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Ex-Freund der angeklagten Mutter: „Die Wohnung durfte ich nie betreten“

Babyleichen-Prozess

Im Prozess um die beiden skelettierten Babyleichen in Nordlünen hat das Dortmunder Schwurgericht drei Ex-Freunde der Angeklagten vernommen. Möglicherweise kommen sie als Väter in Betracht.

Lünen

, 25.06.2018
Ex-Freund der angeklagten Mutter: „Die Wohnung durfte ich nie betreten“

Der Abend des 11. Oktobers 2012: Abfall aus der Wohnung wird von Kriminaltechnikern in Container geworfen. Zuvor war die zweite skelettierte Babyleiche gefunden worden. © Videonews24de

Keiner der Zeugen will die Schwangerschaften bemerkt haben. „Ich mache mir große Vorwürfe“, sagte ein 40-jähriger Wirtschaftsingenieur am Montag aus.

Ob der Zeuge als Vater der im November 2010 geborenen Marie oder der im März 2012 geborenen Emma infrage kommt, steht nicht fest. Eine DNA-Untersuchung der Babyleichen hat der Wirtschaftsingenieur ebenso wenig beantragt wie ein 38-jähriger Mann, den die Angeklagte an ihrer Arbeitsstelle kennengelernt hatte und mit dem sie ebenfalls für einige Monate zusammen war. „Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich dann möglicherweise noch einen psychischen Knacks bekommen hätte“, sagte dieser Zeuge den Richtern. „Es ist einfach nur traurig.“

Die angeklagte Mutter verfolgte die Vernehmungen ihrer Ex-Freunde mit gesenktem Kopf. Nicht ein einziges Mal blickte sie zu den Männern, mit denen sie jeweils einige Monate zusammen war. Der Wirtschaftsingenieur bezeichnete die Beziehung am Montag als „total schwierig“.

Der Mann wohnt etwa 100 Kilometer von Lünen entfernt, beide telefonierten viel, sahen sich aber nur selten. „Und wenn, dann durfte ich nie in ihre Wohnung hinein“, sagte der Zeuge. Den Grund erfuhr er erst durch die Medien und die Polizei. Die beiden skelettierten Leichen von Marie und Emma waren in einer völlig verdreckten und verwahrlosten Wohnung an der Reuterstraße in Nordlünen gefunden worden.

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Wie berichtet, hat die Angeklagte nach dem Leichenfund Ende 2012 noch zwei weitere Mädchen zur Welt gebracht. Paula und Lara wurden von ihr zur Adoption freigegeben. „Sie hatte panische Angst, dass sie etwas falsch machen würde“, sagte die vom Gericht eingesetzte Betreuerin der Angeklagten am Montag. Die Lünerin habe die Schwangerschaften auf keinen Fall angestrebt. „Aber so ist das eben: Manche Frauen sind einfach empfängnisbereiter als andere“, so die Betreuerin.

Das Gericht hat am Montag eine Reihe weiterer Verhandlungstage angesetzt. Nach derzeitigem Stand der Dinge soll das Urteil frühestens Anfang September verkündet werden. Vorab muss Psychiaterin Marianne Miller noch ihr Gutachten zur Schuldfähigkeit der Angeklagten erstatten.