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Oranje Lust geraubt

Löw vertraut seinem Gefühl - Gomez teilt aus

CHARKOW/DANZIG Mario Gomez schaute ein bisschen so, als würde er darüber nachdenken, wie viel Staub sein neuer Pokal wohl im Jahr fangen würde, als er am Mittwochabend die Auszeichnung zum „Man of the Match“ entgegennahm. Der Stürmer hat mit seinen zwei Toren gegen die Niederlande sein EM-Trauma endgültig überwunden – und es seinen Kritikern in Deutschland ein für allemal gezeigt.

Löw vertraut seinem Gefühl - Gomez teilt aus

Die deutsche Mannschaft feiert nach dem 2:1-Sieg über die Niederlande.

Deutlich wie selten zuvor sprudelte nach dem Länderspiel-Klassiker der Frust aus dem Bayern-Profi heraus. „So eine Motivationsspritze brauchte ich nicht“, bellte er mit Blick auf die Diskussionen, ob gegen die Niederlande nicht vielleicht doch Miroslav Klose stürmen sollte. Schließlich passe der besser zum Spiel der DFB-Auswahl als der Strafraumstürmer Gomez. „Ich habe gegen Portugal getroffen und gedacht, ich wäre endlich bei der EM angekommen. Und dann kriegst du drei Tage nur auf die Fresse.“ Es waren harte Worte, die aus Gomez‘ Mund kamen. Doch der 26-Jährige hatte sich das Recht dazu durch seine starke Leistung gegen die „Elftal“ erkämpft.

Seine Tore wirkten wie aus dem Bilderbuch des Angriffsfußballs entsprungen. Wie sich Gomez beim ersten Treffer um die eigene Achse drehte, war ebenso sehenswert wie überraschend. Eine solch geschmeidige Bewegung hätte man dem 1,89 Meter großen Bullen gar nicht zugetraut. Und die Maßarbeit beim zweiten Tor ließ seine Mitspieler fast noch mehr staunen. „Weltklasse“ seien beide Treffer gewesen, urteilte Kapitän Philipp Lahm. „Den zweiten Ball aber aus diesem spitzen Winkel so in den Knick zu hauen – das macht nicht jeder Stürmer.“ Bundestrainer Joachim Löw durfte sich wieder einmal bestätigt fühlen. Gomez und der gegen Portugal noch nicht wieder in Topform aufspielende Bastian Schweinsteiger galten als Streichkandidaten nach dem mauen Auftakt gegen Portugal. Miroslav Klose und Toni Kroos, so die Hoffnung einiger Experten, wären im Vergleich Garanten für eine spielstärkere Ausrichtung.

Doch Löw vertraute seinem Gefühl – und lag wie schon gegen Portugal goldrichtig mit seinen Personalentscheidungen. Denn Gomez hätte seine beiden Treffer wohl kaum erzielen können, wenn ihm Schweinsteiger den Ball nicht zweimal kongenial durch die niederländischen Schnittstellen hindurch in den Lauf gespielt hätte. „Wir wussten, dass sie da ihre Schwächen haben“, freute sich Löw über die gelungene Analysearbeit, die bei seinem Team die erhoffte Wirkung gezeigt hatte. Schweinsteiger verdiente sich gar ein Extralob: „Basti hat ein klasse Spiel gemacht. Seine Präsenz war enorm gut.“ Durch eine konzentrierte Defensivleistung, die den niederländischen Ausnahmekönnern um Stürmerstar Robin van Persie nur selten Entfaltungsspielraum gewährte, zog die Löw-Elf dem Vize-Weltmeister den Zahn. Schweinsteiger, aber auch Sami Khedira und der leicht formverbesserte Mesut Özil hatten die Mitte gut im Griff und raubten Oranje-Regisseur Wesley Sneijder durch ihr ständiges Anlaufen die Lust.

„Sie haben Sneijder weitgehend aus dem Spiel genommen“, meinte Löw, der außerordentlich zufrieden mit seiner Mannschaft zu sein schien. Mit sechs Punkten sei man optimal in die „Group of Death“ (Löw) gestartet: „Wir haben das Tor zum Viertelfinale weit aufgestoßen.“ Die Mannschaft von Bondscoach Bert van Marwijk präsentierte sich allerdings auch wie ein Schatten vergangener Tage. Man könnte die Herangehensweise an die Partie vorsichtig nennen, man könnte jedoch auch Klartext reden und den Stil der Niederländer als „Angsthasen-Fußball“ bezeichnen. „Die Mannschaften spielen bei dieser EM generell mit weniger Risiko, als ich es aus Dortmund gewohnt bin“, meinte Mats Hummels. „Bei Rückstand wirkt das manchmal schon etwas eigen, wenn nicht sofort die Brechstange ausgepackt wird.“

Auch ohne schweres Eisen kam Oranje in der Schlussphase nach Robin van Persies „toller Einzelleistung“ (Löw) jedoch noch einmal ran. Und das war dann auch das einzige, was der Bundestrainer an seiner Mannschaft zu bemängeln hatte. „Ein bisschen früher“, bilanzierte er, „hätten wir den Sack schon zumachen können.“ Er könnte den Malus seiner Elf jedoch auch ins Positive umkehren: So gibt es gegen Dänemark wenigstens noch etwas zu verbessern.

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