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Friedhofsführung: Einblicke in die Bestattungskultur

LÜNEN Auch wenn das Thema Tod von den meisten verdrängt wird, haben Friedhöfe viel zu erzählen. Bei der sonntäglichen Gästeführung unter Leitung von Astrid Althoff gab es viel Wissenswertes.

von Von Heinrich Höckmann

, 05.08.2008
Friedhofsführung: Einblicke in die Bestattungskultur

Astrid Althoff führt die Teilnehmer über den Friedhof.

Insgesamt fanden sich 18 Teilnehmer an der Kirchhofstraße ein, um an diesem Nachmittag viel Interessantes über den Friedhof selbst sowie die Bestattungskultur Westfalens der letzten Jahrhunderte zu erfahren. Der Friedhof wurde 1890 als „Totenacker“ von der Kirchengemeinde St. Georg konzipiert.

Die Fläche von zwei Hektar war eine Schenkung der Gräfin Thedel von Kielmannsegge, einer Enkelin des Freiherrn von und zum Stein, mit der Auflage, hier auch die evangelischen Bediensteten der Herrschaft zu beerdigen. Ursprünglich, 450 Jahre lang, wurde auf dem Kirchhof von St. Georg bestattet, daher auch der Name Kirchhofstraße. Wegen einer Pest-Epidemie wurde 1615 der Tobiasfriedhof angelegt, benannt nach dem ersten dort bestatteten Soldaten namens Tobias. 

Seit 1798 durfte per Dekret nur noch vor den Toren der Stadt bestattet werden, weil man die Gefahr der Grundwasserverseuchung erkannt hatte. In der 1890 im neugotischen Stiel erbauten Kapelle referierte Frau Althoff über die Sitten und Gebräuche um den Tod. Verschickt man heute Totenbriefe oder annonciert in der Zeitung, wurde früher mit dem Totenstock an die Haustür geklopft, von einem Leichenbitter.

Was heute verboten ist, nämlich den Toten zu Hause aufzubahren, war damals üblich. Zwischen einem und drei Tagen – je nach Witterung –, bewacht von der Totenwache. Die Wache war begleitet von Gesang und reichlichem Genuss alkoholischer Getränke. Der Alkohol diente aber auch zur Einbalsamierung des Toten, um ihn vor all zu schneller Verwesung zu schützen. Es gab viele Regeln, wie die Verpflichtung zur Leichenfolge, zum Totengeläut und Totenlicht, nicht zu vergessen das Totenmahl.

Beim abschließenden Rundgang wurden einige Gräber bedeutender Lüner besichtigt: Das Grab von Julius Frey, der von 1900 bis 1925 Pfarrer in St. Georg war; Prof. Dr. Waldschmidt, der als Indologe in Göttingen lehrte; Gottfried Quitmann, der Fabrikant (das Unternehmen stellt bis 1977 am Nordufer der Lippe Eisenwaren her), und Ernst Becker, 36 Jahre Bürgermeister der Stadt Lünen. 

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