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Kraftwerks-Baustelle: Eine Stunde Programm für Angela Merkel

Bundeskanzlerin in Lünen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Donnerstag die Baustelle des umstrittenen Trianel-Kraftwerks besucht. Sie absolvierte ein einstündiges Besuchsprogramm, ließ sich die Technik erläutern, sprach mit Mitarbeitern und gab eine kurze Stellungnahme ab. Lesen Sie hier das Protokoll des Besuchs.

LÜNEN

von Ruhr Nachrichten

, 26.08.2010

Die Journalisten werden noch einmal kontrolliert und verlassen das Gelände. Die Kanzlerin verlässt Lünen. Nach Informationen unserer Redaktion fliegt sie vom Dortmunder Flughafen aus zum nächsten Termin.

Das wars! Das Besuchsprogramm ist beendet. Die Kanzlerin erhält als eines von drei Geschenken ein großes Foto von unserem Fotografen Günther Goldstein, das Störche vor der Kulisse des Trianel-Kühlturms zeigt. Pikant am Rande: Den Tipp, dass sich an dieser Stelle Störche aufhalten, erhielt der Fotograf von Ingbert Kersebohm, einem der profiliertesten Kraftwerksgegner.

Während es im Maschinenhaus um die "große" Energiepolitik geht, feiert Rüdiger Brunken, Wirt der Gaststätte "Zum Lüner Brunnen", den Abschluss eines besonderen Festtages. Mit Angela Merkel hat der bekannte Wirt heute seinen prominentesten Gast bewirtet. Erfahren hat er gestern durch einen Anruf vom Bundeskriminalamt vom Besuch der Kanzlerin - und glaubte zunächst an einen Scherz. "Nett und sehr natürlich" sei sie gewesen bei ihrem Kurzbesuch in Lippholthausen.

Das Warten geht noch ein bisschen weiter. Auch im Maschinenhaus nimmt sich die Kanzlerin Zeit, plaudert mit den Trianel-Mitarbeitern. Was gesprochen wird, können die Pressevertreter hinter ihrer Absperrung nicht verstehen, aber es wird viel gelacht.

Warten auf die Erklärung der Kanzlerin. Die Medienvertreter haben sich dazu im Maschinenhaus des Kraftwerks versammelt. Das Gebäude ist mit großen Projektionen vom zukünftigen Aussehen des Geländes dekoriert und von zahlreichen Scheinwerfern kameragerecht ausgeleuchtet. Vor einem Kraftwerks-Modell steht ein einzelnes Mikrofon. Die Journalisten tun das, was sie oft tun: Sie warten.

Um technische Fragen geht es beim ersten Zwischenstopp am Kesselhaus des Kraftwerks. Die Kanzlerin trägt, wie schon in Lingen, einen dunkel-violetten Blazer und eine schwarze Hose. Aber sie trägt weder Schutzhelm noch Weste - im Gegensatz zu allen anderen Ehrengästen und Journalisten um sie herum.

Die Besichtigungstour auf dem Baustellen-Gelände beginnt. Mit drei VKU-Linienbussen, darunter auch der Bus mit der plakativen Trianel-Werbung, ist die Gruppe unterwegs. Im ersten Bus die Kanzlerin mit den Ehrengästen. Hier moderiert Manfred Ungethüm, Geschäftsführer von Trianel-Lünen. In den beiden folgenden Bussen die Journalisten.

Bevor die Rundfahrt über das Baustellen-Gelände begann, nimmt sich Angela Merkel einige Minuten Zeit, um mit den Trianel-Arbeitern zu plaudern und Fotowünsche zu erfüllen. Die Kanzlerin war zuvor mit dem Hubschrauber auf dem Segelflugplatz in Lünen gelandet und von dort zur Gaststätte "Zum Lüner Brunnen" nach Lippholthausen gefahren. Hier traf sie sich mit Vertretern der örtlichen CDU, trank eine Tasse Kaffe und plauderte unter anderem mit der CDU-Fraktionsvorsitzenden Annette Droege-Middel.

Die Kanzlerin ist da! Sie erreicht die Kraftwerkbaustelle über die Frydagstraße, passiert die Protestaktion der Kraftwerks-Gegner. Auf dem Trianel-Gelände wird sie von Dr. Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung von Trianel,  begrüßt. Die Kanzlerin wird begleitet von Bundes-Umweltminister Dr. Norbert Röttgen.

Die Spannung steigt:  Auf einen dezenten Wink hin begeben sich die VIP-Gäste vor das Festzelt. Der Himmel hält dicht, es regnet nicht. Für alle Fälle liegen jedoch reichlich Regenschirme bereit.

Jetzt sollte sie eigentlich da sein - doch noch passiert nichts! Die Gäste im VIP-Zelt vertreiben sich derweil die Zeit damit, Fotos vom versammelten Presse-Tross zu machen. Die Fieberkurve all jener, die die Kanzlerin nicht regelmäßig treffen, steigt.

Die Fotografen stellen sich in Position, noch gehen alle davon aus, dass die Kanzlerin pünktlich in Lünen ankommt. Angekommen ist inzwischen der NRW-Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger.

