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Ewiger Tanz an der Mühle

Legden Eng aneinander geschmiegt drehen die drei Paare ihre Runden - schon seit 82 Jahren. Genauso große Ausdauer zeigt der Bauer gegenüber, der mit drei Händlern um den Preis von Pferden feilscht. Dass das Hin und Her - sowohl auf dem Tanzboden als auch in der Verhandlung - noch möglichst lange andauert, dafür haben die Anlieger der Düstermühle und der Heimatverein gesorgt.

20.08.2008

Ewiger Tanz an der Mühle

<p>Freuen sich über die Restaurierung (v. l.): die Marktbetreiber Ludwig und Reinhard Dondrup, Bernhard Hülsken, Stefan Lösing, Ludger Kerkhoff sowie Heinz Kroschner und Alfred Janning vom Legdener Heimatverein. </p>

Pünktlich zum bevorstehenden Düstermühlenmarkt am Wochenende - einem der größten und ältesten Kram- und Viehmärkte des Münsterlandes, der Jahr für Jahr bis zu 80 000 Menschen anlockt - sind die steinernen Wahrzeichen des bunten Treibens nach Wehr zurück gekehrt: die beiden Düstermühlenreliefs. Frisch restauriert zeigen sich die Sandsteintafeln gut gerüstet für die Zukunft - Dank der Anlieger.

Vom Schutt gerettet

Dass die Steinplatten nicht schon Vergangenheit sind, ist ebenfalls einem von ihnen zu verdanken: Mühlenbesitzer Dondrup. Er erinnert sich gerade noch rechtzeitig an die Steintafeln, die einst die steinerne Brücke über die Dinkel zierten: Mitsamt Brücke und Straße waren sie 1977 - die neue L570 wurde gerade gebaut - in den Bauschutt geraten und würden wohl gar nicht mehr existieren, wenn Dondrup sich nicht gemeldet hätte: "Ich schlug vor, sie auf der Einfahrt zur Düstermühle wieder aufzustellen", blickt der Wirt zurück. Die erste Rettungsaktion - geglückt. Danach droht den Steinen zwar nicht mehr die Bauschuttsortieranlage. Ungemach kommt aber von oben: Regen, Wind und Abgase fressen sich hungrig in den weichen Stein. Die Folge: Abplatzungen, Risse und so genannte Aussinterungen.

Zehn Jahre im Bauhof

Und ein wackelnder Sockel: Im August 1998 müssen die Viehhändler und der Bauer aus Sicherheitsgründen in den Bauhof umziehen und dort im Verborgenen weiter verhandeln. Die "Kiärmes"-Tänzer bleiben dagegen noch bis Mai dieses Jahres stehen - unter einer wachsenden Moosschicht. Dank der Initiative der Marktbetreiber wechseln die beiden inzwischen unter Denkmalschutz gestellten Tafeln dann in die rettende Bildhauer-Werkstatt Lehmkuhl in Steinfurt, wo sie generalüberholt werden - finanziert auch mit Denkmalpflegemitteln der Kommune, des Kreises und des Landes. Kosten der Maßnahme: rund 7600 Euro. Wenn am späten Montagabend die Musik verklingt, tanzen drei Paare immer noch - zum Takt des Feilschens von der anderen Seite. sy-

Ewiger Tanz an der Mühle

<p>Noch schweigt die Musik auf den Weiden rund um die Düstermühle (r.). Die drei Paare auf dem linken Düstermühlenstein drehen aber auch schon vor dem Auftakt des Volksfestes am Wochenende ihre Runden. MLZ Fotos Lüttich-Gür</p>

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