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So sieht es in den Katakomben des Lippe-Bads aus

Revision läuft

Das Lippe-Bad in Lünen ist derzeit geschlossen. Im Zuge der Revision wird das 2011 eröffnete Gebäude und seine Technik generalüberholt. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen werfen können.

Lünen

, 15.08.2018
So sieht es in den Katakomben des Lippe-Bads aus

Ein Saugroboter fährt unter Wasser durch das Sprungbecken. Die Revision befindet sich auf der Zielgeraden, nach den Sommerferien soll das Lippebad wieder öffnen. © Daniel Claeßen

Alle Schwimmbecken sind schon wieder mit Wasser gefüllt - ein deutliches Zeichen dafür, dass die Revision des Lippe-Bades auf die Zielgerade eingebogen ist. In den Dusch- und Sanitärräumen oder auf der Zuschauer-Tribüne des Sportbeckens wird allerdings noch fleißig geschrubbt - mit dem Start des neuen Schuljahres soll das Hallenbad dann wieder einsatzbereit sein.

Dass ausgerechnet die Sommerferien für die Revision herhalten müssen, war einigen Lüner Bürgern sauer aufgestoßen - trotz des heißen Sommers und der Ausweichmöglichkeit im Freibad Cappenberger See. Auch an diesem Tag stehen wieder drei Mädchen mit Schwimmtaschen vor der Tür und müssen unverrichteter Dinge wieder umkehren. „Wir brauchen diese Zeit nunmal, um alles durchzuchecken“, sagt Dr. Gerd Koch, Prokurist der Stadtwerke Lünen.

22.500 Kubikmeter Luft pro Stunde

Ein Blick in die Katakomben zeigt auch, warum: Das komplette Bad - mit Ausnahme des Foyers - ist unterkellert, und so ziemlich jeder freie Raummeter mit Schläuchen, Leitungen, Rohren und Maschinen besetzt. Das Lippe-Bad wurde 2011 als Passivgebäude errichtet, die Lüftungsanlagen waren laut Gerd Koch damals außergewöhnlich: „Wir wollten hundertprozentig sicher sein, dass wir ausschließlich frische, unbelastete Luft reinholen.“ Bis zu 22.500 Kubikmeter pro Stunde gehen von den großen Ansaugstutzen, die neben dem Gebäude aufragen, durch die Rohre. „Heute sind diese Maschinen bei solchen Projekten üblich, das System hat sich durchgesetzt.“

14 Millionen Euro hat das Bad damals gekostet. Ein Teil des Geldes wurde aus Fördertöpfen generiert. „Hier muss man der Politik dankbar sein, dass sie damals dieses Geld nicht dazu genutzt hat, um den städtischen Anteil zu senken, sondern um es tatsächlich in nachhaltige Technik zu investieren“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Achim Grunenberg. So stehen heute unter anderem zwei Solar-Masten mit einer Spitzenleistung von 110 Kilowatt sowie zwei Blockheizkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 500 Kilowatt zur Verfügung. „Im Grunde ist das hier eine Energieversorgung mit angeschlossenem Schwimmbad.“

30 Prozent der üblichen Kosten

Achim Grunenberg legt allerdings Wert darauf, dass die Stromkunden der Stadtwerke nicht die Eintrittspreise des Schwimmbades subventionieren. „Wir haben entsprechende Modelle gefunden, die das ausschließen.“ Bei aller Nachhaltigkeit - das Lippe-Bad wird laut Stadtwerke-Vorstand mit lediglich 30 Prozent der sonst für ein Bad üblichen Kosten betrieben - bleibt es natürlich ein Zuschussgeschäft für die Stadt. Im Gegenzug erhalten Schwimmfreunde, Schulen und Sportvereine ein auf sie abgestimmtes Bad.

