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Techno-DJ Felix Kröcher legt in Lünen auf

Interview

Aus "Rock im Loch" wird "We are the one". Das traditionelle Festival ist nun ein zweitägiger Event. Den Startschuss feuert am Freitag, 3. September, um 15 Uhr Techno-DJ Felix Kröcher ab.

LÜNEN

von Von Michelle Kaemmerer

, 24.08.2010

Während am Freitag, 3. September, beim e*LAKE*-Festival zu elektronischer Musik gefeiert wird, steht am Samstag, 4. September, ab 14 Uhr ,  wie gewohnt regionaler Punk- und Metalbands, wie Sodom und Misconduct, im Mittelpunkt. Die Kombination dieser beiden völligen unterschiedlichen Musikstile und ihr Publikum ist einmalig und sorgt für reichlich Gesprächsstoff. RN-Mitarbeiterin Michelle Kaemmerer hat sich mit einem der Headliner des e*LAKE*tronic-Festivals, Felix Kröcher, unterhalten. Der sympatische und erfolgreiche Techno-DJ aus Frankfurt ist mit seinen 26 Jahren einer der jüngsten Global-Player. Seit 1999 ist er mit dabei und kann auf ca. 60 Veröffentlichungen und 130 Auftritte im Jahr zurückblicken.

Das Gelände kenne ich nicht, doch als mir meine Bookerin und Managerin Martina Reichenbach von Dancefield davon erzählt hat, klang das Ganze sehr spannend und mein Interesse war sofort geweckt. Allein der Name hat mich gereizt. Die Dortmunder Ecke kenne ich durch die Mayday (Anm. d. Red. jährliche Techno-Indoor-Veranstaltung mit über 20.000 Besuchern am 30.04. in den Dortmunder Westfalenhallen). Ansonsten bin ich öfters im Ruhrgebiet und im Rheinland unterwegs.

Das Ruhrgebiet ist ein Ballungsgebiet, wenn man ein tolles, durchdachtes Konzept hat, hat man hier viel bessere Möglichkeiten, als in einer einzelnen Stadt wie z.B. Stuttgart. Das Publikum im Ruhrgebiet ist nicht nur auf eine bestimmte Stadt beschränkt, weil man schnell von der einer in der nächsten ist und ist dadurch viel offener. Die Ruhrgebietler sind ein partyerprobtes Publikum. Wenn es jemand versteht zu feiern, dann die Menschen in dieser Ecke.

Ich spiele elektronische Musik, die ist allerdings sehr vielfältig. Mein Sound ist eine Mischung aus Techno/ Techhouse, monoton-rhythmische Musik im 4/4 Takt. Von der Schnelligkeit her bewege ich mich zwischen 128 bis maximal 136 Beats per Minute (Anm. d. Red. Schläge pro Minute).

Ich plane meine DJ-Set vorher grundsätzlich nicht, ich selektiere vorher streng meinen Plattenkoffer aus und bin immer bedacht die neusten Musikstücke zu spielen, den „Schaden“ hat jeder DJ. Jeder will immer das Neuste eingepackt haben, gespickt mit ein paar Highlights von denen man ausgeht, dass sie gut ankommen, egal wann man sie einsetzt. Das kann aber auch mal nach hinten losgehen. Es beruhigt mich zu wissen welche Musik ich dabei habe, dann habe ich das Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Das ist für mich wie Hausaufgaben gemacht zu haben. Egal wo ich spiele bin ich mindestens eine halbe bis Stunde vorher da und sitze hinter der Bühne, um mitzukriegen, was da so für eine Stimmung ist. Ich versuche auf die Leute zuzugehen und sie zu fesseln. Wenn man natürlich immer diese Möglichkeit hätte wäre das schön, das zeichnet einen als Künstler aus. Umso länger mein Auftritt ist, umso besser gelingt das.

