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Rolltreppen gibt es seit 125 Jahren, doch sie fallen nur auf, wenn sie mal nicht funktionieren. Sie bergen manche Kuriosität und bereiten viel Arbeit, erzählt Jens Kater von DSW21.

Dortmund

, 13.07.2018 / Lesedauer: 7 min

Sie fallen nur auf, wenn sie ausfallen: Rolltreppen. Vor 125 wurde die erste der Welt in New York eröffnet – 1893 natürlich in einem Bahnhof. Und auch heute noch sind die meisten Rolltreppen an Bahnhöfen zu finden. Mit 189 Treppen-Anlagen sind die Dortmunder Stadtwerke DSW21 der größte Betreiber in der Region. Benjamin Legrand sprach mit Jens Kater, dem Leiter Elektrische Betriebstechnik der DSW21.

Heißt die Rolltreppe überhaupt Rolltreppe?

Der Fachbegriff ist Fahrtreppe, das steht auch in der Norm. Gebräuchlich ist aber Rolltreppe. Man kann nichts Falsches sagen, wir sagen hier aber alle Fahrtreppe. So sind die in Dortmund auch alle gekennzeichnet: mit FT.

Seit 125 Jahren gibt es also Fahrtreppen. Warum steht die Menschheit immer noch oft links – obwohl man doch nur rechts stehen soll?

Immer wenn es einer eilig hat, dann steht da einer, stimmt. Aber eigentlich soll man auf der Fahrtreppe stehen und nicht gehen. Man soll sich immer am Handlauf festhalten.

Welchen Sinn hat das?

Wegen der Unfallgefahr. So eine Fahrtreppe kann ja immer mal eine Störung haben. Bei einem Stromausfall bleibt die plötzlich stehen. Und wenn ich mich nicht festhalte, kann ich fallen. Eine Fahrtreppe ist eine Maschine und keine normale Treppe.

Viele Verkehrsgesellschaften wollen das auch gar nicht, dass die Leute ‚Rechts stehen und links gehen‘. Wenn viele Menschen schnell wegtransportiert werden sollen, wird ja nur die Hälfte der Fahrtreppe effektiv genutzt, wenn nur ein paar Leutchen links daran vorbeilaufen. Und deshalb wollen die, dass links und rechts gestanden wird, damit möglichst viele Personen wegkommen. Das ist in Dortmund aber nicht das Problem.

Links gehen, rechts stehen - oder etwa nicht? Rolltreppen bergen Kuriositäten

Jens Kater ist Leiter der elektrischen Betriebstechnik der DSW21 © Legrand

Laut den Hinweisschildern darf man auch keine Gummistiefel tragen. Was hat es damit auf sich?

Gummi auf Eisen bleibt sofort kleben. Entweder wird es heiß oder man bleibt hängen und knickt um.

Hunde sind auch verboten.

Auch für Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen empfehlen wir den Fahrstuhl. Hunde müssen getragen werden. Wenn dann also einmal jemand mit seiner Deutschen Dogge darunter will... tja. Kleinkinder soll man festhalten. Das sind alles Normen nach DIN EN 115 – die Bibel für Fahrtreppen.

Wie haben sich die Fahrtreppen in 125 Jahren verändert?

Früher gab es keine Richtungsänderungen mit den Ampeln oder diese Sanftanläufer. Da liefen die Fahrtreppen ja immer mit der gleichen Geschwindigkeit durch. Heute läuft die Treppe langsam an, wenn ein Fahrgast kommt. Hinterher schaltet die sich auch wieder ab. Das ist eine Frage der Energieeffizienz und des Komforts für den Fahrgast, schließlich gibt es ja auch immer mehr ältere Menschen.

Nicht jede Treppe spart Strom. In Kaufhäusern fahren die immer durch. Wie viel Strom frisst eine Anlage?

Es gibt Energieeffizienzklassen für Fahrtreppen – wie beim Kühlschrank. Da achten wir darauf, wenn wir neue anschaffen, dass die eine Mindesteffizienzklasse einhalten. Der Verbrauch ist sehr unterschiedlich, extrem unterschiedlich. An einem Außenbahnhof steht die Treppe fast den ganzen Tag still und an der Reinoldikirche in der Innenstadt fährt sie den ganzen Tag.

Wie unterscheiden sich Ihre Bahnhofstreppen von Kaufhaus-Fahrtreppen?

Wir sind komplett anders als Kaufhaustreppen, die sind Stangenware. Da ist jede wie die andere, die sind immer unter Beobachtung in einem Kaufhaus, die sind drinnen ohne Witterung. Ganz andere Einflüsse. Unsere Fahrtreppen sind meistens unbeobachtet, mit Witterungseinflüssen. Wegen der Vandalismuseinflüsse haben wir alles aus Edelstahl. Alles Maßanfertigung, die um ein Vielfaches teurer sind als eine Kaufhaustreppe. Ein enormer Aufwand.

