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Eine Gratwanderung

Löw lässt sich nicht beirren und setzt auf Bayern-Block

DANZIG 1954 unterlag Kaiserslautern der Überraschungsmannschaft aus Hannover im Meisterschaftsfinale deutlich. Dennoch setzte Bundestrainer Sepp Herberger bei der WM auf einen großen Lautern-Block – und wurde Weltmeister. 2012 ist die Situation ähnlich.

Löw lässt sich nicht beirren und setzt auf Bayern-Block

Die Europameisterschaft ist ihr gemeinsames Ziel. Dafür begraben Bayerns Sebastian Schweinsteiger und Borusse Mario Götze auch die Rivalität, die in der Bundesliga zwischen ihren Klubs herrscht.

Führt der Bayern-Block die Elf von Joachim Löw zum EM-Titel, hat der Bundestrainer alles richtig gemacht. Scheitert Deutschland früh, dürfte es heftige Kritik geben. Es war ein Bild, das Harmonie ausstrahlte und perfekt in die Botschaft des DFB passte: Bastian Schweinsteiger und Mario Götze gehen beim ersten gemeinsamen Training in Danzig lachend aufeinander zu, schlagen sich ab und drücken dann als Zeichen der Verbundenheit ihre Schultern gegeneinander.

Die großen Bundesliga-Konkurrenten aus München und Dortmund vereint in einem Trikot und ausgerichtet auf ein gemeinsames Ziel. Gemeinsam wollen sie den EM-Titel für Deutschland holen. Doch wie nah sich der achtköpfige Bayern-Block und die vierköpfige Delegation vom BVB wirklich sind, ist Gegenstand berechtigter Zweifel. Unvergessen sind die unschönen Szenen aus dem DFB-Pokalfinale in Berlin, als Schweinsteiger mehrfach böse gegen Dortmunder Profis einstieg und Verletzungen seiner damaligen Kontrahenten trotz des hohen Rückstands bereitwillig in Kauf zu nehmen schien. Es war der pure Frust, der damals aus dem „emotionalen Leader“ sprach und der dazu führte, dass sich der Münchner noch auf dem Rasen heftig mit Mats Hummels keilte. Offiziell sind alle Streitigkeiten ausgeräumt. „Es ist nicht so, dass sich die Mannschaften nicht abkönnen“, beschwichtigt Hummels. Für Bundestrainer Joachim Löw könnten die beiden Blöcke allerdings noch Probleme verursachen.

Der 52-Jährige hat sich festgelegt, für ihn zählen internationale Erfahrungswerte höher als aktuelle Erfolge. „Dortmunder sind national sehr, sehr stark. Aber sie sind international noch nicht ganz so erprobt wie die Bayern“, meint Löw. Die Delegation aus dem Süden wird deshalb den Kern seiner EM-Elf bilden, für die Dortmunder bleibt nur die unbeliebte Reservistenrolle. Die ersten Seitenhiebe aus Dortmund musste Löw schon einstecken. Als der BVB am vergangenen Sonntag den Vertrag mit Hummels vorzeitig verlängerte, schwärmte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp: „Mats ist überragend spielintelligent, was defensive Zweikämpfe und das Schließen von Räumen angeht. Ich kenne keinen auf dem Kontinent, der das so gut macht wie er.“ Es war eine kaum versteckte Stichelei in Richtung des Bundestrainers, der gegen Portugal auf das Innenverteidiger-Paar Per Mertesacker und Holger Badstuber setzen wird. In der Vergangenheit lag Löw im Nachhinein häufig richtig mit seinen in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Personalentscheidungen. Vor der WM 2010 etwa sprach er dem höchst umstrittenen Arne Friedrich sein Vertrauen aus. Der Innenverteidiger dankte es ihm mit einer starken Turnierleistung. Niemand kritisierte den Bundestrainer nach dem dritten Platz in Südafrika mehr für die Aufstellung des ehemaligen Berliners. Im Gegenteil: Er wurde für seinen Coup gefeiert.

Läuft es 2012 ähnlich erfolgreich für die deutsche Elf, wird Löw hinterher viele Schulterklopfer für sein Vertrauen in die Leistungsstärke der dreifachen „Vizes“ aus München kassieren. Scheitert er mit seiner Auswahl dagegen früh, wird es heftige Diskussionen geben. Nicht nur aus Dortmund dürften die Sticheleien dann deutlich zunehmen. Es ist ein schmaler Grat, auf dem Löw da wandelt.

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