„Wir sind keine Erlebniswelt, sondern bei uns sollen Kinder Schwimmen lernen und Vereine trainieren können“, so Achim Grunenberg. Entsprechend seien die Öffnungszeiten gestaltet, so dass das Bad jeden Tag in der Woche der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. „Sie finden in Deutschland keine zehn Prozent der Bäder, die vergleichbare Öffnungszeiten haben“, ist Gerd Koch überzeugt.

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Hinter den Kulissen des Lippe-Bades

15.08.2018
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Der Abgastauscher: Nur die Abgas-Wärme der beiden Blockheizkraftwerke (Leistung insgesamt 500 kW) wird zur Erwärmung der Wasserbecken genutzt. Die übrige Energie geht ins Fernwärmenetz.© Foto: Daniel Claeßen
Ein Blick in das Chemikalienlager. Der Raum diente früher als Kohlebunker für das Fernwärme-Kraftwerk.© Foto: Daniel Claeßen
Mit Hilfe von Ultrafiltration wird das Wasser aufbereitet: Fein perforierte Leitungen halten Dreckpartikel und sogar Bakterien auf, während das Wasser weiterfließt und zum Beispiel als WC-Spülwasser genutzt wird.© Foto: Daniel Claeßen
Ein mit Trinkwasser gefülltes Becken dürfte nicht für den Schwimmbetrieb freigegeben werden. Gerade aus hygienischer Sicht müssen verschiedene Stoffe hinzugefügt werden. Das Mischen dieser Zusätze findet ebenfalls im Keller statt.© Foto: Daniel Claeßen
Das Bad ist ein Passivhaus, das seine frische Luft von draußen ansaugt. Pro Stunde gehen bis zu 22.500 Kubikmeter Luft durch die gigantischen Rohre.© Foto: Daniel Claeßen
Der Schwallwasserbehälter sorgt dafür, dass der Pegel in allen Becken konstant bleibt - egal wie viele Menschen gerade im Wasser sind oder die Becken verlassen.© Foto: Daniel Claeßen
Die Schräge des Sprungbeckens von untern gesehen: An dieser Stelle geht es auf 3,50 Meter Wassertiefe.© Foto: Daniel Claeßen
Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung ist dieser Teil unterhalb des Sportbeckens: Solange die Schuldfrage nicht geklärt werden kann, darf die Betriebsleitung den undichten Teil nicht sanieren.© Foto: Daniel Claeßen
Ein mit Trinkwasser gefülltes Becken dürfte nicht für den Schwimmbetrieb freigegeben werden. Gerade aus hygienischer Sicht müssen verschiedene Stoffe hinzugefügt werden. Das Mischen dieser Zusätze findet ebenfalls im Keller statt.© Foto: Daniel Claeßen
Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem Wagenheber: Dieser Motor passt das Hubbodenbecken an die gewünschte Tiefe an.© Foto: Daniel Claeßen
Das Sportbecken befindet sich der alten Kesselhalle des Fernwärme-Kraftwerks. An den Wänden wurden, wie im übrigen Bad auch, Akkustikpanele angebracht, um den Widerhall zu dämpfen.© Foto: Daniel Claeßen
Anstelle von Chlorgas nutzt das Lippebad Elektroden und Salzverbindungen, um das Wasser zu reinigen. Allerdings kann die Bädergesellschaft nicht vollständig auf Chlor verzichten, weshalb das Bad nicht als "chlorgasfrei" bezeichnet werden kann.© Foto: Daniel Claeßen
Eion Saugroboter fährt unter Wasser durch das Sprungbecken. Die Revision befindet sich auf der Zielgeraden, nach den Sommerferien soll das Lippebad wieder öffnen.© Foto: Daniel Claeßen
Das Leitungstrio der Stadtwerke (v.l.): Dr. Achim Grunenberg (Geschäftsführer), Jasmin Teuteberg (Leitung Marketing) und Dr. Gerd Koch (Prokurist).© Foto: Daniel Claeßen

Im Idealfall können die Besucher ab dem 27. August wieder das Lippe-Bad nutzen. Auch für 2018 rechnet die Bädergesellschaft wieder mit mehr als 200.000 Besuchern.

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