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Ehepaar misshandelte alten Vater: Freiheitsstrafen

LÜNEN Grob vernachlässigt wurde ein Senior in der Familie seiner Tochter. Sie hatte ihn zur Pflege in ihre Familie aufgenommen. Dort kam es zu Misshandlungen, die das Gericht nun mit Freiheitsstrafen ahndete.

von Von Heinrich Greve

, 17.12.2007
Ehepaar misshandelte alten Vater: Freiheitsstrafen

Das Schöffengericht verurteilte ein Ehepaar in Brambauer zu Freiheitsstrafen auf Bewährung, weil sie den pflegebedürftigen Vater misshandelt hatten.

Der alte Mann wurde geschlagen, der Freiheit beraubt und entwürdigend behandelt. Davon war das erweiterte Schöffengericht überzeugt und verurteilte ein Ehepaar aus Brambauer zu Freiheitsstrafen von sieben bzw. acht Monaten. Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Menschenverachtende Behandlung

In seiner Urteilsbegründung betonte der Gerichtsvorsitzende, dass die Verletzungen des alten Herrn den Angeklagten zuzurechnen seien. Sie hätten sich der Vernachlässigung, der Körperverletzung und der Freiheitsberaubung schuldig gemacht. Ihre Behandlung des alten Mannes sei böswillig und menschenverachtend gewesen. Strafmildernd wertete das Gericht, dass die Ehefrau teilweise geständig war. Für den Angeklagten sah das Gericht keine Milderungsgründe, er habe sich uneinsichtig gezeigt.

Erster Termin vertagt

Bereits am 28. November war ein erster Verhandlungstag angesetzt. Damals musste sich das Gericht vertagen, weil geladene Zeugen nicht erschienen waren und weitere Zeugen benannt wurden (wir berichteten). In der gestrigen Sitzung konnten diese Zeugen nun gehört werden.

Betreuungsrichter schlug Alarm

Alarm geschlagen hatte wegen der Situation des betreuten Mannes der Betreuungsrichter. Der sagte aus, dass er bei einem unangemeldeten Hausbesuch im Jahr 2006 desolate Verhältnisse wie ein nur spärlich eingerichtetes Zimmer, ein fehlendes Fernsehkabel sowie unter der Decke eine Überwachungskamera vorgefunden hatte. Der Senior selbst hatte sich über miese Behandlung und zu wenig Essen beklagt. Der Betreuungsrichter fand Behandlung und Unterbringung des alten Herrn entwürdigend. Er stellte zudem Verletzungen an Armen und Rücken des Mannes fest und veranlasste, dass in ein Pflegeheim gebracht wurde.

Arzt sah keine Verwahrlosung

Der Hausarzt hingegen hatte im März 2006 zwar kleine Verletzungen an einem Arm des alten Herrn festgestellt, er sah aber ebenso wie die DRK-Mitarbeiterinnen keine Anzeichen für Verwahrlosung und Unterernährung. Gelder wurden anscheinend nicht veruntreut. Jedenfalls stellte die Betreuungsrechtspflegerin bei den vorgelegten Abrechnungen keine Unregelmäßigkeiten fest. Geahndet im Rahmen der Gesamtstrafe wurde jedoch, dass die Angeklagte im September 2007 mit 3,3 Promille im Blut mit ihrem Fahrrad gegen einen parkenden PKW geprallt war.

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