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Für drei Tage dunkelgrün

Legden Grün. Alles grün und sonst gar nichts. Das bunte Blumenmeer an der Waldkrone - seit Wochen der leuchtende Blickfang am Legdener Ortseingang - ist verschwunden. Statt der prächtigen Dahlien strahlen rund 60 Menschen am Feldrand: schwitzend und mit vor Anstrengung roten Köpfen.

29.08.2008

Für drei Tage dunkelgrün

<p>Abgeerntet: das Blumenfeld an der Waldkrone. Nur die Stengel erinnern an die einstige Blütenpracht. </p>

Zwei Stunden, um das ganze Feld abzuernten - gar nicht übel. Statt ein schlechtes Gewissen wegen ihres gerade vollbrachten Zerstörungswerks zu haben, sind die gnadenlosen Blumenpflücker auch noch zufrieden. Dabei sind es nur noch drei Wochen bis zum großen Legdener Dahlien-, Kinder-Blumenkorso. Und der benötigt 1,5 Millionen Blüten.

"Keine Sorge", beruhigt der Vorsitzende des Korsovereins, Andreas Fleige, während er seinen Blick über das dunkelgrüne Feld streifen lässt - kein bisschen erschrocken. Im Gegenteil: "Um schöne Blüten für unseren Korso zu bekommen, müssen wir die Dahlien regelmäßig pflücken." "Wir" - das sind die Mitglieder der Nachbarschaften, die alle drei Jahre, wenn der Korso stattfindet, nicht nur als Dahlien-Bauern aktiv sind, sondern zusätzlich auch als Korsowagen- und Kostüm-Designer. Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wären Fleige und seine Vereinskollegen aufgeschmissen - und die Dahlien auch, die dann nur einmal blühten statt mehr als zehn Mal.

"So, die sind voll" - Julian (15) und Valentin (9) balancieren zwei sperrige Plastikkisten durch die engen Reihen des holprigen Ackers - jede hoch gefüllt mit blumiger Fracht: rot, rund, klein und fest - Ponpon-Dahlien Handelsklasse eins. Dass die Jungen mitmachen, ist keine Strafarbeit, sondern Ehrensache. "Das macht Spaß", versichert der Jüngere. Allerdings: "Mit den anderen Männern am Wagen bauen - das ist noch besser."

Handelsklasse eins

Julian und Valentin sind schon wieder auf dem Rückweg - weg vom Sammelplatz am Straßenrand, wo sich schon weit mehr als hundert Kisten stapeln, zurück zum Feldabschnitt, auf dem ihre Mütter und einige Nachbarn der Poststraße noch immer pflücken - die allerletzten Blüten. Bernhard Gurski ist einer von ihnen. Blüte, Kiste, Blüte, Kiste, Blüte, Boden: In einer einzigen fließenden Bewegung wandert seine Rechte hin und her, während er mit links den schwarzen Plastikkorb hält. Warum er immer wieder Blüten einfach wegschmeißt? Der Mann hält inne. "Die hier", er zeigt eine rote Blütenkugel, "genügt einfach nicht den Qualitätsanforderungen": zu verblüht und verregnet - nur noch Biodünger unter Füßen, die in schweren Gartenschuhen stecken.

Die Korso-Kollegen aus Holland wissen diese Akribie zu schätzen. Für sie - genauer gesagt: für den Blumenkorso in Wiinterwijk - sind die 80 000 frisch geernteten Blüten aus Legden bestimmt.

In Winterwijk bestaunt

Sie setzten bunte Akzente auf den Motivwagen, die durchs Nachbarland rollten - anders als beim Dahkibluko in Legden aber ohne Kinder.

Frohe Farben sind nicht nur in Winterswijk zu sehen. Sie schimmert auch schon wieder an der Waldkrone - unter zarten grünen Blütenblättern. sy-

Für drei Tage dunkelgrün

<p>Julian und Valentin haben alle Hände voll zu tun. Wie auch rund 60 andere Nachbarn jeden Alters helfen sie bei der Dahlienernte - die erste für den Verkauf nach Holland. MLZ Fotos (3) Lüttich-Gür</p>