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Auf Holzschuhen durch 60 Meisterjahre

Diamantener Meisterbrief

1958 hat Ewald Hölscher seine Meisterprüfung als Holzschuhmacher gemacht, Zeit für den Diamantenen Meisterbrief. In einem seiner Meisterstücke hat sich inzwischen der Holzwurm einquartiert.

Asbeck

, 03.07.2018
Auf Holzschuhen durch 60 Meisterjahre

Gisela Oster von der Handwerkskammer Münster überreichte Ewald Hölscher den Diamantenen Meisterbrief in der Werkstatt, in denen hunderte Holzschuhe lagern. © Ronny von Wangenheim

Wie viele Holzschuhe Ewald Hölscher in seinem Leben hergestellt hat? Da kann der Asbecker nur raten. In guten Jahren waren es 30.000 Paare, die die Werkstatt im Eißingort verließen. Erinnerungen an seine ersten Jahre als Holzschuhmacher werden wach, als Gisela Oster als Vertreterin der Handwerkskammer Münster mit dem Diamantenen Meisterbrief nach Asbeck kommt.

50 Betriebe waren vor 60 Jahren im Regierungsbezirk Münster in die Handwerksrolle eingetragen, berichtet Gisela Oster. Heute sind es nur noch vier – zwei in Asbeck und zwei in Ahaus. Ewald Hölscher erzählt: „Ich glaube, ich war der letzte, der noch seine Meisterprüfung gemacht hat.“

„Da ist der Wurm drin“

Fünf Paar Schuhe in verschiedenen Größen für Kinder, Frauen und Männer, muss er damals von Hand herstellen. Löffelbohrer, Räumhaken und Pfahlmesser sind sein Handwerkzeug. Ein Paar hat er noch. „Da ist der Wurm drin“, weist er lachend auf viele kleine Löcher.

Das Handwerk hat Tradition bei den Hölschers. Das sagt schon der Name, der von der niederdeutschen Berufsbezeichnung „Holschke“ ableitet, also Holzschuhmacher. Vater Bernhard, so erzählt es Ewald Hölscher, will, dass er bei einem Kollegen eine Lehre machen soll. Beide fahren also in Richtung Wüllen, wissen nicht die genaue Adresse und wollen beim Obermeister nachfragen. „Der sagte dann, er könnte wohl einen Lehrling gebrauchen“, so erinnert sich der heute 81-Jährige. „Das war nicht schlecht“, sagt er schmunzelnd. Schließlich fand die praktische Prüfung in der Werkstatt des Obermeisters statt.

