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Stadtwerke-Tochter kauft denkmalgeschütztes Gebäude

Villa Urbahn hinter Lüner Rathaus wechselt Besitzer

Die Villa Urbahn hat einen neuen Eigentümer. Die Verkäuferfamilie hofft, auf eine vernünftige Nutzung im Sinne der Bevölkerung.

Lünen

, 23.03.2018
Stadtwerke-Tochter kauft denkmalgeschütztes Gebäude

Die Villa Urbahn an der Graf-Adolf-Straße ist verkauft.. © Foto: Fröhling

Die denkmalgeschützte Villa Urbahn hinter dem Rathaus im Herzen der City ist verkauft: Neuer Eigentümer des Gebäudes aus dem Jahre 1925 ist die städtische SL Grundbesitz GmbH & Co. KG. Diese Gesellschaft befindet sich über die Stadthafen Lünen GmbH zu 100 Prozent im Besitz der Stadtwerke. Geschäftsführer aller drei Gesellschaften ist Dr. Achim Grunenberg. Der bestätigte am Donnerstag auf Anfrage dieser Redaktion den Kauf der Villa durch SL. Die Verwaltungsspitze hüllte sich dazu in Schweigen.

Der Gesellschaftszweck der SL Grundbesitz sei der An- und Verkauf von Grundstücken sowie die Verwaltung und Entwicklung eigener und fremder Immobilien im Bereich des Stadtgebietes Lünen, teilte Grunenberg über die Pressestelle der Stadtwerke schriftlich mit. Auf dieser Basis habe SL die Villa erworben. Mit dem Kauf runde SL den Immobilienbesitz der Muttergesellschaft – Stadthafen – ab, die bereits ein Baugrundstück direkt gegenüber habe, hieß es weiter.

Gremien waren über Kauf informiert

Zu der Frage, ob der Kauf mit der Stadtspitze abgestimmt war, ließ Grunenberg mitteilen: „Die für die SLG zuständigen Gremien wurden wie nach dem Gesellschaftsvertrag vorgesehen mit einbezogen. Diese Gremien sind der Beirat der Gesellschaft und die Gesellschafterversammlung.“ Dem Beirat gehört neben Vertretern der Ratsfraktionen von SPD, CDU, GFL und Grünen auch Stadtkämmerer Uwe Quitter an. Quitter hatte zuletzt 2016 erklärt, dass die Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage kein Geld habe, das Grundstück samt Villa zu kaufen. Die Stadt als alleinige Gesellschafterin der Stadtwerke, machte keine Angaben zu dem Kauf der Villa durch die Stadtwerke-Tochter SL. „Es trifft nicht zu, dass die Stadt die Villa Urbahn über die SLG gekauft hat“, sagte Bürgermeister-Referent Frank Knoll. Daher könne man auch nichts dazu sagen.

„Kaufvertrag in vergangener Woche unterschrieben“

Stephanie Urbahn, mittlerweile Ex-Eigentümerin der altehrwürdigen Villa, sagte Donnerstag im Gespräch mit dieser Redaktion, dass der Kaufvertrag in der vergangenen Woche unterschrieben worden sei. Das Interesse an der Villa wäre groß gewesen. Zu den zahlreichen Kaufinteressenten hätten neben etlichen Privatpersonen auch zahlreiche Bürogemeinschaften gehört, sagte Stephanie Urbahn. Dass sie die Villa am Ende an die „öffentlichen Hand“ (Urbahn) verkauft hat, lag daran, dass „sich der Käufer von der Masse der Bewerber positiv abgehoben hat.“

Stadtwerke-Tochter kauft denkmalgeschütztes Gebäude

Die Villa Urbahn wurde in dieser Woche entrümpelt. © Storks

Ob das am Kaufpreis lag, dazu machte sie keine Angaben. Über den vereinbarten beide Seiten nämlich Stillschweigen. Wie von dieser Redaktion berichtet, stand die von Grund auf sanierungsbedürftige Villa mit 383.000 Euro zum Kauf, wobei die Sanierungskosten mit etwa 900.000 Euro angegeben wurden. Macht unterm Strich 1,3 Millionen für Kauf und Instandsetzung. Die Immobilie verfügt über 430 Quadratmeter Wohnfläche, 15 Zimmer und zwei Bäder. Das Grundstück an der Graf-Adolf-Straße ist 1800 Quadratmeter groß.

„Über künftige Nutzung nicht im Elfenbeinturm entscheiden“

Mit Blick auf eine künftige Nutzung ihres Elternhauses wünsche sie sich, sagte Stephanie Urbahn weiter, dass „darüber nicht im Elfenbeinturm, sondern bürgernah entschieden wird“. Dazu ließ Stadtwerke-Chef Achim Grunenberg mitteilen: „Es gibt mehrere Nutzungsoptionen der sehr entwicklungsfähigen Immobilie an diesem herausragenden Standort. Erst wenn eine konkrete Umsetzung erarbeitet ist, werden wir hierzu näher informieren.“

Die Vorgeschichte

Rückblick: Ursprünglich wollte die Lüner Rechtsanwalts-Kanzlei Strecker & Hane die Villa kaufen, abreißen und an gleicher Stelle ein Wohn- und Kanzleigebäude errichten. Dafür hatte die Stadt im Juni 2016 eigens den Bebauungsplan geändert. Aus den Kanzleiplänen wurde nichts, weil der Denkmalschutz des Landschaftsverbands Westfalen-Mitte (LWL, Münster) die Villa im September 2017 für denkmalwürdig erklärte. Das konnte die Untere Denkmalbehörde der Stadt nicht verhindern – damit war der Vorvertrag der Anwaltskanzlei mit der Familie Urbahn über den Verkauf beziehungsweise Kauf von Grundstück und Villa geplatzt.

Die Rechtsanwaltskanzlei war enttäuscht, von der Stadt nicht vorher auf den möglichen Denkmalschutz hingewiesen worden zu sein. „Obwohl wir die Entscheidung an sich nachvollziehbar finden“, wie Rechtsanwalt Martin Hahne im Januar 2018 im Gespräch mit dieser Redaktion Zeitung sagte. Gedanken, so Hane weiter, das Gebäude zu kaufen, zu sanieren und noch einen Anbau daneben zu stellen, habe die Kanzlei wegen des finanziellen Aufwands inzwischen auch verworfen. Was folgte, ist nunmehr bekannt.

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