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Kleiderstube schließt

Kaum Kunden

Die wandhohen Regale und breiten Schränke sind gut gefüllt. Ob Strampelanzug oder festliche Bluse, Trainingsanzug XXL oder kleines Schwarzes: Im Caritas-Modestübchen findet sich Kleidung für jedes Geschlecht, jedes Alter, jeden Anlass und jeden Geldbeutel – selbst dem fast leeren. Nur eines findet sich im Obergeschoss des Altenwohnhauses St. Josef nicht: Kundschaft.

LEGDEN

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 05.06.2012
Kleiderstube schließt

Sind nicht mehr gefragt: die gespendeten Textilien in der Kleiderstubbe.

„So hat es keinen Zweck mehr“, sagt Hedwig Wilpert im Verkaufsraum unterm Dach: „Wir haben deshalb beschlossen zu schließen.“ Am 14. Juni ist zum letzten Mal gut erhaltene, gebrauchte Kleidung für einen Euro pro Stück in Legden erhältlich. Die ehrenamtliche Modeberaterin greift in ein Regal, zieht die oberen beiden Pullover heraus und faltet sie mit geübter Handbewegung ordentlich auf. In dem Modestübchen der Pfarrgemeinde soll eben alles ansprechend aussehen – wie in einer echten kleinen Boutique. Doch bei allem Engagement: Dass sich das Lädchen wenig publikumswirksam im Seitenflügel des Altenheims versteckt und über hohe Treppen erreichbar ist, können Hedwig Wilpert und ihre Kolleginnen Maria Thesing, Elfriede Kröger, Sabine Roters und Gudrun Heidbrink nicht ändern. Dass es im Dachgeschoss viel zu eng ist, im Winter zu kalt und im Sommer zu heiß, ebenfalls nicht. „Der Raum hier ist nicht ideal“, fasst Wilpert nüchtern zusammen.

Ein Ladenlokal im Erdgeschoss wäre gut, ergänzt sie: eines, in dem die Besucher auch Kaffee trinken könnten, „wo man auch hingehen kann, ohne nach Kleidung zu suchen.“ Das würde es manchem leichter machen, die Hilfe der Kleiderkammer in Anspruch zu nehmen. Denn mindestens genauso hoch wie die Treppe sei die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen.

„Bedarf gibt es nach wie vor“, ist Wilpert überzeugt. Das bestätigten ihr die wenigen Kunden: alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern oder Senioren, die von einer kleinen Rente leben müsste, manchmal auch ganze Familien. Wer aber eben könne, kaufe lieber in einem Billig-Textilladen etwas Neues als gebrauchte Ware aus dem Modestübchen – ganz unabhängig von der Qualität und der Haltbarkeit. Gerd Baumeister, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, nickt. Eine Ausnahme gebe es aber, ergänzt er: die Kleiderbörsen. Die boomten wie noch nie. Baumeister ist in den Raum mit den vielen gut gefüllten Regalen gekommen, um Tipps zum Verbleib der Waren zu geben. Vielleicht für die Pater-Beda-Sammlung? Oder für das Kolping-Hilfsprojekt in Namibia? Hedwig Wilpert zögert. Am liebsten würde sie die gespendete Kleidung ja in Legden lassen und sie dort weiter anbieten – in einem besser geeigneten Raum. „Doch wer stellt uns den schon kostenlos zu Verfügung?“ Die wenigen Einnahmen aus dem Verkauf flössen nämlich komplett in caritative Projekte. Letzter Verkauf ist am Donnerstag, 14. Juni, zwischen 14.30 und 16.30 Uhr im Caritas-Modestübchen im Altenwohnhaus St. Josef. Kunden, für die die Treppe ein Hindernis ist, können an der Pforte den Aufzug bestellen.

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