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König kontra Kracher

LÜNEN In der Silvesternacht werden jede Menge Böller gezündet und Raketen in die Luft gejagt, soll der Lärm doch, einem alten Volksglauben zufolge, böse Geister vertreiben. Doch schon im Jahr 1739 verbot der König das "unnütze Schießen".

28.12.2007
König kontra Kracher

In der Silvesternacht werden wieder viele Raketen in den Himmel geschossen.

Alt ist zumindest der Brauch des Lärmens, der sich im 18. Jahrhundert aber nicht nur auf die Silvesternacht bezog, sondern auch zu Weihnachten „oder an andern großen Festtagen oder bey Hochzeyten, Kind-Tauffen und andern Ausrichtungen auch sonst sowohl bei Tages- als Abends- und Nachtzeit in den Städten und Dörffern“ geübt.

Es galt auch für Lünen

Da das Schießen stets mit Gefahren verbunden war, wurde es immer wieder verboten, und die Verbote wurden immer wieder durchbrochen. So entschloss sich der preußische König Friedrich Wilhelm, am 12. November 1739 in Berlin ein „Erneuertes und geschärftes Edict wegen Abstellung des unnützen Schießens“ herauszugeben, das auch für die Grafschaft Mark und damit für Lünen galt.

Umständliche Behördensprache

In der umständlichen Behördensprache des 18. Jahrhunderts verbot der König „bey Vermeidung der hierin erwähnten schweren Strafe“ allen seinen Untertanen, gleich welchen Standes, mit dem Schießgewehr, gleich welcher Art, zu schießen oder gar Schwärmer daraus zu lösen. Raketen durften natürlich auch nicht steigen und Granaten geworfen werden.

Strafen waren bemerkenswert

Die angedrohten Strafen waren bemerkenswert hoch: „Wiedrigenfalls der oder die Uebertreter dieses Edicts zum erstenmahl jeder mit Fünfzig Rthl. (Reichstaler, d. Red) Fiscalischer Strafe, wenn es Personen von Civil-Stande sind, obgleich durch dergleichen Schuß kein Schaden geschehen seyn möchte, unnachbleiblich beleget, bey wiederholtem Verbrechen aber dergleichen Freveler nach Befinden der Umstände aber härter bestraffet werden sollen.“

Arbeit in der Festung

Sollte der Übeltäter die Strafe nicht zahlen können, so wartete die nächste Festung auf ihn, wo der „sechs Monate lang zur Arbeit an der Karre angehalten werden“ sollte. Soldaten mussten mit „Gassenlauffen“ (Spießrutenlaufen) rechnen. Zur Bekanntmachung des Edikts erreichte die Behörde die Bevölkerung am ehesten in den Kirchen, und die Geistlichen hatte es von den Kanzeln zu verlesen. Zusätzlich wurde es in den Orten durch Anschlag bekannt gemacht. Es blieb Jahrzehnte bis ins 19. Jahrhundert in Kraft.

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