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Der Mann, der den Brottrunk erfand

Wilhelm Kanne ist tot

Kanne Brottrunk. Für Ihr Wohlbefinden. Mit diesem Werbespruch grüßt die Firma Kanne auf ihrer Internetseite. Wilhelm Kanne führte sie. Er starb in der Nacht zu Donnerstag im Alter von 77 Jahren. Sein Vermächtnis, der Brottrunk, lebt weiter. Er hat viele Freunde.

LÜNEN/SELM

von Von Malte Woesmann und Tobias Weckenbrock

, 03.02.2011

Im Internet hat sich eine "Gemeinschaft der Freunde des Kanne Brottrunks" zusammengefunden. Ein Mitglied der Gemeinschaft ist Petra Palmieri aus Rheinberg - und sie schreibt in einem Internet-Blog, das Getränk habe ihr sehr geholfen. "Meine Leidensgeschichte dauert nun schon über 30 Jahr", leitet sie ihren Eintrag vom November 2010 ein. Cortison, Bestrahlung - alles hätten Hautärzte gegen ihr Neurodermitis-Leiden unternommen. "Nichts ist hilft auch nur annähernd so gut wie der Brottrunk."

Der Brottrunk, den Bäckermeister Wilhelm Kanne senior sich einst ausdachte, ist ein Erzeugnis, das bei der Milchsäuregärung eines Teiges entsteht. Weizen, Roggen, Hafer und qualitativ hochwertiges Quellwasser werden in einen Tank gegeben, dort gärt der Teig vor sich hin und entwickelt keinen Alkohol, dennoch aber einen herben Geschmack. Bei Schuppenflechte soll der Brottrunk, der so entsteht, helfen; bei Asthma, gegen Allergien oder die Weißfleckenkrankheit. Kanne kämpfte noch in der vergangenen Woche für eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft. Bei Bauer Markus Wiesmann in Netteberge war Kanne einer der Verfechter des ökologischen Landbaus.

Wilhelm Kanne war ein Visionär und Unternehmer mit Herz. 1904 gründeten die Eheleute Wilhelm I. und Marie Kanne in Lünen-Süd an der Derner Straße die Bäckerei. 1948 trat Wilhelm Kanne in den Betrieb seines Großvaters ein und wurde wie sein Vater und Großvater Bäckermeister. 1967 begannen die ersten Experimente mit Fermentgetreide, aus denen später der Brottrunk hervorgeht. Anfang der 80er Jahre präsentierte Wilhelm Kanne den Brottrunk der Öffentlichkeit. Über 20 Jahre hatte er mit der Vergärung von Brotgetreide experimentiert. Kanne hatte über den Betrieb hinaus viele Kontakte in Gesellschaft oder die Sportwelt. So zählten zahlreiche Sportler zu seinen Kunden. Schwimmerin Britta Steffen zum Beispiel schickte Kanne zum Dank eine Postkarte nach ihrem Sieg bei den Olympischen Spielen. Auch zahlreiche Radsportler unterstützte Wilhelm Kanne, der selbst noch im hohen Alter selber gerne auf das Rennrad gestiegen war und auch Rennen veranstaltete. Auch der Boxsport hatte es ihm angetan. Als Mitglied der Lippefreunde und als singender "Lüner Bäckerbursche" war er in Lünen bekannt.

2001 erhielt er u.a. den B.A.U.M.-Umweltpreis des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management. Zahlreiche weitere Auszeichnungen prägten seinen Weg. Wilhelm Kanne war im wohltätigen Bereich sehr stark engagiert. So richtete er in jedem Jahr das Abschlussfest der Tschernobylhilfe auf seinem Betriebsgelände in Bork aus und bedachte Musikvereine oder Gemeinden mit Spenden. "Ich kann nur sagen, ein Hoch auf Herrn Kanne und vielen Dank!", schreibt Petra Palmieri aus Rheinberg im Blog der Gemeinschaft der Freunde. Ihr Dank gilt Wilhelm Kanne senior, der das Rezept 20 Jahre lang entwickelte. Jetzt starb er. 

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