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Mammutaufgabe: Stadt muss rund 270 Haltestellen umrüsten

Barrierefreiheit in Lünen

Bis 2022 sollen alle Bushaltestellen barrierefrei sein. Das sieht das Personenbeförderungsgesetz vor. Die Stadt muss sich eine Strategie zurechtlegen.

Lünen

, 17.02.2018
Mammutaufgabe: Stadt muss rund 270 Haltestellen umrüsten

Bequemer Einstieg in den Bus: Die Bushaltestelle in der Bäckerstraße ist bereits vor einigen Jahren barrierefrei gestaltet worden © Peter Fiedler

Von einer „Mammutaufgabe“ für die Stadt spricht Pressesprecherin Julia Schmidt, wenn man sie nach der Gesetzesvorgabe fragt. Der achte Paragraf des deutschen Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) besagt, dass bis zum 1. Januar 2022 öffentliche Verkehrsmittel vollständig barrierefrei sein sollen.

Was auf den ersten Blick Aufgabe der Verkehrsunternehmen zu sein scheint, stellt auch die Kommunen vor einige Herausforderungen. Die geforderte Barrierefreiheit gilt nämlich auch für die Haltestellen und die fallen in den Zuständigkeitsbereich der Städte.

Verschiedene Elemente

Karl-Heinz Brinkmann ist in der Ortsgruppe des Sozialverbands VdK unter anderem Sprecher der behinderten Menschen. „Lünen ist bei dem Thema viel weiter als andere Kommunen“, findet er. Zum Beispiel gebe es im Stadtgebiet schon etliche erhöhte Bordsteinkanten an Haltestelle. Wenn der Bürgersteig auf gleicher Höhe wie der Buseinstieg ist, erleichtert das den Einstieg von Rollstuhlfahrern oder Fahrgästen mit Rollatoren. Auch die Vorlesefunktion der Infosäulen, die es seit 2014 an einigen Haltestellen gibt, leiste einen wichtigen Beitrag.

Taktile Systeme

Gaby Freudenreich, Leiterin des Inklusionsprojekts „JederBus“ der VKU, fügt hinzu, dass die Masten, an denen die Fahrpläne angebracht sind, mittlerweile durch Sicherheitsringe im Boden markiert werden, sodass sehbehinderte oder blinde Menschen das potenzielle Hindernis mit ihrem Langstock ertasten können. Sogenannte „Taktile Systeme“ markieren an vielen Haltestellen im Boden den Buseinstieg. Symbole an Haltstellen und Bussen ermöglichten überdies Fahrgästen mit eingeschränkten oder keinen Lesefähigkeiten, die Endhaltestelle der Linie auf einen Blick zu erkennen.

Kosten beachten

Julia Schmidt fasst zusammen: Von den rund 300 Haltepunkten in Lünen seien zwar etwa 90 Prozent noch nicht vollständig barrierefrei, „manchmal fehlen aber auch nur Kleinigkeiten, zum Beispiel taktile Elemente für Blinde“, erklärt sie. Manche Haltestellen seien zudem vor ein paar Jahren barrierefrei umgerüstet worden, würden aber nach aktuellen Standards schon nicht mehr als barrierefrei gelten.

Wolfgang Bennewitz, Vorsitzender des städtischen Behindertenbeirats, mahnt, die Dringlichkeit des Umbaus auch in Relation zu den Kosten zu sehen. „Natürlich würden wir uns wünschen, dass alle Haltestellen so schnell wie möglich barrierefrei werden. Aber wir müssen realistisch bleiben“, sagt Bennewitz. Zwar gebe es Haltstellen, wie beispielsweise die Station Bismarckstraße in Lünen-Mitte, in deren Nähe viele ältere Menschen wohnen, an denen ein rascher Umbau wünschenswert sei.

„Aber Haltestellen, die ein bis zwei mal am Tag genutzt werden, müssen nicht unbedingt höchste Priorität haben“, so Bennewitz.

Strategie für Umbau

Im Moment gehe die Stadt so vor, dass Haltestellen, die im Bereich einer anderen Baustelle liegen, werden die Haltestellen ebenfalls umgerüstet. „Das wird allerdings nicht reichen“, sagt die Pressesprecherin. Deshalb werde nun ein Konzept erarbeitet, in dem eine Reihenfolge für den Umbau der Haltstellen erarbeitet wird. „Wo besonderer Bedarf ist, zum Beispiel in der Nähe von Seniorenheimen, wird angefangen“, erläutert Schmidt die Strategie der Stadt. „Es ist eine Mammutaufgabe“, sagt sie zu den Maßnahmen. Zusätzliche Mittel gebe es für das Programm übrigens nicht.

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