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Sachverständiger: Emma und Marie fehlten Vitamine und Nahrung

Prozess um Babyleichen in Lünen

Im Prozess um die zwei Babyleichen, die 2012 in einer Wohnung in Lünen gefunden wurden, steht weiter die Mutter vor Gericht. Jetzt wurde ein medizinischer Sachverständiger angehört. Der ist sich sicher: Marie und Emma waren deutlich unterernährt.

Lünen/Dortmund

, 18.06.2018
Sachverständiger: Emma und Marie fehlten Vitamine und Nahrung

Die angeklagte Lünerin mit ihrer Anwältin. © Foto: von Braunschweig

Neue Details im Prozess um die beiden toten Babys von der Reuterstraße: Röntgenbilder von den Baby-Knochen lassen offenbar keine Zweifel daran aufkommen, dass die Mädchen vor ihrem rätselhaften Tod unterernährt gewesen sind. Das wurde am Montag am Dortmunder Landgericht bekannt.

Ein Sachverständiger hatte den Dortmunder Richtern zuletzt zwei Röntgenbilder von mehreren Bein-Knochen der skelettierten Babys übersendet. Als Ergebnis der radiologischen Untersuchung legte sich der Experte fest und sprach von deutlich erkennbaren „Harris-Linien“ an den Hüftknochen sowie dem Schien- und Wadenbein.

Wie es heißt, sind diese Linien auf menschlichen Knochen nur auf Röntgenbildern zu erkennen und sollen ein deutliches Indiz für Vitamin- und Nahrungsmangel durch Unterernährung sein.

Die Babys blieben stundenlang alleine

Rückblende: Die skelettierten Kinderleichen von Marie und Emma waren im Herbst 2012 bei Aufräumarbeiten nach einem Wohnungsbrand in der Reuterstraße entdeckt worden. Marie war im November 2010 zur Welt gekommen, sie starb im April 2011. Die Leiche hatte ihre Mutter einfach im Wohnzimmer liegen lassen.

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Im März 2012 war Emma geboren worden. Doch auch sie lebte nur kurz. Denn auch Emma soll nämlich schon bald nach der Geburt stundenlang ohne Nahrung und ohne Flüssigkeit von der Mutter allein gelassen worden sein. Die angeklagte Mutter hatte zuletzt eingeräumt, die beiden Babys zur Welt gebracht und später teils stundenlang in der Wohnung alleine gelassen zu haben.

Mutter: „Ich war total überfordert“

„Ich war mit der Situation total überfordert“, hieß es im Prozess. Oberstaatsanwältin Carola Jakobs hat die Mutter wegen Aussetzung und Verletzung der Fürsorgepflicht angeklagt. In mindestens 65 Fällen soll sie ihre beiden Kinder allein gelassen und letztlich so ihrem Schicksal überlassen haben.

Der Prozess wird am 25. Juni mit der Vernehmung zahlreicher Zeugen aus dem Wohnumfeld fortgesetzt. Mehrere Familienmitglieder der Angeklagten haben die Richter bereits im Vorfeld informiert, dass sie als Angehörige von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen.

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