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Autor Martin Schüller siedelt seinen Lünen-Krimi in Brambauer an

Mord am Hellweg

„Lünen unterschätzt“ nennt Autor Martin Schüller seine Kurzgeschichte im Rahmen des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“. Was Brambauer damit zu tun hat, verrät der Schriftsteller in einem Interview.

Lünen

, 04.09.2018
Autor Martin Schüller siedelt seinen Lünen-Krimi in Brambauer an

Autor Martin Schüller schreibt nicht nur Krimis, er ist auch als Musiker unterwegs. In Lünen wird er beide Facetten vorstellen. © Schüller/Mord am Hellweg

Lünen ist für Martin Schüller kein unbekanntes Pflaster. Der Kölner Autor hat in der Lippestadt für seine Kurzgeschichte recherchiert, die Teil der diesjährigen Anthologie „Mord am Hellweg“ mit dem Titel „Henkers.Mahl.Zeit“ ist. Und dabei gleich einen Auftritt musikalischer Art hingelegt.

Seit vielen Jahren ist Lünen beim Festival „Mord am Hellweg“ mit dabei, dass alle zwei Jahre stattfindet. Alle zwei Jahre bekommen dann auch Krimi-Autoren von den Veranstaltern den Auftrag, Kurzkrimis zu schreiben, die in den beteiligten Städten spielen.

Was den Kölner Martin Schüller am Krimi-Schreiben reizt, wie er dazu gekommen ist und warum seine Lesung in Lünen am 26. Oktober auch musikalisch sein wird, erzählt der 58-Jährige im Interview.

Was hat Sie bei der Recherche an Lünen überrascht?

Wirklich überrascht hat mich eigentlich nichts. Aber dafür hatte ich einen relativ spontanen Auftritt im „Treffpunkt Neuland“. Als ich von der Reihe „Strings & Stories“ hörte und das genau in die Zeit meines Aufenthaltes passte, stand ich da auf der Bühne.

Wo genau spielt Ihre Lüner Krimi-Kurzgeschichte?

Ich hatte das Gefühl, dass sich der Stadtteil Brambauer etwas vernachlässigt vorkommt und deshalb spielt ein großer Teil der Geschichte in Brambauer. Bei allerdings nur 20.000 Zeichen konnte ich bei weitem nicht all das unterbringen, was ich bei der Recherche gesehen und erfahren habe. Aber die frühere Kesting-Villa an der Brechtener Straße taucht auf und auch die Ruine der Trinkhalle gegenüber des Krankenhauses.

Hatten Sie schnell die Idee für Ihren Lünen-Krimi?

Ursprünglich hatte ich gehofft, eine Idee umzusetzen, die ich seit vielen Jahren verfolge – eine Idee, die etwas mit stillgelegten Bergschächten zu tun hat. Aber diese Geschichte ist zu komplex, passt nicht in den Rahmen des Kurz-Krimis. Nun habe ich eine Figur als Protagonisten genommen, die ich schon in mehreren Büchern benutzt habe – den Düsseldorfer Privatdetektiv Jo Kant, der nun einen Auftrag in Lünen hat.

Wie kamen Sie überhaupt dazu, Krimis zu schreiben?

Ich bin da vor 19 Jahren ein bisschen reingerutscht. Eigentlich bin ich Musiker, hab als Schlagzeuger begonnen, bin inzwischen Sänger und Gitarrist und in verschiedenen Bandprojekten involviert. In den 90er Jahren gab es in Köln eine Monatszeitschrift, bei der sich ein Bekannter um die letzte Seite kümmerte. Der meinte, ich könnte doch bestimmt Glossen schreiben. Das habe ich dann getan. Und auf dem Wege eine nette Frau kennengelernt, die in einem Verlag arbeitet und überzeugt war, wer solche Glossen verfasst, kann auch Krimis schreiben. Sie hat mich erst überzeugt und dann geheiratet. Inzwischen hab ich zehn Romane veröffentlicht, von denen die letzten fünf in Garmisch-Partenkirchen spielen. Die waren so erfolgreich, dass ich einfach weitermachen musste.

Gab es Vorbilder oder gibt es Kollegen, deren Krimis Sie besonders mögen?

Der Einzige, der für mich ein Vorbild ist, ist Elmore Leonard, der die Vorlage für den Film „Pulp Fiction“ geliefert hat. Leonard schreibt wahnsinnig echte Dialoge, richtig glaubhaft. Ansonsten lese ich tatsächlich wenige Bücher zu Ende.

Bei Ihrer Lesung in Lünen werden Sie auch musikalisch dem Publikum einheizen. Was hat es damit auf sich?

Bei der Lesung wird es wahrscheinlich eher mehr Musik geben. Zusammen mit Franjo „The Overwhelm from Schwelm“ Obradovic spiele ich im Duo „The Arschbombe“. Er spielt E-Gitarre, ich singe und spiele Gitarre. Wir sind jetzt zehn Jahre musikalisch unterwegs, ein eingespieltes Team. Wir bezeichnen uns als kleine Band mit großer Klappe. Unser Repertoire reicht von Leonard Cohen bis Judas Priest, aber mehr Judas Priest. Es gibt richtig was auf die Ohren.

Ihr neues Buch heißt „111 Tipps und Tricks, wie man einen verdammt guten Krimi schreibt“. Wollen Sie sich die Konkurrenz heranziehen?

Nein (lacht). Der Emons-Verlag, in dem meine Krimis erscheinen, hat diese 111er-Reihe und ich hatte vorgeschlagen, doch da mal so was zu schreiben. Allerdings habe ich die Arbeit daran unterschätzt. Es gibt ein strenges grafisches Konzept – eine Seite Foto, eine Seite Text. Bei einigen Themen musste ich viel kürzen, andere brauchten eigentlich nicht so viel Text. Streng genommen sind es 111 Glossen zum Thema Krimischreiben und die Fotos transportieren auch eher Gags.

Die Lesung mit Martin Schüller und dem Duo „The Arschbombe“ ist am Freitag, 26. Oktober, um 19.30 Uhr im Kunst-Café Lünen, Münsterstraße 24.
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