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Junge türkische Mutter erlebt das Glück des Ankommens

BRAMBAUER Das Glück der Filiz Hotan hat viele Namen: Ehemann Turan. Die Kinder Can (6) und Ela (1). Das Hiersein. Das Angekommensein. Und das Familienzentrum. "Das hat mir sehr geholfen." In den großen dunklen Augen der 29-jährigen Türkin liest man Freude und Dankbarkeit.

von Von Karl-Heinz Knepper

, 25.12.2007

Filiz leiht der Integration ihre Geschichte.

Eine schöne Geschichte. Eine zum Weitersagen. Zum Mutmachen. Zum Mitmachen.

"Ich wurde in Brambauer geboren. Ich bin hier aufgewachsen. Ich fühle mich hier wohl."

Als ihr Sohn Can in die Tageseinrichtung an der Diesterwegstraße ging, hörte sie von diesem neuen Familienzentrum. Familienzentrum?

Es war das erste in Lünen. Es war eine Auszeichnung. Es war im Sommer letzten Jahres.

Das NRW-Familien- und Integrationsministerium von Minister Armin Laschet wollte mit dem Projekt Sozialkompetenz und Erziehungssubstanz in junge Familien transportieren. Dahin, wo vielleicht ein Mangel war. Ein Zuwenig an Erfahrung. Ein Zuviel an Problemen. An allem, was eine junge Familie stolpern lassen könnte im Laufrad unserer alltäglichen Anforderungen und Herausforderungen.

"Unser Leistungsprofil war, bevor wir das Zertifikat als Familienzentrum bekamen, sehr genau von den Pädagogischen Qualitäts- und Informations-Systemen begutachtet worden":

Claudia Kossow und Walburga Gruchot, die Leiterinnen der zwei zum Familienzentrum beförderten Kitas an der Diesterwegstraße, sind stolz auf Filiz und den Weg, den die junge, selbstbewusste Frau gegangen ist. Auch dank des Familienzentrums.

"Filiz war schon früher bei uns im Elternrat", sagte Kita-Leiterin Claudia Kossow.

"Sie war immer bei denen, die engagiert mitgemacht haben und ihre Landsleute immer wieder bekniet hat, mitzumachen und sich nicht abseits zu stellen."

Filiz selbst sieht das kühler. Prosaischer. Weniger auf ihre Person bezogen:

"Ich habe an den Angeboten des Familienzentrums teilgenommen, weil ich hier Antworten auf meine Fragen bekommen habe und Hilfe bei Problemen. Das waren manchmal ganz einfache Sachen, wie die Frage, welche Spiele sind gut für meine Kinder? Ich habe gelernt, dass Mensch-ärger-Dich-nicht oder das Ausschneiden von Vierecken gut sind für die Konzentration von Kindern."

"Unser Angebot ist vielschichtig", sagt Kita-Leiterin Claudia Kossow. Sozialraum-bezogen, würden Soziologen sagen und nicht verstanden werden.

Es gibt (bald) Hebammen-Sprechstunden. Es gibt schon regelmäßige Beratungen durch die Frauenärztin Dr. med. Aygün. Es gibt die Gruppe Junger Mütter und es gibt, auf Wunsch, Hilfe durch den Sozialen Dienst der Stadt Lünen.

Man braucht keinen Tagesschau-Horror oder den Schlagzeilen-Schock über vernachlässigte Kinder, Kindstötungen oder Misshandlungen zu konsumieren, um den sozialen Eisberg zu verorten, der, an der Oberfläche kaum sichtbar, unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung, auch Grausames, Unvorstellbares, Entsetzliches gebiert und zeigt, wohin die Überforderung des Einzelnen in Familie und Erziehung führen kann.

Filiz ist jetzt sogar Gruppenleiterin beim Projekt "Rucksack".

"Rucksack" will speziell türkischen Müttern in ihrer Muttersprache Rüstzeug mitgeben über Leben in Deutschland, hier gängige Begrifflichkeiten, Normen und Notwendigkeiten.

Ein Projekt übrigens von der RAA (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung ausländischer Kinder und Jugendlicher aus Zuwanderefamilien). Filiz Hotan nimmt ihre einjährige Tochter Ela auf den Arm. Bisschen schmusen bitte für ein Zeitungsbild.

Für einen Augenblick sehen vier große Augen glücklich aus. Zwei davon dankbar. Dankbar dem Familienzentrum an der Diesterwegstraße.

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