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Lebhafte Debatte über den „ambivalenten See“

Gentrifizierung am Phoenix-See

Erst Fotografien gaben den Anstoß zur Diskussion, obwohl die Problematik seit Langem für jedes Auge sichtbar ist. Es geht um die „Schattenseiten einer Stadtteilaufwertung – Gentrifizierung am Phoenix See?“.

HÖRDE

von Von Thilo Kortmann

, 08.12.2012
Lebhafte Debatte über den „ambivalenten See“

Fotograf Jürgen Evert gab den Anstoß zur Diskussion um die Gentrifizierung am Hörder Phoenix-See.

Am Mittwochabend (5.12.) fand parallel zu Jürgen Everts Fotoausstellung eine Diskussionsveranstaltung im Brauhaus des Stiftsforums statt.  Immer wieder fiel dieser Satz von Besuchern und Diskussionsteilnehmern: „Diese Diskussion kommt zehn Jahre zu spät.“ Rund 200 Teilnehmer kamen in das Stiftsforum, um über den Begriff „Gentrifizierung“ zu diskutieren. Er beschreibt das Großstadt-Phänomen der Verdrängung niedrigerer ökonomischer Schichten aus einem Stadtviertel durch steigende Mieten und Grundstückspreise.

 Den Anlass zur Diskussion gab der Fotograf Jürgen Evert durch seine provokanten Fotos, die in der VHS an der Hansastraße zu sehen sind. Die Bilder zeigen den Kontrast zwischen den kostspieligen Bauwerken am Phoenix-See und den maroden Mehrfamilienhäusern in direkter Nachbarschaft.Seine Kritik: „Mietpreiserhöhungen sind die Folge, und wer nicht mithalten kann, muss wegziehen.“ Allerdings ist Evert auch ein glühender Fan: „Der Phoenix-See ist ein großartiges Naherholungsgebiet.“ So brachte Evert die Ambivalenz der geführten Diskussion auf den Punkt.

 Der Phoenix-See ist einzigartig im Ruhrgebiet. Nicht nur als städtebauliches Projekt, sondern auch als Beispiel für die Kluft zwischen Arm und Reich. „Gewinner und Verlierer des Strukturwandels treffen unmittelbar aufeinander“, erklärte Prof. Dr. Susanne Frank von der Universität Dortmund. Die „Schuldfrage“ war schnell geklärt. Versäumnisse der Stadt bei den Planungen im Vorfeld seien, so Johan Dieckmann, ehemals Stadtbaurat in Hagen, der Grund für die momentanen Entwicklungen: „Es findet momentan eine Privatisierung des Phoenix-Sees statt, obwohl die neue Stadtlandschaft mit öffentlichen Fördermitteln entstanden ist.“ Auch Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott von der Emschergenossenschaft sprach sich gegen reine Privatwirtschaft aus.  

 Von einer „kalten Verdrängung“ sprach Prof. Wolfgang Richter, ehemaliges Ratsmitglied. Für die alteingesessene Bevölkerung gebe es am See keinen Platz mehr. Mehr Schutz für die alte Bewohnerschaft forderte Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins. Er kritisierte, dass es ausgerechnet für die Weingartenstraße keine Wohnraumanalyse gab.  In seinem Fazit forderte Moderator und VHS-Direktor Heinz Bünger: „Fangen wir jetzt an, mit den Leuten zu reden, die am See wohnen bleiben wollen.“