Vandalismus ist ein großes Problem im öffentlichen Raum?

Wir haben schon alles gehabt. Manche machen uns die Handläufe kaputt. Einmal wurde die Treppe angezündet – haben wir auch schon gehabt. Da kommen die Kinder, die springen unten auf den Blechen rum.

Die Bleche sind die Kontakte für den Anlauf, damit die losfährt?

Früher gab es Kontaktmatten, aber die waren zu störanfällig. Heute gibt es dafür Lichtschranken. Die Platten sind heute nur die Abdeckung für die Grube darunter, in der ja der Antrieb liegt.

Ist der immer oben oder unten?

Der ist immer oben in der Grube, da kommt man einfacher ran. Früher war der Antrieb in der Fahrtreppe selber, im Stufenband. Wenn man die reparieren wollte, musste man immer 20 Stufen ausbauen.

Andauernd fällt eine Rolltreppe, Entschuldigung, Fahrtreppe aus. Für die Fahrgäste ärgerlich.

Die sind sehr störanfällig, weil sie tagtäglich benutzt werden – und das auch nicht immer, wie sie benutzt werden sollten.

Ist es falsche Verwendung, ist es Witterung oder einfach Verschleiß: Was sind die Hauptursachen dafür, dass Fahrtreppen oft nicht laufen?

Witterungseinflüsse auf jeden Fall, Verschleiß auch. Vandalismus nur minimal. Ein Mix aus allen.

Geht dann bei Ihnen hier eine Lampe an oder müssen sie alle 189 Fahrttreppen immer abfahren?

Die laufen alle mit Störmeldung auf unserem Leitstand auf. Oft auch schon differenziert, welche Störung vorliegt. Wir haben unser eigenes Instandsetzungsteam mit acht Mitarbeitern für Reparatur und Wartung. Dazu haben wir einen Kollegen im technischen Büro, der die Erneurungen plant.

Wo sind in Dortmund denn Problem-Hotspots, welche Rolltreppe fällt denn am häufigsten aus?

Wir haben verschiedene Wartungsintervalle. Die Hotspots in der Innenstadt bei Reinoldi oder am Stadtgarten werden dann häufiger gewartet als andere.

Links gehen, rechts stehen - oder etwa nicht? Rolltreppen bergen Kuriositäten

Was auf der Rolltreppe verboten ist und was nicht, zeigen Piktogramme. © Legrand

Welche Rolle spielt das Alter? Welche Anlage ist die älteste?

Unsere ältesten wurden Ende der 70er-Jahre mit Beginn der Stadtbahn eingebaut.

Die sind aber schon ausgetauscht?

Nö, die fahren noch. Zum Beispiel am Hauptbahnhof fahren noch zwei Fahrtreppen, die jetzt erst im Zuge des Bahnhofsumbaus ausgebaut werden. Das hätte vorher keinen Sinn gemacht.

Auch auf der Strecke nach Hörde sind die ältesten. Die werden aber jetzt auch ausgetauscht. Wenn wir das noch schaffen, Ende des Jahres, ansonsten ab nächstem Jahr. Wir erneuern jedes Jahr vier Fahrtreppen.

Und warum sind dann noch die ältesten noch im Einsatz?

Wir machen das Ganze ja nicht nach dem Alter, sondern auch zustandsorientiert. Und die Station Clarenberg ist überdacht und nicht so stark frequentiert wie im Innenstadtbereich.

Was kostet eine Fahrtreppe?

Im Durchschnitt rechnen wir immer mit 45.000 Euro – pro Höhenmeter.

Die Lebensdauer ist sehr unterschiedlich. Wir haben bei uns im Schnitt 30 Jahre plus/minus 5 Jahre. Je nachdem, ob Innen- oder Außentreppe. Aber man muss sagen, dass die Treppen heutzutage nicht mehr die Qualität wie früher haben. Damals hat man wertbeständiger gebaut. Heute sind die filigraner gebaut mit weniger Eisen. Es ist auch viel mehr Elektronik enthalten, durch Sanftanlauf, durch Sicherheitseinrichtungen, durch Störungsübertragung. Das ist Hightech geworden.

Im vergangenen Jahr haben Sie die größte Dortmunder Fahrtreppe an der Märkischen Straße ausgetauscht. Was war die Herausforderung?

Das war was Besonderes für uns – nicht nur, weil die Maßnahme mit 1,4 Millionen Euro so kostenintensiv war, sondern auch, weil es kompliziert war, die Treppe da überhaupt reinzukriegen. Wir mussten die Fahrtreppe mehrmals teilen, um die vom Sattelschlepper in die Schacht runterzukriegen. Die hatte 31 Meter Länge bei einer Förderhöhe von 13 Metern. Das waren sechs Teile mit jeweils 19 Tonnen Gewicht.

Ist der Neigungswinkel eigentlich immer gleich?

