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Krimifamilie trifft sich bei "Mord am Hellweg"

Interview

Jürgen Alberts gehört zu den bekanntesten deutschen Krimi-Autoren. Mit Maj Sjöwall und weiteren Autoren ist er am 3. Oktober Gast bei "Mord an Bord" m Rahmen der Reihe "Mord am Hellweg". Mit Alberts sprach Beate Rottgardt.

LÜNEN

von Von Beate Rottgardt

, 31.08.2010
Krimifamilie trifft sich bei "Mord am Hellweg"

Krimiautor Jürgen Alberts. Foto privat

Wir haben uns 1988 im spanischen Gijon kennen gelernt, mochten beide den selben Whisky

.  1990 habe ich sie dann nach Bremen eingeladen, wo sie vor Publikum 15 Minuten auf Schwedisch gelesen hat. Dann trafen wir uns immer wieder auf Festivals. Und nach dem Mauerfall bat mich ein Veranstalter, mit ihr in der ehemaligen DDR auf Tournee zu gehen. Denn dort waren Sjöwall/Wahlöö noch viel populärer als im Westen. So sind wir immer wieder acht bis zehn Tage gemeinsam unterwegs gewesen. Und dachten, warum sollen wir die Zeit im Zug oder Hotel nicht nutzen, um gemeinsam zu arbeiten. Als sie mir dann erzählte, dass sie nach 50 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hat, dachte ich, daraus müssen wir doch was machen.

Einer von uns hat einen skurrilen Einfall. Dann werden die einzelnen Stränge der Handlung gelegt und wenn alles ziemlich kleinteilig steht, dann fange ich an, auf Deutsch zu schreiben. Maj trägt bei Lesungen übrigens auch auf Deutsch mit ihrem schwedischen Akzent vor, da hören die Leute immer besonders aufmerksam zu. Wir treffen uns immer in Las Palmas, wo ich seit vielen Jahren im Winter bin, dann setzen wir uns mit einem Glas Wein auf die Terrasse und reden. Maj schreibt sich im Lauf des Jahres alle Ideen in ein Notizheftchen.  Wir haben mittlerweile ein Ermittlerpärchen, eine schwedische Journalistin und einen Fotografen, über die wir drei Geschichten geschrieben haben und die wir mit großem Erfolg vortragen. Der Fotograf ist sehr wortkarg, spricht nur in lebensphilosophischen Zweizeilern, die gut ankommen.

Ja, da lesen wir unsere neue Geschichte „Killerjagd auf Zollverein“ aus der Anthologie „Mord am Hellweg“. Wir waren nach Essen eingeladen zur Recherche, hatten einen sehr netten Führer, von dem wir uns auch „Mordwerkzeuge“ haben zeigen lassen. Bis Maj auf die Idee kam, einen mexikanischen Kampfhund, der über Duftstoffe gesteuert wird, einzusetzen.

Ich habe schon vor zwei Jahren an Bord mitgewirkt. Das Publikum war erstaunlich konzentriert. Man hat auch Musik und Pausen zum Essen, es ist genügend Platz da. Ich war über die Reaktionen erstaunt, man wird an Bord zu einer kleinen Krimi-Familie.

Und das kostet auch eine Menge Kraft, man muss hochkonzentriert sein. Es waren auch schöne Abende, beispielsweise durfte ich mit Bill Ramsey singen. Aber ich mache lieber kleinere Sachen, werde mich auch am 13. November in Schwerte von der großen Moderation bei „Mord am Hellweg“ verabschieden.

Inzwischen ist sie gestorben. Aber sie hat immer Krimis gelesen, wenn auch als Ablenkung, um besser schlafen zu können. Und sie hat mich durch ihre Begeisterung für Krimis an meinen Job gebracht.

Ich schreibe seit eineinhalb Jahren mit meiner Frau an unserem dritten Toscana-Roman und das wird noch ein Jahr dauern, bis er auf den Markt kommt. Anschließend plane ich allein einen Roman über Heinrich von Kleist.

Insgesamt haben wir schon acht Reise-Romane zusammen geschrieben. Unsere Begeisterung bei der Recherche für die Dinge, die man bei den Reisen entdeckt, geben wir weiter in den Büchern. Es ist unglaublich, was sich alles an Geschichten verbirgt. Meine Frau die große Rechercheurin, die alles bis ins Kleinste erforscht. Ich schreibe dann die erste Fassung, sie die zweite.

Wir hätten die Kulturhauptstadt natürlich auch gerne in Bremen gehabt, sind auch ziemlich weit bei der Bewerbung gekommen. Bestimmte Dinge kann man nur mit solchen Projekten machen und dabei ist mir die Nachhaltigkeit nicht so wichtig. Wenn Kultur in den Mittelpunkt gerückt wird, ist das für einen Autor prima. Leider ist die Kultur nämlich auf dem Rückmarsch. In Italien ist die Kultur übrigens noch stärker gefährdet als bei uns, da werden die Subventionen auf 30 Prozent gekürzt. Ich habe beispielsweise eine Mafia-Oper geschrieben, die 2012 in Deutschland aufgeführt wird. Jetzt war der italienische Komponist hier und betonte, wie beschämend er die Situation in seiner Heimat findet. Da werden jahrhundertealte Strukturen zerstört. Und deshalb ist so etwas wie die Kulturhauptstadt wichtig, um ein Bewusstsein zu schaffen, was Kultur wert ist. 

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