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Fünf Tage dreht sich alles um die Zeelink-Leitung

Einwände gegen Zeelink-Leitung in Legden

Im Dorf Münsterland wird nicht gefeiert: Hier geht es um Einwände gegen die Erdgasfernleitung Zeelink. Auch Josef Bücker hat Einwände. Die fünfte Gasleitung auf seinem Grundstück ist ihm eine zu viel.

Legden

, 13.06.2018
Fünf Tage dreht sich alles um die Zeelink-Leitung

Zwischen Wald und der Trasse für die Loop-Leitung Epe-Legden ist diese landwirtschaftliche Fläche in der Nähe der Erdgas-Station am Deipenbrock abgeschnitten. Das wird auch bei der Zeelink-Erdgasfernleitung nicht zu vermeiden sein. © Ronny von Wangenheim

Die Karte in Josef Bückers dickem Ordner zeigt Linien in verschiedenen Farben. Jede kennzeichnet eine Gasleitung. Und jede geht durch sein Grundstück im Haulingort. „Thyssen, Evonik, Open Grid“, zählt Josef Bücker einige auf. „Die Zeelink-Leitung wäre die fünfte Gasleitung.“ Später wird sein Vater mehr darüber erzählen. Und dann ist ja auch noch die Stromleitung A-Nord. Eine mögliche Trasse führt ebenfalls quer durch seine Felder. Momentan wird zwar eine andere Trasse bevorzugt. Aber fest steht noch nichts. Und solange bleibt er besorgt.

Josef Bücker ist realistisch. Die Zeelink-Leitung, die H-Gas transportieren soll, wird kommen. Muss auch kommen, weil das Aufkommen von L-Gas sinkt. Aber wie diese Leitung verläuft, darauf will er Einfluss nehmen. Und deshalb hat er bei der Bezirksregierung Einspruch eingelegt und hat am Mittwoch im Dorf Münsterland beim sogenannten Erörterungstermin seine Einwände vorgetragen. „Es wehren sich viel zu wenige“, sagt der Legdener Landwirt.

Sicherheitsbedenken in Voerde

Das ist an anderen Orten entlang der 215 Kilometer langen Trasse, die in der Nähe von Aachen beginnt, anders. In Voerde beispielsweise wehrt sich eine Initiative gegen die Gaspipeline und führt vor allem Sicherheitsbedenken an.

Zurück in den Haulingort. Seit 100 Jahren ist hier die Familie Bücker ansässig. Ihr Pech ist, dass die Erdgas-Station am Deipenbrock in der Nähe ist. Hierhin laufen verschiedene Gasleitung. Die neue Zeelink folgt so ungefähr einer bereits liegenden Gasleitung, macht dann aber auch Umwege. „Sie gehen sehr großzügig mit Platz um“, kritisiert Josef Bücker den hohen Flächenverbrauch: „Die Probleme werden auf die Anwohner abgewälzt.“ So hat er es auch beim Erörterungstermin geschildert.

Er zeigt auf eine Linie, die quer durch sein Grundstück führt. Hier hätte er lieber, dass die Rohre an den Rändern gelegt würden. 50 Meter mehr Leitung würde das bedeuten, seine Felder aber schonen. Immerhin 34 Meter breit wird der Arbeitsstreifen sein, der auf einer Strecke von einem Kilometer durch sein Grundstück gegraben werden soll.

Argumente werden gehört

Bücker pflanzt Getreide, Raps, Mais an, alles als Futter für seine Schweine. „Wir haben hier nicht so viel Fläche“, sagt er und spricht auch für seine Nachbarn, „jeder Quadratmeter, der landwirtschaftlich genutzt werden kann, wird auch genutzt.“

Seine Argumente werden gehört beim Erörterungstermin. „Es wird geprüft, ob man die Leitung noch etwas verschieben kann“, sagt Matthias Richter, der für die Bezirksregierung Münster den Behördentermin leitet, auf Anfrage. Dass sich bei Bücker Leitungen häufen, sei nicht zu ändern: „Ein Grundsatz ist Trassenbündelung.“

Gerade wird die neue GDRM-Station (Gasdruckregel- und Messanlage) am Deipenbrock gebaut, dahinter sieht man die großen Rohre für die Loop-Leitung Epe-Legden. Sie wird genauso wie die Zeelink-Leitung von Open Grid Europe gebaut. Auf dem Feld hinter der Station blüht Kamille. Mehr passiert nicht auf dieser Fläche von Josef Bücker, seit es zu Beginn der Arbeiten von Open Grid Europe unsachgemäß bearbeitet wurde. Der Fall ist längst geklärt. „Mit Open Grid kann man ja reden“, sagt Bücker. Aber dennoch sei es ein Beispiel dafür, welche Folgen auf die Landwirte zukommen.

Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

Ein paar Meter weiter ist gut ein weiteres Beispiel zu sehen. Hier trennt die neue Trasse ein großes Stück ab, auf der anderen Seite sind nur noch ein kleines Maisfeld, ein kleines Getreidefeld zu sehen. „Es gibt viele tote Flächen, in die die Landwirte nicht mehr mit ihren Fahrzeugen reinkommen“, erläutert Bücker. Viel mehr kann der Landwirt erzählen, von den Folgen der Tiefendrainagen während der Bauarbeiten oder davon, dass der Mühlenbach ausgerechnet da unterquert werden soll, wo er sich sehr natürlich entlang schlängelt.

Sein Vater Josef Bücker sen. dagegen denkt zurück. 1943, während des Zweiten Weltkrieges, wurde die erste Gasleitung im Haulingort gebaut. „Von russischen Kriegsgefangenen, die waren ganz arm dran“, erzählt er. „Die hatten nur Spaten.“ Einige Landwirte, so erinnert er sich, haben den Kriegsgefangenen unauffällig Essen zukommen lassen.“ Eine Geschichte von einst, könnte man meinen. Für Josef Bücker jun. sagt sie etwas anderes: „Das Projekt wird kurze Zeit vor Ort betreut. Die Leitungen aber bleiben.“

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