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Private sollen es richten

Umbau der A 31

HEEK/LEGDEN Neu wird ab 2011 nicht nur die Fahrbahn der A 31 zwischen Gescher/Coesfeld und Gronau/Ochtrup. Neu ist auch das Verfahren, mit dem der Bund den Ostfriesenspieß wiederherstellen lassen wird: Er überträgt die Unterhaltung der 15 Kilometer einer Privatfirma – für die nächsten 25 Jahre.

von Von Sylvia Lüttich-Gür

, 16.08.2010
Private sollen es richten

Die Zeiten der Flickschusterei auf der A 31 sind bald vorbei.

Funktionsbauvertrag (FBV) heißt das neue Instrument, von dem sich Udo Mattigkeit vor allem eines verspricht: „Das Einsparen von Steuergeldern – mindestens zehn Prozent“, so der Regierungsbauamtsrat, der bei der Hammer Niederlassung des Landesbetriebs Straßen NRW das Projekt leitet. Ob diese Prognose tatsächlich zutrifft, kann heute noch niemand sagen. Denn noch fehlt es an Erfahrungen und Vergleichswerten: Noch keines der rund 25 anderen FBV-Projekte in Deutschland – vor allem in Bayern – ist bereits abgeschlossen und abgerechnet. Mattigkeit ist dennoch überzeugt, dass es für den Steuerzahler ein erhebliches Einsparpotenzial gibt – und er erklärt auch, warum: Die Privatfirmen könnten in Eigenregie günstiger die Straße sanieren als es der Bund vermag.

Der Grund: Anders als der öffentliche Straßenbauer sei eine Firma nicht an die RStO gebunden, die Richtlinie für die Standardisierung des Oberbaues von Verkehrsflächen. „Sie können innovative Dinge einbauen“, sagt Mattigkeit – also Materialien verwenden, die die starre Richtlinie so nicht vorsieht.. Ein Beispiel dafür liegt gleich nebenan – auf dem 12,7 Kilometer langen Teilstück der A 31 zwischen Lembeck und Gescher. Ende 2006 sei dort die Instandsetzung der Fahrbahn abgeschlossen worden – durchgeführt durch die ersten Funktionsbauvertragspartner der Region: die Firmen Euro-Via-Teerbau, Trapp und Euro-Via-Beton. Die Autofahrer sehen und spüren den Unterschied zu anderen Autobahnabschnitten nicht. Mattigkeit weiß aber: Unter der „ganz normalen Decke“ befinde sich ein neuartiger Unterbau – und das bedeutet ein günstigerer.

Auf die Lebensdauer der Autobahn dürfe die Materialwahl allerdings keinen negativen Einfluss haben, steht für den Projektleiter fest. Auch wenn der Funktionsbauvertrag die Verantwortung für die Unterhaltung der Autobahn vom Landesbetrieb Straßenbau auf den privaten Vertragspartner für 25 Jahre übertrage, könne der sich nicht aus der Verantwortung stehlen. „Jährlich finden Begehungen statt.“ Dabei werde überprüft, ob die Fahrbahn auch in Ordnung sei – etwa genügend Griffigkeit hat und keine Rillen. Auch wenn Private die Regie bei den Sanierungs- und Unterhaltungsarbeiten führen. Die Straßenmeistereien des Landesbetriebs sind auch weiterhin für Wartungsarbeiten wie Kehren, Streuen oder für den Grünschnitt zuständig.

Der Landesbetrieb hat die Ausschreibung für das zweite Teilstück der A 31, das auch über Legdener und Heeker Gemeindegebiet verläuft, in Vorbereitung. Mit der Veröffentlichung rechnet Mattigkeit im Oktober, mit der Vergabe Ende Januar. Wie bei den anderen FBV-Projekten im Bund wird wohl wieder eine große Baufirma beziehungsweise ein Zusammenschluss daraus das Rennen machen. Denn in der Regel können nur solche es sich leisten, die Unterhaltungsarbeiten vorzufinanzieren. Die rund 24 Millionen Euro für die von 2011 bis 2013 geplante Sanierung werde der Bund zwar sofort zur Verfügung stellen. Für die Unterhaltungskosten zahle er aber erst nach neun Jahren – in dreijährigen Abschlägen.

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