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50 Jahre Geld aus Automaten

Geldautomat feiert Geburtstag

Jederzeit Geld holen – das war vor 50 Jahren noch undenkbar. Damals wurde der erste Geldautomat in Deutschland in Betrieb genommen. Die Idee zu der Erfindung entstand in der Badewanne.

Legden

, 04.06.2018
50 Jahre Geld aus Automaten

Die Deutschen mögen Bargeld. Das gibt es in vielen tausenden Geldautomaten. Der erste wurde vor 50 Jahren in Deutschland eingeweiht. © picture alliance / Karl-Josef Hi

Zwei Geldautomaten stehen in der Legdener Sparkasse am Fliegenmarkt. Zweidrittel der Menschen, die in die Filiale kommen, gehen zum Automaten – so die Schätzung des Filialleiters Stefan Fleige.

24 Stunden, sieben Tage die Woche kann hier jeder Geld abheben. Das ist meistens, aber nicht überall so. Vor 50 Jahren wurde der erste Geldautomat in Deutschland eingeweiht. Seit wann es in Legden oder auch in der Region Geldautomaten gibt, kann die Sparkasse Westmünsterland nicht sagen. In Legden war bereits am alten Standort an der Hauptstraße, also vor dem Umzug 1997, ein Geldautomat vorhanden. Doch es hat gedauert, bis sich die Geldautomaten in Deutschland durchgesetzt haben.

Geldautomaten mit immer mehr Funktionen

Der Automat, wie er sich heute in Banken und Sparkassen findet, kann inzwischen weit mehr als nur Geld aus dem Schlitz zu schieben. An vielen Geräten kann man Geld auf sein Konto einzahlen. Außerdem kann der Kontostand abgefragt, auf Tagesgeldkonten zugegriffen und zum Beispiel das Prepaid-Mobiltelefon aufgeladen werden. Auch wer mal eben einen 100-Euro-Schein „klein“ machen will, ist am Geldautomaten richtig und kann dort wechseln. „Das wissen viele nicht“, so Stefan Fleige.

Das war Ende Mai 1968 noch nicht so, als bei der Kreissparkasse Tübingen der erste Geldautomat Deutschlands in Betrieb genommen wurde. Damals hatten ausgewählte 1000 Kunden Zugang. Sie brauchten einen Schlüssel, eine Identifikationskarte und eine Lochkarte, mit deren Hilfe man einen 100-Mark-Schein entnehmen konnte – und das nur zu den Öffnungszeiten.

50 Jahre Geld aus Automaten

Für den ersten Geldautomaten in Tübingen brauchte man noch eine Lochkarte. © picture alliance / Lena Müssigm

Nur langsam ging es voran. 1982 gab es bundesweit rund 130 Geldautomaten. Erst in den 1990er-Jahren, als alle EC-Karten mit einem Magnetstreifen und PIN ausgestattet wurden, wurde es selbstverständlich, am Automaten Geld abzuheben. Bei der Sparkasse ist das zurzeit in Deutschland an rund 25.000 Geldautomaten möglich, damit bietet sie am meisten Geldautomaten an. Im Geschäftsgebiet der Sparkasse Westmünsterland sind es 177 Geräte. Im Durchschnitt heben Kunden 200 Euro ab.

Laut Deutscher Kreditwirtschaft, dem Dachverband der deutschen Banken, gab es 2015 mehr als 61.000 Geldautomaten. Es werden aber inzwischen wieder weniger. Das hängt damit zusammen, dass immer mehr Menschen mobile Angebote nutzen, dass sie mehr mit Karte zahlen oder eine App benutzen. Kerstin Marpert, Pressesprecherin der Sparkasse Westmünsterland, betont, dass Bargeld aber weiter beliebt sei: „Es wird auch in Zukunft Geldautomaten geben.“ In Ländern wie Schweden ist das bargeldlose Zahlen viel mehr verbreitet.

Investitionen in die Sicherheitsmaßnahmen

Aber auch die Kosten für den Unterhalt der Automaten und die Sicherung ist Grund, dass Automaten abgeschafft werden. Kerstin Marpert erläutert: „Wir haben in den letzten Jahren unsere Automaten mit erheblichen Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen geschützt, diese entsprechen dem aktuellen Standard.“ Gefeit vor Kriminellen sind Geldinstitute aber nicht. 2017 registrierte das Landeskriminalamt 92 Geldautomaten-Sprengungen in Nordrhein-Westfalen, 136 Attacken waren es im Jahr davor. Auch in Legden schlugen Täter zu, Anfang Februar sprengten sie einen der beiden Geldautomaten in der Sparkasse und flohen mit Bargeld.

50 Jahre Geld aus Automaten

Im vergangenen Februar wurde der Geldautomat in der Legdener Sparkasse gesprengt. © Stefan Grothues

Das eigentliche Jubiläum des Geldautomaten wurde übrigens schon vor einem Jahr gefeiert. Am 27. Juni 1967 stellte die Barclays Bank in der Nähe von London den ersten Bankautomat auf. Die Idee dazu hatte der Schotte Joseph Shepherd-Barron entwickelt, als er an einem Samstagmorgen knapp die Öffnungszeit seiner Bank verpasste und ohne Bargeld für das Wochenende dastand.

Später in der Badewanne sitzend, so wird berichtet, grübelte er darüber nach, einen Automat zur Scheckauszahlung zu entwickeln. Vorbild waren die Süßwarenautomaten auf den Bahnhöfen. Bei diesem ersten Automat waren Computer noch nicht angeschlossen und es gab maximal zehn Pfund. Aber das reichte damals für ein wildes Wochenende, so der Erfinder in einem BBC-Interview.

Noch weiter zurück ins Jahr 1939 und nach New York führt ein erster Versuch des Armeniers George Luther Simjian. Sein Bankograph, so berichtete er selbst, wurde nur von ein paar Prostituierten und Glücksspielern genutzt, die nicht unbedingt Kassierern gegenübertreten wollten.

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