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Virtuelles Radeln hält geistig fit

Demenzprojekt Motifit

Der Bildschirm zeigt eine bunte Radfahrergruppe, die durch virtuelle Landschaften und Städte radelt. Was auf den ersten Blick wie ein fröhliches Computerspiel aussieht, hat einen ernsten medizinischen Hintergrund: Hinter jedem virtuellen Radler steht ein echter Rehapatient, der etwas für seine Gesundheit tut.

LEGDEN

, 06.11.2014
Virtuelles Radeln hält geistig fit

Mit dem Ergometer in die virtuelle Fitnesswelt: Die niederländischen Entwicklung und Praxismitarbeiter (von links) Bernd Balloff, Lex van Velsen, Esther Moekotte, Dr. Volker Schrage, Martina Schrage, Daniela Balloff und Christoph Jölk.

Der Legdener Hausarzt Dr. Volker Schrage sieht in dem niederländischen Projekt Motifit viele neue Chancen zum Beispiel für Herz- oder Demenzpatienten. In dieser Woche haben die niederländischen Entwickler der Universität Twente, der Roessingh-Klinik in Enschede, der größten Reha-Klinik der Niederlande, und die Firma Webathletics das Projekt in der Hausarzt-Praxis Schrage/ Balloff vorgestellt. Patienten und Mitarbeiter zeigten sich begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten. Die Idee: Der Reha-Patient trainiert zuhause auf dem Fahrrad-Ergometer. Aber er bleibt dabei nicht allein auf sich gestellt: Der Tablet-Computer am Lenkrad ist per Internet mit der Arztpraxis oder dem Physiotherapeuten und zugleich mit anderen Reha-Patienten verbunden.

Jeder Patient erhält auf diesem Wege ein speziell auf sein Leistungsvermögen abgestimmtes Trainingsprogamm. Der Therapeut kann sehen, ob sich der Patient zu viel oder zu wenig zumutet. Und der Patient kann in einer virtuellen Gruppe mit anderen fahren – sogar Wettrennen. Dabei kommt es nicht auf das höchste Tempo an, sondern auf die Einhaltung des persönlich richtigen Tempos. „Hier kann auch ein Reha-Patient gegen einen Tour-de-France-Fahrer gewinnen“, erklärt Lex van Velsen aus Enschede. In den Niederlanden übernähmen bereits einige Krankenkassen die Kosten für die Aufstellung der Ergometer beim Patienten für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten. Auf eine solche Lösung in Deutschland hofft auch Martina Schrage vom Gesundheits- und Präventionszentrum der Hausarztpraxis in Legden: „Wir werden jetzt mit den Krankenkassen Gespräche darüber führen.“

Bewegung, so erklärt Dr. Volker Schrage, sei das zum Beispiel bei Demenzpatienten im frühen Stadium das A und O: „Tabletten helfen mit dem Faktor 1, Gedächtnistraining mit dem Faktor 2 – Bewegung aber mit einem Vielfachen.“ Ähnliches gelte für Menschen mit Herzleiden, Parkinson oder COPD (chronische Lungenerkrankungen). Ältere Menschen gerade auf dem Lande hätten oft nicht die Möglichkeit, sich regelmäßig auf den Weg zum Training in ein Gesundheitszentrum zu machen, so Schrage. Und für ein Trainingsprogramm zuhause fehle oft die Motivation. So droht eine Abwärtspirale: Schlechte Gesundheit kann zu weiterer Inaktivität führen. Und Inaktivität schadet der Gesundheit. Schrage ist davon überzeugt, dass Motifit ein Weg sein kann, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, weil sozialer Anreiz da sei und die therapeutische Überwachung dem Patienten Sicherheit gebe.

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