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So bewertet ein Experte unsere Art, Geflüchtete zu beschulen

Go-In-Prinzip

Dr. Khalid Arar ist Wissenschaftler. Er untersucht, wie Integration und Bildung von Geflüchteten funktionieren. Dafür war er in der Türkei, in Jordanien oder den USA. Jetzt war er in Lünen.

Lünen

, 03.10.2018
So bewertet ein Experte unsere Art, Geflüchtete zu beschulen

Steffi Stelzer (l.) vom Kommunalen Integrationszentrum mit Dr. Khalid Arar und Heidi Sumann, Leiterin der Viktoriaschule. © Fröhling

Es sei ein „beispielhaftes und exemplarisches Modell“, die Art und Weise, wie junge Geflüchtete an deutschen Schulen ausgebildet und integriert würden. Im Kreis Unna ganz besonders, denn hier geht das ja nach dem sogenannten „Go-In“-Prinzip. Es gibt keine extra Klassen für Geflüchtete, die jungen Menschen starten direkt im Regelunterricht. Ein Prinzip, das zum Beispiel der ehemalige Schwerter Bürgermeister Heinrich Böckelühr immer wieder kritisiert hatte.

Wie genau das funktioniert, hat der Palästinenser Dr. Khalid Arar Montag und Dienstag an der Viktoriaschule erfahren. Arar ist Professor an einer Universität in Tel Aviv und forscht momentan für ein Buch, das in einigen Monaten erscheinen soll. Nach der Viktoriaschule besucht er in dieser Woche auch noch ein Gymnasium in Selm und eine Gesamtschule in Schwerte.

Unterschiede als Bereicherung, nicht als Krise

Arar selbst war jahrelang Lehrer und auch Schulleiter. Seine Beobachtung in Lünen: Das Lehren sei für viele nicht nur ein Job, man begreife es dort als „Geschenk“. Der Umgang mit Geflüchteten sei ein „demokratischer Ansatz, ein Ansatz des Teilens, und: „Die Unterschiede werden hier als Bereicherung angesehen. Nicht als Krise.“ Herausgefunden hat er das in Interviews mit Lehrern und Schulleiterin Heidi Sumann.

Unterschiede gibt es in der Tat viele. An der Schule werden 192 Schüler unterrichtet, davon sind 50 sogenannte Go-In-Kinder. 25 davon sind seit weniger als zwei Jahren im Land. Welche Maßnahmen gibt es, diesen Kindern zu helfen? Auch danach hat er gefragt. Das ganze basiere auf verschiedenen System, hat Arar herausgefunden. Manche sind offiziell, etwa bestimmte Lehrpläne oder Fortbildungen für Lehrer. Andere sind freiwillig wie Veranstaltungen am Nachmittag. „Zusammen ergibt das eine Art von ,warmem Willkommen‘ für Asylsuchende und Flüchtlinge“, sagt er.

Individuelle Förderung für alle Schüler

Dass das ganze auch mit Arbeit verbunden ist, weiß auch Heidi Sumann. Arbeit allerdings, die schon seit zehn Jahren läuft: „Wir haben für Go In unseren Unterricht auf die verschiedenen Sprachniveaus angepasst“, sagt sie. So könnten alle Schüler individuell gefördert werden - die Leistungsstärksten und die, die noch Probleme mit der Sprache haben.

Dr. Khalid Arar, als Palästinenser selbst Teil eines Volkes, deren Mitglieder häufig fliehen und fliehen mussten, machen die Beobachtungen in Lünen vor allem eines: „Happy“.

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