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Lord Huron mit mehr Mut zum Experiment

Berlin. Weniger beschaulicher Wohlklang, dafür mehr Mut zum Experiment: Das neue Album der US-Folkrocker Lord Huron ist ein äußerst gelungenes Beispiel dafür, wie man aus einer allzu engen Nische herausfindet.

Lord Huron mit mehr Mut zum Experiment

Lord Huron und der Blick in die Kristallkugel: Was wird die Zukunft noch bringen? Foto: Ian Holliday

Lange haftete Ben Schneider und seinem Projekt Lord Huron der Ruf an, lediglich strebsame Epigonen von Iron & Wine und den Fleet Foxes zu sein. Spätestens mit dem zweiten Track ihres neuen Albums sollte es damit nun aber vorbei sein.

Da überrascht „Never Ever“ - nach dem ultraharmonischen Folkpop-Opener „Lost In Time And Space“ - als Garagenrock-Hymne voller Energie und Grandezza. Bass und Schlagzeug wummern gar so stoisch-motorisch wie in den besten Stücken der Psychedelic-Hipster The War On Drugs.

„Ancient Names“ ist danach ebenfalls ein treibender, mit tollem Refrain ausgestatteter Rocksong, der nach einigen Minuten in Elektronik- und Noise-Experimente ausufert. Auch eine sehnsüchtige Crooner-Ballade im Phil-Spector-Stil wie „Wait By The River“ hatte man so noch nicht von Lord Huron gehört.

Damit bietet das neue Album „Vide Noir“ (Whispering Pines/Republic) in der ersten Handvoll Lieder schon mehr Vielfalt als die beiden schönen, aber eben auch etwas zu beschaulichen Vorgänger zusammen. „Strange Trails“ (2015) erreichte immerhin Platz 10 der US-Albumcharts, so dass es für Schneider gar nicht unbedingt auf der Hand lag, den Kurs zugunsten von mehr Experiment, Ambition und Abwechslung zu ändern.

Aber es bleibt dabei, etwa im zentralen Cinemascope-Epos „Back From The Edge“, in der Spaghetti-Western-Hommage „When The Night Is Over“ oder im monumentalen Closer „Emerald Star“: Für „Vide Noir“ malt Schneider mit breitem Pinsel auf einer großen Leinwand, wo er es früher bei einem luftigen Aquarell beließ.

Vielleicht liegt es daran, dass er diesmal mit Mark Barry (Drums), Miguel Briseño (Bass, Keyboards) und Tom Renaud (Gitarre) eine echte Band an der Seite hatte, so dass Songwriting und Sound deutlich kompakter und wuchtiger ausfielen. Oder es hat mit dem raffinierten Mixing des bewährten Studiotüftlers Dave Fridmann (The Flaming Lips, MGMT, Ed Harcourt) zu tun.

Das Ergebnis ist jedenfalls beeindruckend. Die Verwechslungsgefahr von Lord Huron mit anderen US-Neofolk-Bands ist damit geringer geworden.

Konzerte im Herbst: 21.10. Hamburg, Grünspan, 2.11. München, Technikum, 3.11. Köln, Gloria, 4.11. Leipzig, Werk 2, 5.11. Berlin, Columbia Theater

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