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Holzschuhmacher in Asbeck

Der Familienname Hölscher verweist schon auf den Beruf des Holzschuhmachers. In der Familie Hölscher in Asbeck wird er seit Generationen ausgeübt. Bernd Hölscher zeigt, in welchen Schritten ein Paar Holzschuhe in seiner Werkstatt entsteht. Hier stehen Maschinen, die schon Museumswert haben.
28.04.2018
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In der Holzschuhwerkstatt (v. l.): Bernd, Marion, Maike, Sebastian und Ewald Hölscher. Sie freuen sich auf die Schnadgänger, die am 1. Mai auf ihrem Hof rasten werden. (5) von Wangenheim© Ronny von Wangenheim
Mit Pappelholzstämmen fängt alles an.© Ronny von Wangenheim
Bernd Hölscher sägt aus einem Stamm mehrere gleich große Stücke. © Ronny von Wangenheim
Grob werden zwei Holzstücke vorgesägt. Es wird immer ein Paar hergestellt. © Ronny von Wangenheim
Die Hölzer werden in den Kopierer eingespannt.© Ronny von Wangenheim
Die Hölzer werden in den Kopierer eingespannt.
Das Gussmodell gibt die Form vor. © Ronny von Wangenheim
Die Säge kreischt, die Späne fliegen, langsam schält sich die Grundform des Schuhs heraus.© Ronny von Wangenheim
Die Kopiermaschine stammt aus den 1930er-Jahren.© Ronny von Wangenheim
Die Werkstatt könnte gut in einem Museum stehen.© Ronny von Wangenheim
Jetzt sind die Schuhe groß vorgeformt. © Ronny von Wangenheim
Zweite Station ist die Bohrmaschine. In der Mitte ist wieder ein Modell, ein Fühler tastet es ab, die Maschine überträgt die Bewegungen auf die beiden Löffelbohrer.© Ronny von Wangenheim
Zweite Station ist die Bohrmaschine. In der Mitte ist wieder ein Modell, ein Fühler tastet es ab, die Maschine überträgt die Bewegungen auf die beiden Löffelbohrer.Man sieht, wie die Holzabfälle immer mehr werden...© Ronny von Wangenheim
...und am Ende herausfallen. Ein dritter Schritt ist die Nachputzmaschine, die ähnlich funktioniert, nur feiner arbeitet.© Ronny von Wangenheim
Bernd Hölscher schleift die Spitzen in die typische Form.© Ronny von Wangenheim
Verarbeitet wird das noch feuchte Holz. Jetzt kommen die Holzschuhe für fünf bis acht Tage in eine Trockenkammer, in der sie bei etwa 40 Grad langam ausdampfen.© Ronny von Wangenheim
Erst, wenn es einen Auftrag gibt, poliert Bernd Hölscher die Holzschuhe. © Ronny von Wangenheim
Am Ende wird der letzte Staub abgesaugt.© Ronny von Wangenheim
Ein Stempel mit der Schuhgröße kommt auf die Unterseite. Von 21 bis 50 ist alles möglich.© Ronny von Wangenheim
Im Gegensatz zu den niederländischen Holzschuhen kommen im Münsterland Lederbänder auf den Schuh. das macht ihn bequemer.© Ronny von Wangenheim
Das Lederband wird aufgetackert.© Ronny von Wangenheim
Die fertigen Holzschuhe aus der Werkstatt von Bernd Hölscher.© Ronny von Wangenheim
Tochter Maike hilft und verdrahtet die beiden Schuhe zu einem Paar.© Ronny von Wangenheim
Ewald Hölscher hat vor 60 Jahren seinen Meister als Holzschuhbauer gemacht. In wenigen Wochen wird er zu seinem Meisterbrief von 1958 auch noch den Diamantenen Meisterbrief erhalten.© Ronny von Wangenheim

Die Berufsschule haben die angehenden Holzschuhmacher mit den Schreinern zusammen absolviert. Und bei der Meisterschule – da waren sie zu viert – nimmt sich ein Gewerbelehrer aus dem Bereich der Schreinerei der jungen Holzschuhmacher an. „Wir hatten dann morgens von 6 bis 8 Uhr Unterricht“, erzählt er. Dann ist erst mal Pause, Ewald Hölscher ist zu jung. Er muss erst 24 Jahre alt werden, um seinen Meister zu machen.

Waschmaschine bedeutet das Ende für Holzschuhe

Mit dem Brief in der Tasche geht es 1958 zurück in die heimatliche Werkstatt, wo der Vater damals noch fünf bis sechs Mitarbeiter hat. Ewald Hölscher macht den Führerschein, denn die Holzschuhe müssen einmal die Woche ins Ruhrgebiet geliefert werden zu Schuhmachern und kleinen Schuhgeschäften.

Doch dann kommt die Constructa. So erzählt es Ewald Hölscher. Die Frauen brauchen nicht mehr in den Waschkeller, sondern haben alle Waschmaschinen in der Wohnung. Die Holzschuhe haben für viele ausgedient. Die Familie Hölscher hält trotzdem über die Jahrzehnte an ihrem Handwerk fest. Parallel dazu wird Landwirtschaft immer wichtiger. Heute ist es der Haupterwerb für Sohn Bernd Hölscher, der aber die Holzschuhproduktion immer weiter führt. 3000 bis 4000 Holzschuhe verkauft er noch in jedem Jahr.

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Manchmal fährt er wie früher sein Vater auf Märkte, zum Beispiel zum Klumpensonntag in Rhede. Sie sind es, die dem Namen des Marktes noch Berechtigung geben, denn sie sind seit Jahren die einzigen, die dort vor Ort mit der Hand Holzschuhe herstellen. Viel verdienen lässt sich dort nicht, sagen sie. Doch die Tradition des Holzschuhmachens wollen Vater wie Sohn lebendig erhalten.

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