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Loch lockt Kinder zu den Gleisen

ANNEN „Das geht hier zu wie bei einer Völkerwanderung“, sagt Sabine Jahnke entsetzt. Seit August geht ihr Sohn in den Ev. Kindergarten Märkische Straße. Seither muss sich die Mutter mit lästigen Bahngleis-Überquerern auseinander setzen.

von Von Julia Reidegeld

, 21.12.2007
Loch lockt Kinder zu den Gleisen

Sabine Jahnke, Nikolai (3), Sarah (4) und Binanca Rother.

Der Kindergarten liegt dem Bahnhof Witten-Annen direkt gegenüber. Und seit im Oktober die Hecke bis auf 40 Zentimeter gestutzt wurde, sind die „Gleis-Querulanten“ nicht mehr zu halten – und das alles unter den Augen der Kindergarten-Kinder. Wegen eines Lochs in der Hecke fühle sich so mancher Fahrgast ohnehin herausgefordert, schnell über die Gleise zu springen statt mehrere Minuten am Bahnübergang zu warten oder die Unterführung zu benutzen.

Erwachsenen sind keine guten Vorbilder

„Das sind keine guten Vorbilder für unsere Kinder“, findet auch Bianca Rother. Sie ist wie Jahnke im Elternrat des Kindergartens und will sich jetzt für einen Zaun stark machen. Bisher sei Gott sei Dank noch nichts passiert, aber man müsse ja nicht immer darauf warten. Doch wer ist dafür zuständig – Stadt oder Bahn? In unregelmäßigen Abständen fährt zumindest die Bundespolizei Streife, weiß Kindergartenleiterin Ute Sendowski. Denn dort ist das Problem längst bekannt. „Es gibt eine Ordnungspartnerschaft zwischen Ordnungsamt Witten, Landespolizei, Bundespolizei und DB AG“, erklärt ein Mitarbeiter der Bundespolizei Dortmund. Zunächst hinter einem Plakat versteckt, sprechen die Ordnungshüter die Gleisüberquerer an und kassieren 25 Euro. Leider nur ein kleiner Trost für die besorgten Eltern.

Kinder können Geschwindigkeit nicht abschätzen

 „Wie schnell macht das ein Kind nach, wenn es die Erwachsenen und Jugendlichen andauernd dabei beobachtet“, fragen sich die Mütter. Denn die abholenden Eltern stellen ihre Wagen auf dem Parkstreifen neben dem Bahngleis ab – von dort aus sind es nur zwei Schritte bis zu den Gleisen. „Und die Kinder können doch die Geschwindigkeit des Zuges überhaupt nicht einschätzen“, fügt Sendowski hinzu.

Die Bahn wolle sich jetzt der Sache annehmen, sagt Stadtpressesprecher Jochen Kompernaß. Einen hohen Zaun wünschen sich die Eltern und wollen sich nicht nur auf hohle Phrasen verlassen: Unterschriftenlisten und eine Menschenkette entlang der Gleise sind für Januar in Planung.