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"Bauer sucht Frau" - auch in Lünen?

LÜNEN Die dritte Staffel der Sendung „Bauer sucht Frau“ ist zu Ende. Was halten Lüner Landwirte davon? Wie haben sie sich kennengelernt? Wir fragten nach.

28.12.2007

Bauer sucht Frau? Sabine Goertz muss lachen. „Ja, die Sendung kenne ich. Aber die wollen doch nur Klischees vermitteln“, merkt sie kritisch an. Sie habe ihren Mann Dietrich auf Feten über den Freundeskreis kennen gelernt: „Völlig unkompliziert.“

Hauptarbeit ist Führung des Hofladens

Das habe unter anderem damit zu tun, dass ihr Hof nahe an der Stadt liegt. Mag ja sein, dass die Bauern in sehr ländlichen Gebieten Probleme haben, eine Frau zu finden, „wenn sie komplett in den Tagesrhythmus des Betriebes eingebunden sind, keinen Urlaub und kaum Freizeit haben.“ Auf dem Hof packt Sabine Goertz natürlich mit an. Anders als früher liegt ihre Hauptarbeit heutzutage aber in der Führung des Hofladens.

Eigentlich wollte sie keinen Landwirt heiraten

Eigentlich wollte Elisabeth Schulze-Wethmar partout keinen Landwirt heiraten, schließlich stammt die ausgebildete Bankkauffrau auch von einem bäuerlichen Betrieb. Doch dann lernte sie bei Reitturnieren Dirk Schulze-Wethmar kennen und lieben. Seit 33 Jahren sind die beiden verheiratet, mittlerweile Eltern von drei Kindern. Die Tochter ist verheiratet, die beiden Söhne noch ledig. Doch auf die Idee, sich bei „Bauer sucht Frau“ zu bewerben, kämen die beiden jungen Männer im Leben nicht.

Durch gemeinsames Hobby gefunden

Und auch die Eltern halten nicht viel von der Sendung. „Wir haben uns durch unser gemeinsames Hobby, das Turnierreiten kennen gelernt. Meine Frau war immer besser als ich platziert und das hat mich gewurmt“, erinnert sich der Landwirt, der den Bauernhof in der 7. Generation bewirtschaftet, schmunzelnd.„Ich denke, dass die jungen Landwirte heute genug Gelegenheiten haben, ein nettes Mädchen kennen zu lernen. Viele studieren ja auch Landwirtschaft und kommen mit anderen Berufsgruppen in Kontakt“, so Elisabeth Schulze-Wethmar. Sie findet die Sendung ziemlich lächerlich. „Aber weil sie in aller Munde ist, hab ich mir mal zehn Minuten angeschaut.“

Drehbuch scheint vorgegeben

Sie vermutet sogar, dass es ein vorgegebenes Drehbuch gibt: „So in der Art spielt sich kein Bauernalltag ab und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine junge Frau sich so zur Schau stellt. Schade, dass das Landleben so unnatürlich dargestellt wird.“ Und ihr Mann meint, dass „Bauer sucht Frau“ wohl „so eine Art Heimatfilm über den bäuerlichen Beruf“ darstellt und ärgert sich darüber, dass „die Bauern oft so blöd dargestellt werden.“

Kinder erleben Arbeitsplatz der Eltern hautnah

Dabei schätzen beide den Beruf des Landwirts sehr: „Es ist eine Kombination aus hektischen Zeiten wie Ernte und auch ruhigeren Phasen wie jetzt im Winter.“ Und, so Dirk Schulze-Wethmar, in welchem Beruf erleben Kinder schon den Arbeitsplatz von Mutter und Vater so hautnah wie auf dem Bauernhof. Und deshalb werden auch ihre Söhne den Hof in der 8. Generation weiterführen.

Welt ist noch in Ordnung

Auf dem Kartoffelhof Freisendorf in Niederaden ist die Welt noch in Ordnung. Hier leben drei Generationen unter einem Dach, zwei davon mit und von der Landwirtschaft und alle sind mittendrin groß geworden. Natürlich haben fast alle auch einmal eine Folge der Serie „Bauer sucht Frau“ im Fernsehen gesehen. Sie halten das aber nur für eine nette geschönte Unterhaltung, die zumindest mit ihrer Lebenswirklichkeit nichts gemein hat.

Landwirtschaft hatte noch einen Stellenwert

Als die Senioren Edith (74) und Friedhelm (79) Freisendorf 1955 geheiratet haben war die Welt eine andere und die Landwirtschaft hatte noch einen Stellenwert. Edith war auf einem Hof in Dortmund-Wickede aufgewachsen und wollte Landwirtin werden. Ihren späteren Mann lernte sie durch seine Kusine kennen. Friedhelm bekam von seinen Eltern dann gesagt „Du, die versteht was von der Landwirtschaft, die kannst du heiraten“. Und damals hörte man noch auf seine Eltern. Auf einem Ausflug zur Möhnetalsperre war dann alles klar.

Schon im Sandkasten zusammen gespielt

Die Junioren Birgit (46) und Friedhardt (51) spielten schon im Sandkasten zusammen. Birgit, auf einem Bauernhof in Methler aufgewachsen, wurde auch im zarten Alter von ihren jetzigen Schwiegereltern aus einem Teich gefischt. Doch das gemeinsame Eheglück mit Friedhardt stellte sich erst nach beiderseitigen „Umwegen“ vor wenigen Jahren ein. In der Landwirtschaft findet zusammen was zusammenpasst, sind sie gemeinsamer Überzeugung.

Nur der Jüngste liebäugelt mit der Landwirtschaft

Die vier Kinder, drei junge Männer und eine junge Dame zwischen 25 und 18 Jahren, aus ihrer „Patchwork-Familie“ werden wohl kaum in den Familienbetrieb einsteigen. Nur der Jüngste liebäugelt mit der Landwirtschaft. „Aber unser Betrieb wird kaum drei Generationen vom Einkommen her verkraften. Das muss man einmal abwarten, genau so wie die Partnerfrage“. Jedenfalls wird es nicht so ablaufen wie in der Serie „Bauer sucht Frau“.

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