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Blau-weiße Begeisterung mit Weitblick

Wie wird man Fan?

Fußball-Liebhaberin geworden ist sie durch den Vater. Das letzte Mal ein Stadion besucht hat Agatha Schulz allerdings vor Jahrzehnten. Wie sie ohne Live-Erlebnisse immer mit (Schalke-)Spielen fiebert, erahne ich im Gespräch mit ihr. Man braucht ein solides Verständnis von Fußball, von Sport im allgemeinen und: Mäßigung.

LÜNEN

von Von Nico Drimecker

, 21.06.2012
Blau-weiße Begeisterung mit Weitblick

Agatha Schulz ist 81 und seit 70 Jahren Schalke-Fan.

Drei Generationen wohnen im Haus der Familie Schulz. Agatha Schulz ist 81, die älteste. „In diesem Haus wurde ich schon geboren.“

Sie ist im Haus die einzige, wenn es um ihre Fußball-Liebe geht. Obwohl, von „Liebe“ würde sie wohl nicht sprechen. „Ich bin keine Fanatikerin“, sagt sie mehrfach, lächelt und lobt rasch auch Mats Hummels, der schließlich für den BVB spielt. Oder Manuel Neuer, der für Bayern spielt. Die Bayern sind die einzigen, die Agatha Schulz nicht so mag, aber Neuer war schließlich mal bei Schalke. Schon fast ein Dutzend Menschen haben mir Tipps gegeben haben, wie man Fußball-Fan wird, indem sie erzählten, wie sie selbst zu Fußball gefunden haben. Aber wie man dem Sport treu bleibt, über 70 Jahre wie Agatha Schulz, kann sie selbst auch nicht so recht verraten.  

Aber ich glaube, es zu erahnen. Spricht Agatha Schulz von Schalke, gelangt sie schnell zu Fußball überhaupt, zu der Auslandserfahrung, die der ein oder andere Spieler notwendig hätte (Bender) und die andere schon haben – deshalb fand sie Jens Lehmann eine Weile „so super“.  Von Schalke guckt sie natürlich jedes Spiel, aber auch von anderen Vereinen, von Deutschland zur EM sowieso. Und ich nehme mir vor: Bevor ich zwanghaft versuche, eine Mannschaft zu mögen, sollte ich erst den Sport mögen. Agatha Schulz bestätigt es, sagt: „Schauen Sie sich doch von Schalke und von Dortmund ein Spiel an.“

Natürlich rät sie mir auch, das EM-Spiel Deutschland gegen Griechenland beim Public Viewing zu gucken. Nicht nur für mich hat sie einen Rat, auch für die Profis. „Jeder sollte Auslandserfahrung sammeln“, findet sie. Genauso sollten die Nationalspieler einer Mannschaft ihre Landeshymne mitsingen. Von den Deutschen machen das nicht alle. „Ich finde, das gehört sich so.“  

Ihr Lachen ist einnehmend, und ich hänge an ihren kurzen Sport- und Fußball-Monologen. Agatha Schulz spricht weniger von Techniken, von Rivalitäten, Freund oder Feind. Agatha Schulz erfreut sich an Fußball – und an Formel 1, „das sollten Sie auch mal gucken!“ Sie notiert sich alle EM-Ergebnisse in einer Tabelle aus den Ruhr Nachrichten.  Von jedem Fußball-Detail über einen Spieler, ein Ergebnis, eine Mannschaft, gelangt sie zu Zusammenhängen. Ein Fanatiker würde sich fixieren, den Tunnelblick haben. Agatha hat den Überblick, mäßigt ihr Feuer für Schalke. Das macht wohl ihre Erfahrung. Sie hat meinen Blick über Fußball erweitert.

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