Ein paar Stücke sind Klassiker geworden, die ich auch spielen werde. Diese haben sich im Sommer zu Hits entwickelt, die die Leute hören wollen, wie „Die Vögel - Blaue Moschee“. Von der Nummer kann ich nicht die Finger lassen, obwohl ich sie auch eigentlich nicht mehr hören kann. Mein neues Album kommt Ende 2010/ Anfang 2011. Einen Namen habe ich dafür allerdings noch nicht. Die Lieder sind noch in der Entstehungsphase.

Ja, ich bin immer noch nervös, habe aber mittlerweile gelernt, damit anders umzugehen. Heute ist es eine andere Nervosität, die ich aber nicht abstellen kann und will, weil sie mich pusht und mir Adrenalin verleiht. Gelangweilt möchte ich nicht auf die Bühne gehen, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Nach einem langen Wochenende bin ich natürlich auch kaputt. Dann konzentriere ich mich in erster Linie auf meinen Auftritt. Mir ist es wichtig vor meinem Auftritt den Veranstalter in Ruhe kennenzulernen und mit ihm zu sprechen.

Beide kenne ich von unterschiedlichen Veranstaltungen. Phil Fuldner ist mir schon länger bekannt, den habe ich in diesem Jahr näher bei einem Videodreh kennengelernt. Das war ein Spaß, er ist ein netter Typ. Von der Musik her macht er House, das ist eine ganz andere Richtung. Aber da bin ich sehr offen, alleine schon durch meine Tätigkeit als Musikredakteur. Jede Musikrichtung hat seine Daseinsberechtigung, es ist reine Geschmackssache, da bin ich sehr tolerant. Len Faki habe ich letztes Jahr im August in Frankreich auf einem Festival kennengelernt. Aufgrund eines Unwetters ist es dann aber ausgefallen und so haben wir uns im Hotel näher kennengelernt. Wir sind zusammen Essen gegangen und haben uns über Musik unterhalten. Morgens sind wir dann nach Hause geflogen ohne einen Auftritt gehabt zu haben. Len Faki produziert auch Technostücke, die ich auflege.

Das wusste ich so gar nicht. Da das Event an zwei Tagen stattfindet, sehe ich darin überhaupt kein Problem. Auch an einem Tag würden meiner Meinung nach beide Musikrichtungen funktionieren, von den Besuchern ist es eher schwierig. Die Punk- und Metalfans eifern einer ganz anderen Richtung nach, als die Leute der elektronischen Musik. Andererseits stehen uns die Rocker, was das Feiern angeht, nichts nach. Die trinken auch gerne Jägermeister und machen Party. Da haben wir Gemeinsamkeiten.

Ja, ich höre die Charts rauf und runter, besonders wenn ich im Auto unterwegs bin, ist es ein Faible von mir alle möglichen Radiostationen zu hören. Bei Bon Jovi schalte ich allerdings ab. Shakira´s „Waka Waka“ mag ich, das kommt daher, da ich eine kleine Tochter habe. Von ihr bin ich sehr begeistert, sie ist auch musikaffin, ganz der Vater.

Das ist alles eine Frage der Organisation, das läuft aber auch manchmal aus den Rudern. Dann merke ich, dass ich an meine Grenzen komme, wenn ich jeden Tag unterwegs bin. Mit der Familie kommt dann immer öfters mal das Gefühl auf, gerne zu hause zu sein. Seit fast zehn Jahren bin ich immer am Wochenende unterwegs, ich kann es aber auch nicht anders. Am Montag ist immer der „DJ-Sonntag“ dann hole ich meine Tochter vom Kindergarten ab. Das wissen die Erzieherinnen schon. Ich bin dann einer der wenigen Männer, die vorbeikommen.

Ich bin absolut kinderlieb. Das hätte ich vor fünf Jahren noch nicht gedacht, da bin ich reingewachsen. Früher hat mich ein schreiendes Kind im Flugzeug auch mal genervt. Heute sehe ich das anders. Ich wünsche mir eine noch größere Familie Kröcher. Ansonsten werde ich weiterhin Musik machen, solange wie möglich. Ich bleibe dran.  

 

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