. Ihre Verletzungen seien aber zu keinem Zeitpunkt lebensbedrohlich gewesen, sagte Hahn.

Trennungsangst war Auslöser der Bluttat

Auslöser der Bluttat sei ihre Trennungsangst gewesen. Der Wunsch ihres Mannes nach Veränderung habe sie schlicht überfordert, meinte Hahn. Verschiedene Aussagen und Handlungen ihres Mannes habe ihre Angst wachsen lassen.

„Und die Wut auf ihren Ehemann“, wie Hahn ausführte. Irgendwann im Herbst 2014 sei sie sich sicher gewesen, dass die Trennung unmittelbar bevorstehe. Das habe sie in „tiefe Verzweiflung“ gestürzt. Da sie sicher gewesen sei, dass die Kinder mit dem Mann gehen würden, drohte ihr gesamter Lebensinhalt mit einem Schlag verloren zu gehen. Die Frau lebte zurückgezogen und nur auf die Kernfamilie konzentriert.

1. November 2014: Die 41-Jährige ist mit ihren Kindern allein, der Ehemann mehrere Tage verreist. Die Frau gibt ihren beiden Töchtern ein Schlafmittel, dass sie sich wenige Tage zuvor beim Arzt verschreiben ließ, schilderte Hahn. In der Nacht geht sie zunächst ans Bett der zehnjährigen Tochter und versucht, ihr mit einem Messer die Pulsadern aufzuschneiden. Doch die Schülerin wacht auf, wehrt sich heftig. 40 Mal sticht die Mutter zu.

Danach geht sie ins Zimmer ihrer anderen Tochter. Im Schlaf sticht sie der Siebenjährigen 11 Mal in den Rücken. Die Mutter kleidet die toten Mädchen an, legt sich mit ihnen auf eine Schlafcouch und schlitzt sich Adern auf. Der Suizid misslingt. Als ihr Mann am nächsten Mittag seine Rückkehr auf Anrufbeantworter ankündigt, ruft sie selbst den Notarzt.

Voll zurechnungsfähig

Der laut Hahn „klar und vehement“ vorgetragene Notruf sei auch ein Indiz dafür, dass die Angeklagte voll zurechnungsfähig und nicht vermindert schuldfähig war. Der Vorsitzende Richter sprach von einer „egoistischen Tat“. Hinter allem habe eine „Wut auf den Ehemann“ gestanden. Geplant und heimtückisch habe sie die arg- und wehrlosen Kinder im Schlaf ermordet. Die Angeklagte hatte die Tötung ihrer Kinder direkt nach der Tat zugegeben. 

Blutverschmiert war sie auf die Straße gelaufen und hatte Nachbarn gesagt, dass es ihr leidtue, aber dass sie ohne ihre Kinder nicht leben könne. Ihr Anwalt Markus Bessler sagte in einer ersten Reaktion, er habe gehofft, dass das Gericht die tiefe Verzweiflung seiner Mandantin stärker berücksichtigt. Er wolle sich das Urteil mit seiner Mandantin genau ansehen und den Weg in eine Revision prüfen. 

 

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