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51-Jähriger aus Lünen bricht sein Schweigen und legt ein Geständnis ab

Unternehmer-Mord

Überraschung im Prozess um den Mord an einem Hagener Unternehmer vor knapp zwölf Jahren: Am Dienstag hat der Angeklagte aus Lünen doch noch ein Geständnis abgelegt.

Lünen

, 21.08.2018
51-Jähriger aus Lünen bricht sein Schweigen und legt ein Geständnis ab

Das Foto zeigt den Angeklagten aus Lünen neben seiner Verteidigerin Ina Klimpke beim Prozessauftakt. © Jörn Hartwich (A)

Es war das erste Mal, dass sich der 51-Jährige in dem bereits seit Februar laufenden Prozess zu den Vorwürfen geäußert hat. Von einem vorsätzlichen Mord könne aus seiner Sicht aber keine Rede sein. Der tödliche Schuss habe sich im Kampf mit dem Unternehmer gelöst, erklärte er den Richtern am Hagener Schwurgericht.

Schuss löste sich angeblich bei Gerangel

„Es gab ein Gerangel, alles ging sehr schnell“, heißt es in einer von Verteidigerin Ina Klimpke verlesenen Erklärung. „Indem der Mann mit beiden Händen nach der Waffe griff und an meiner Waffe zerrte, löst sich ein Schuss und traf den Mann.“ Der Unternehmer habe sich sofort gekrümmt und sei schließlich auf den Rücken gefallen.

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„Ich habe nicht vorsätzlich geschossen“, hieß es in der Erklärung weiter. „Es war nie geplant, mit dem Revolver auf jemanden zu schießen.“

Nie mehr über die Tat gesprochen

Nach der Tat habe er einfach nur weggewollt. „Ich war in Hektik, wollte nur noch raus“, sagte der 51-Jährige den Richtern. Er habe mit seinem ebenfalls angeklagten mutmaßlichen Komplizen auch nie mehr über die Tat gesprochen. „Ich habe gesagt: Wir reden nicht mehr darüber – und fertig.“ Und daran habe man sich auch bis heute gehalten.

Tipp aus der Rotlichtszene

Die Idee für den Raubüberfall will der Lüner aus der Dortmunder Rotlichtszene bekommen haben. Der inzwischen verstorbene Tippgeber habe ihm auch den Revolver gegeben. Eigentlich habe er sich zur Abschreckung nur mit einer Gaspistole bewaffnen wollen. Angeblich war jedoch keine verfügbar. Dass der Hagener Unternehmer verstorben war, habe er erst aus der Presse erfahren.

Die Beute habe aus Schmuck und Uhren bestanden, die der Tippgeber später für 90.000 Euro verkauft habe, obwohl einzelne Uhren schon einen deutlich höheren Wert gehabt hätten. Das Geld sei schließlich geteilt worden: ein Drittel für ihn, ein Drittel für seinen mitangeklagten Bekannten, ein Drittel für den Tippgeber. Eigentlich sei es aber gar nicht geplant gewesen, dass die Uhren in den Umlauf kamen. „Ich habe immer gesagt: Hau mit dem Hammer drauf und schmelz‘ sie ein.“

Plan geriet außer Kontrolle

Nach Angaben des Lüners sollten der Hagener Unternehmer und dessen Partnerin eigentlich vor dem Haus abgefangen, gefesselt und ausgeraubt werden. Der Ablauf sei dann aber außer Kontrolle geraten. „Ich erhielt von dem Mann einen Faustschlag ins Gesicht“, so der Lüner. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Er habe nach dem Schuss aber weder Blut gesehen, noch gedacht, dass der Unternehmer lebensgefährlich getroffen worden war.

Sein ebenfalls angeklagter Bekannter, der durch die Aussage des 51-Jährigen nun schwer belastet wird, hat sich am Dienstag noch nicht geäußert. Er hatte bislang immer vortragen lassen, dass er sich zur Tatzeit in Bosnien aufgehalten habe. Seine Verteidiger wollen die neue Situation nun in Ruhe mit ihm besprechen.

Der Prozess wird am 3. September fortgesetzt. An diesem Tag sind auch die Plädoyers und die Urteilsverkündung vorgesehen.

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