Auf der Frydagstraße haben sich nicht nur Kraftwerksgegner versammelt. Günter Haeser aus Lünen ist gekommen, weil er schon dabei war, als 1953 Konrad Adenauer die Stadt besucht hat. Er will einfach nur einen Blick auf die Bundeskanzlerin erhaschen. Und Werner Sonntag demonstriert mit Fotos an seinem Fahrrad-Anhänger für den Bau des Kraftwerks und hat sich ebenfalls vor dem Trianel-Haupteingang postiert. Ob sie Angela Merkel überhaupt zu Gesicht bekommen, ist noch unklar. Im Pressezelt wird bekannt gegeben, dass es vier Zufahrten zum Gelände gibt. Welche die Limousine mit der Kanzlerin nimmt, "entscheidet der Fahrer".

Vor dem Haupteingang zum Trianel-Gelände sind jetzt auch die Kraftwerks-Gegner aktiv: Hier werden die letzten Plakate gemalt. Die Demonstranten haben drei Aktionen geplant. Zum einen gibt es eine Postkarten-Aktion gegen den Kraftwerksbau, zum anderen soll bei der Ankunft der Wagenkolonne Kohle in den Weg geschaufelt werden unter dem Motto "Zu viel Kohle macht nicht glücklich". Außerdem hat Ingbert Kersebohm (Ratsmitglied der Grünen) Polo-Shirts mit dem Aufdruck "Die Zukunft ist erneuerbar" besorgt.

Jetzt ist es offiziell: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird um 16.40 Uhr in Lünen landen, das offizielle Programm soll um 17 Uhr beginnen. Das ein solcher Tag auch für die Trianel-Mitarbeiter nicht alltäglich ist, wird deutlich, als die Sprecherin diese Nachricht den versammelten Journalisten mitteilt: "Frau Dr. Kohl..." beginnt ihr Satz, der dann im allgemeinen Gelächter untergeht.

Das VIP-Zelt füllt sich: Landrat Michael Makiolla, Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick und Regierungsvizepräsidentin Karola Geiß-Netthöfel sowie Stadtwerke-Geschäftsführer Achim Grunenberg treffen ein.

Seit fast zwei Jahren baut Trianel das Steinkohlekraftwerk in Lünen, das nach seiner Fertigstellung 1,6 Millionen Haushalte mit Strom versorgen soll. Doch heute scheint Strom auf dem Gelände noch Mangelware zu sein. Der Ortsverein Lünen des Technischen Hilfswerks hat jedenfalls die Stromversorgung des Pressebereichs auf der Kraftwerks-Baustelle übernommen.

Wir sind drin! Unsere Reporter haben die Kontrollen geschafft. Und das war gar nicht so einfach. Bei der Einfahrt zum Parkplatz musste jeder den Personalausweis vorzeigen. Dann ging es weiter zum Akkreditierungsschalter. Dort gab es ein Schild für den Reporter und eine Funktionskontrolle für Handy, Blackberry, Kamera, Videokamera und Blitz. Alles, was diesen Test bestanden hat, bekam einen gelben Punkt. Jetzt nur noch die Sicherheitserklärung unterschreiben und dann gab es die Presse-Ausstattung: gelbe Weste, Helm und Sicherheitsbrille.

Die kleine Frydagstraße wird heute zur meist befahrenen Lüner Verkehrsader: Limousinen mit Aachen-Kennzeichen (Trianel-Firmensitz), Berliner Nummernschildern und zahlreiche Übertragungswagen erreichen derzeit den Parkplatz der Kraftwerks-Baustelle.

Die Kraftwerksgegner haben die Zufahrtstraße zur Baustelle, die Frydagstraße, zur Demonstrations-Meile erklärt. "Energiereise zurück in die Steinzeit" ist dort auf großen Plakaten zu lesen, die Firma Trianel wird als Dinosaurier dargestellt. Die Schilder sind schon da, die Kraftwerksgegner noch nicht.

Nichts Konkretes zum Thema Brennelementesteuer oder zu Akw-Laufzeiten. In Lingen betonte Angela Merkel: "Wir haben als Industrieland schon den Anspruch, unseren eigenen Energiebedarf mindestens decken zu können."

 In Lingen (Emsland) haben am Vormittag etwa 200 Atomkraftgegner gegen eine mögliche Laufzeitverlängerung von Atommeilern demonstriert. „Atomkraft ist keine Brückentechnologie für die erneuerbaren Energien, Atomkraft ist eine Blockadetechnologie“, sagte der Sprecher der Initiative Campact, Christoph Bautz, unter großem Beifall der Demonstranten. Er warf der Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) „Klientelpolitik“ zugunsten der Atomindustrie vor. „Da wird getrickst und gelogen, dass sich die Balken biegen“, sagte er. Nach dem Besuch in Lingen fliegt die Kanzlerin nach Lünen.

Es geht los. Wir starten den Ticker. Unsere Reporter machen sich gleich auf den Weg zur Baustelle und zur geplanten Demonstration. Bis dahin versorgen wir Sie mit Informationen vom Besuch von Angela Merkel in Lingen.  

Vor Angela Merkel waren nur drei Kanzler in der Lippestadt: Konrad Adenauer 1953, Ludwig Erhard 1965 und Gerhard Schröder 2002. Der SPD-Kanzler besichtigte damals die Brotfabrik an der Wethmarheide. Nun also Angela Merkel auf Besichtigungstour. Wir werden sie begleiten, in dem Rahmen, der den Journalisten gesetzt ist. Das Interesse ist groß: 80 Medienvertreter haben sich akkreditieren lassen. Auch außerhalb des Kraftwerksgeländes sind wir dabei, werden auch über die angekündigte Proteste und Aktionen der Kraftwerksgegner berichtet, damit auch deren Meinung Gehör findet am Tag des Kanzlerin-Besuches.

  

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