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Erinnerungen an eine einst prächtige Bergbau-Bücherei beim Tag des offenen Denkmals

Denkmäler in Lünen

Bedeutende Bauwerke wie Kirchen, das Hilpert-Theater und das Stein-Gymnasium standen beim „Tag des offenen Denkmals“ im Fokus. Von einem Gebäude zeugt nur noch ein Mauerfragment.

Lünen

, 10.09.2018
Erinnerungen an eine einst prächtige Bergbau-Bücherei beim Tag des offenen Denkmals

Georg Almus (r.) des Kunstvereins Lünen präsentierte kunst- und kulturhistorische Informationen über die Entwicklung der Bibliothek. Carolyn Ruprecht (sitzend) war extra aus Kitzbühel gekommen. Ihr Urgroßonkel, Bergwerksdirektor Robert Müser, hatte 1905 die Bücherei in Gahmen erbaut. © Volker Beuckelmann

An der Ecke Gahmener Straße/Auf der Leibzucht stand einmal eine prachtvolle Bibliothek mit Lesehalle der Harpener Bergbau AG. Mauerreste zeugen davon. Georg Almus vom Kunstverein Lünen präsentierte aus seinem Buch „Orte für Worte – vom Bücherbehälter zum Medienzentrum“ kunst- und kulturhistorische Informationen über die Entwicklung der Bibliothek. Anlass war der 25. Tag des offenen Denkmals.

Carolyn Ruprecht (90) war als Gast extra aus Kitzbühel gekommen, ihr Urgroßonkel, Bergwerksdirektor Robert Müser, hatte 1905 die Bücherei im Zuge der Bücherhallenbewegung für Beschäftigte der Zechen Preußen I/II, Gneisenau und Scharnhorst bauen lassen, um die Bildung zu fördern.

Bei Errichtung mehr Bände als Berlin

„Sie hatte bei der Errichtung 2800 Bände, die Bücherei in Danzig hatte 800, Bremen 1200 und Berlin 1400“, sagte Georg Almus und erklärte, dass die Bücherei 1945 von einer Luftmine zerstört worden sei. Zudem informierte er über den Gründungsbibliothekar Dr. Emil Jaeschke und seine Verdienste für Kunst und Wissenschaft.

Manche Gäste, darunter Horst Loddoch, wünschen sich, dass die Bergarbeiter-Geschichte wach gehalten wird. Sein Anliegen: Die Fassade des damaligen Bürogebäudes Zeche Preußen II an der Preußenstraße (hier soll gebaut werden) sei schützenswert.

„Ein richtiges Kleinod“

„Es ist traurig, dass man eine Kirche hat und kann nicht rein“, bedauerte eine Seniorin, die die Herz-Jesu-Kirche Beckinghausen, die nur noch selten genutzt wird, beim Tag des offenen Denkmals betreten durfte. „Ich finde, das ist ein richtiges Kleinod“, sagte Gemeindereferentin Roswitha Mohrmann und gab einen Einblick in die Geschichte und den Baustil der 1897 geweihten Kirche mit ihren neugotischen Spitzbögen und Fenstern sowie der schönen Wandbemalung. Leider seien Figuren, der Taufbrunnen und die Kanzel nach 1950 als scheinbar wertlose „Schreiner-Gotik“ betrachtet worden und verschwunden, so Mohrmann.

Erinnerungen an eine einst prächtige Bergbau-Bücherei beim Tag des offenen Denkmals

„Die Schule hat es wirklich verdient, unter Denkmalschutz gestellt worden zu sein“, sagte Hans Jürgen Korn, Studiendirektor a.D. (2.v.l.) und erläuterte den zahlreichen Gästen bei seiner Führung am Freiherr-vom-Stein-Gymnsasium die architektonische Besonderheit. © Volker Beuckelmann

Zu den Höhepunkten zählte eine sehenswerte Führung des, 1931 eingeweihten, Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, das nach Plänen der Architekten Dietrich und Karl Schulze im spätexpressionistischen Amsterdamer Stil gebaut wurde. „Die Schule hat es wirklich verdient, unter Denkmalschutz gestellt worden zu sein“, sagte Hans Jürgen Korn, Studiendirektor a.D. und erläuterte den zahlreichen Gästen die architektonischen Besonderheiten.

Feldbrand-Klinkersteine

Das Gebäude erscheint längs orientiert und strotze vor Schmuck-Elementen, betonte Korn und wies etwa auf die Keramik-Zierplatten, die in verschiedenen Rottönen schimmernden Feldbrand-Klinkersteine oder die senkrechten rot bemalten Fugen hin. Das Portal sei nach dem Frankfurter Reform-Modell der frühen 20-er Jahre gebaut worden, so Korn.

1951 lernte er den roten Backsteinbau als Schüler kennen und wirkte hier nach dem Studium Jahrzehnte als Lehrer. Kein Wunder, dass er gefühlt jeden Ziegelstein kennt und den Gästen viele Details aus seinem Erfahrungsschatz und dem Wissens-Fundus bieten konnte. Für besonders Interessierte hielt er eine dicke Mappe bereit.

Info: Wir haben drei Termine stellvertretend für alle am Tag des offenen Denkmals wahrgenommen.
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