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Liberales zum Fest: „Hexe Lilli rettet Weihnachten“

Berlin. Millionenfach verkaufen sich weltweit die Kinderbücher um die „Hexe Lilli“. Nach „Der Drache und das magische Buch“ sowie „Die Reise nach Mandolan“ kommt nun das dritte teilanimierte Abenteuer auf die Kinoleinwand.

Liberales zum Fest: „Hexe Lilli rettet Weihnachten“

Die Hexe Lilli (Hedda Erlebach) ist ein warmherziges Mädchen und versteckt seine übernatürlichen Kräfte vor seiner alleinerziehenden Mutter. Foto: Universum Film

Hexen, sollte man denken, dürften das Weihnachtsfest meiden wie der Teufel das Weihwasser. Denn als buckelige heidnische Wesen, die allerlei bösen Zauber beherrschen, müsste ihnen die christliche Feier äußerst unsympathisch sein.

Nicht so Hexe Lilli - die von vielen Kindern weltweit geliebte Hauptperson aus der Buchreihe des Autors Knister ist aus anderem Holz geschnitzt. „Hexe Lilli rettet Weihnachten“ heißt denn auch das dritte Kinoabenteuer des warmherzigen Mädchens, das seine übernatürlichen Kräfte vor seiner alleinerziehenden Mutter versteckt.

Betont christlich fällt der von Wolfgang Groos („Rico, Oskar und das Herzgebreche“) inszenierte Familienfilm nach dem Drehbuch von Gerrit Hermans nicht aus, eher zeitgeistig wohlmeinend und liberal. „Es geht doch nur darum, dass man mit der Familie zusammen ist“, heißt es darin über den Sinn von Weihnachten. Dabei wird Lillis muslimische Klassenkameradin Layla (Aleyna Hila Obid) stark in das Ereignis einbezogen. So weiß Layla, die auch beim Weihnachtsmärchen in der Schule mitspielt, dass der Nikolaus in alter Zeit Bischof von Myra war - einer Stadt in der heutigen Türkei. Und weil auch sie sich solch ein Fest wünscht, richten ihr ihre muslimisch nicht gerade standfesten Filmeltern eine Bescherung mit Lichtern, Geschenken und leckerem Essen aus.

Der turbulente Film mit Fantasy-Elementen wartet überdies mit einigen Neubesetzungen und einer Reise ins Mittelalter auf. Die muntere Lilli in roter Jacke und Ringelstrümpfen wird von der fernseherfahrenen Hedda Erlebach in ihrer ersten Hauptrolle verkörpert. Anfangs ist die Heldin sehr genervt, weil sie ständig Rücksicht auf ihren jüngeren Bruder Leon (Claudio Magno) nehmen muss, der dann auch noch ihr neues Teleskop kaputt macht. Da reicht es dem patenten Mädel endgültig. Gegen den Rat ihres kleinen grünen Drachens Hektor - die vorwitzige Animationsfigur mit der bayerisch getönten Stimme von Michael Mittermeier darf man getrost als Clou der Geschichte betrachten - verwendet Lilli einen Spruch aus ihrem Hexenbuch.

Und zaubert Knecht Ruprecht (Jürgen Vogel, „Der Mann aus dem Eis“) aus dem Mittelalter in ihre Alltagswelt. Der soll Leon eine Lektion erteilen. Doch Ruprecht macht nur jede Menge weiteren Stress. Der wild aussehende Mann in brauner Kutte mit stetig wachsenden Hörnern auf dem Kopf lässt einen von Lillis Lehrern verschwinden und entwickelt sich mehr und mehr wieder zu dem Wesen aus der Unterwelt, das er einmal war. Lilli wird klar, dass sie einen Fehler gemacht hat - und nur der Nikolaus noch helfen kann. Also hext sie sich mit Layla zurück ins Mittelalter - während Ruprecht die Stadt und damit das Weihnachtsfest in ernsthafte Gefahr bringt.

All das kommt launig über die Leinwand, manchmal jedoch auch arg kompliziert und nicht immer charmant. Für Regisseur Groos hat besonders die Darstellung des Knecht Ruprecht eine tiefere Bedeutung. „Der kommt hierher und ist eigentlich gar nicht böse“, zitiert ihn das Presseheft zum Film. „Aber je länger er in unserer Welt lebt, desto böser wird er. Er wird verlacht und er sieht, mit welcher Ignoranz und welcher Undankbarkeit die Menschen durchs Leben gehen. Er wird böse, weil ihm Böses geschieht und eben nicht, weil er an sich böse ist.“ Die Begegnung mit der liebenswürdigen Lilli schließlich erlaube ihm eine Rückverwandlung.

Hexe Lilli rettet Weihnachten, Deutschland 2017, 100 Min., FSK ab 0, von Wolfgang Groos, mit Hedda Erlebach, Jürgen Vogel, Anja Kling

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