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Lüner Hummel-Kenner hat Angst um die Natur

Insektensterben

Erwin Bock aus Lünen-Niederaden hat ein großes Herz für Bienen, Hummeln und Wespen. Deshalb appelliert er an Gartenbesitzer und Landwirte, umzudenken. Denn es gibt immer weniger Insekten.

Lünen

, 10.09.2018
Lüner Hummel-Kenner hat Angst um die Natur

Eine Dunkle Erdhummel - wenn sie sich bedroht fühlt, hebt sie ein Bein und signalisiert so, dass sie möglicherweise gleich zustechen wird. © Beate Rottgardt

Die „Dunkle Erdhummel“ an der Wand mit den vielen Insektenhotels hebt ein Bein. „Das ist eine Warnung. Sie fühlt sich bedroht und kündigt so an, dass sie möglicherweise gleich sticht“, erklärt Erwin Bock. Grund dafür, sich bedroht zu fühlen, hat die Hummel. So wie viele andere Insektenarten und damit auch Vögel, Igel, Fische oder Fledermäuse und Amphibien, die sich von Insekten ernähren. Schon lange prangern Tierschützer an, dass immer mehr Insekten vom Aussterben bedroht sind. „Ich habe es dieses Jahr auch ganz deutlich gemerkt“, sagt Erwin Bock.

Lüner Hummel-Kenner hat Angst um die Natur

Erwin Bock vor den zahlreichen Insektenhotels in seinem Garten. © Beate Rottgardt

Seitdem der 81-Jährige vor 25 Jahren in Rente ging, kümmert er sich um den Erhalt der Insekten, baute zahlreiche Insektenhotels für verschiedene Arten.

Doch jetzt macht er sich Sorgen. „Ich bin immer im Frühling auf der RAG-Fläche in Niederaden unterwegs, um Hummelköniginnen zu suchen. Ich hab dafür eine Sondergenehmigung. Aber in diesem Jahr waren es so wenige Königinnen wie noch nie.“ Die Fläche bietet den Hummeln mit Salweiden, Vogelkirsche und Kleearten einen perfekten Lebensraum. Im Gegensatz zu vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen oder Ziergärten mit englischem Rasen und exotischen Pflanzen.

Gartenbesitzer sollten auf Wildkräuter setzen

„Am besten wäre es, wenn die Gartenbesitzer nur Wildkräuter hätten“, so Bock. Und er würde sich freuen, wenn mehr Menschen Insektenhotels in die Gärten, aber auch auf Balkone oder Terrassen stellen oder hängen würden. „Wenn die Insekten ihre Nester da haben, werden sie nicht aggressiv, weil sie ihre Nester nicht verteidigen müssen. Deshalb sind solche Insektenhotels auch für Schulen und Kitas geeignet“, sagt Bock. Er würde sich auch wünschen, dass erheblich weniger Insektengifte in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Und dass der Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Artensterben besser erforscht wird. Damit es nicht eines Tages für die Insekten zu spät ist.

Bleibe-Quote liegt bei 1:5

Wenn er eine Hummelkönigin findet, dann fängt er sie mit Hilfe eines Glases und bringt sie in seinen Garten, setzt sie dann in Hummelkästen ein. Wenn es ihr gefällt, bleibt sie, wenn nicht, fliegt sie wieder davon. „Die Quote ist etwa 5:1, fünf Hummelköniginnen fliegen wieder weg, zumindest erst einmal. Eine bleibt.“ Bock macht es den Hummeln so gemütlich wie möglich, bietet ihnen kleingezupfte Polsterwolle für ihr Nest.„Ich war fasziniert von der Brutpflege der Hummeln“, so der Fachmann.

Lüner Hummel-Kenner hat Angst um die Natur

Bewusst hat Erwin Bock solche Pendeltüren an den Einfluglöchern der Hummelkästen angebracht. So verhindert er das Eindringen der gefährlichen Wachsmotten und von Kuckucks-Hummeln, die ihre Brut anderen Arten unterschieben wollen. © Beate Rottgardt

Am Ende der Saison schlüpfen nur noch Jungköniginnen. „Dann stelle ich manchmal Fläschchen mit Zuckerwasser in die Kästen, damit sie sich im Herbst ein Fettpolster anfressen können.“ Wenn es kühler wird, verkriechen sich die Jungköniginnen in der Erde und verbringen dort die Zeit bis zum Frühjahr, wenn sie dann ausschwärmen und ein neues Volk gründen.

Vögel auch im Sommer füttern

Bock kümmert sich aber auch um die heimische Vogelwelt. Bewusst füttert er die Tiere auch im Sommer, hat an jeder Hauswand mehrere Nistkästen aufgehängt. „Jetzt haben wir hier endlich wieder viele Spatzen und darüber freuen sich auch meine Nachbarn.“

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