Der ist bei uns immer gleich. Genormt auf 27,3 Grad. Auch die Geschwindigkeit ist immer gleich: 0,5 Meter pro Sekunde.

Manchmal wäre es ja schöner, wenn es etwas schneller ginge..?

Man kann das einstellen. Wir haben auch alte Anlagen, die 0,6 Meter pro Sekunde laufen. Aber da merkt man den Unterschied auch als jüngerer Mensch. Das geht schon ganz schön ab, wenn man darauf steigt. Es sollen aber alle sicher fahren können, auch wenn man nicht gut zu Fuß ist. Das Tempo reicht ja auch. Wir haben ja nicht die großen Förderhöhen.

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Alle zwei bis drei Monate warten Mitarbeiter die Dortmunder Rolltreppen. © Legrand

Eine Maschine, dreieckige Stufenelemente, der Handlauf aus Gummi. Wie sieht ihre Wartungsarbeit aus?

Alle zwei oder drei Monate ist eine Wartung, je nachdem, wo die Fahrtreppe im Einsatz ist. Nach einer Sichtprüfung gucken sich die Kollegen den Motor und die Bremsen an – insbesondere die Bremswege, denn so eine Treppe darf nicht zu abrupt abbremsen, aber auch nicht zu lange brauchen. Die Verschleißteile prüft man, schließlich sind da viele Ketten und Rollen drin. Ganz wichtig sind alle Sicherheitseinrichtungen. Jedes Jahr haben wir über mehrere Wochen einen TÜV-Prüfer im Haus.

Wie oft passiert denn mal was?

Kleinigkeiten haben wir ab und zu mal. Da bleibt mal jemand mit Jacke und Schal über dem Arm unten im Stufenkamm hängen. Die Stufen haben ja Rillen, und wo die Stufen einfahren, sind kleine Spalten. Man kommt mit Schuhen nicht dazwischen, aber so ein Schal oder ein langes Kleid – da muss man schon aufpassen. Kinder spielen gerne an den Stufenkämmen mit ihren Schuhen – da kann man auch mal hängen bleiben. Die Fahrtreppe schaltet sich dann ab und dann passiert da nichts.

Bei Wartungen stehen die Treppen ja oft auch still. Da regen die Kunden sich doch bestimmt gerne auf, wenn sie schnaufend die Treppen hochlaufen?

Es fallen ja auch nur Dinge auf, die nicht laufen. Wenn so eine Fahrtreppe fährt, ist das normal. Fährt sie einmal nicht, ist das doof. Aber nur wenige beschweren sich. Viele kriegen es gar nicht mit. Da wird ja vernünftig abgesperrt, nicht mit Flatterband, sondern es gibt überall diese Absperreinrichtungen.

Die sind sehr massiv.

Sollte man meinen. Aber man kennt ja die heutige Bevölkerung: Handy in der Hand, Kopf nach unten und dann den gewohnten Weg entlang. Die laufen einfach ohne zu gucken. Und es gibt wirklich Leute, die gegen die Absperrung laufen. Wenn man das nicht vernünftig aufstellt, landen die wirklich in der Grube. Da muss man aufpassen.

Links gehen, rechts stehen - oder etwa nicht? Rolltreppen bergen Kuriositäten

Durch die Rillen wird der Spalt so klein wie möglich. © Legrand

Welche Funktion haben die Rillen?

Durch die Rillen wird der Spalt – da, wo die Stufen einrollen – so klein wie möglich. Bei glatten Stufen hätten sie immer einen größeren Spalt, wenn die unten einklappen. Die Rillen greifen wie Zahnräder ineinander ein.

Wie viele Stufen hat denn so eine Treppe? Es sind ja immer doppelt so viele wie man sehen kann, weil das Band unten ja wieder zurückläuft.

Wir haben zwischen 60 und 120 Stufen. Die längste Treppe ist an der Märkischen Straße, die kürzeste ist an der Kampstraße mit 4,10 Meter Förderhöhe. Die Breite ist bei uns immer ein Meter. Ein Meter ist optimal – dann kann man zu zweit nebeneinander stehen.

Als Fachmann fahren Sie bestimmt anders Fahrtreppen. Da achten Sie drauf, oder?

Nur! Ganz schlimm. In Dortmund sowieso, allein, weil ich wissen will, ob alles vernünftig funktioniert. Und woanders gucke ich, wie die das machen.

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80 Meter lang und gewölbt ist die Rolltreppe der Elbphilharmonie in Hamburg. © dpa

Und welche Fahrtreppe ist die spektakulärste?

Die Fahrtreppe an der neuen Elbphilharmonie in Hamburg. Normalerweise geht eine Fahrtreppe ja gerade hoch, die in Hamburg ist gewölbt. Das ist ziemlich schwer zu konstruieren. Die ist so lang, dass man das Ende von unten gar nicht sehen kann.