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Verteidiger des Lüners fordert, die Haftbefehle aufzuheben

Nach Mord an Hagener Unternehmer

Überraschung im Prozess um den Mord an einem Hagener Unternehmer vor elf Jahren: Die Verteidiger haben am Freitag beantragt, die Haftbefehle aufzuheben. Begründung: kein dringender Tatverdacht mehr. Der Angeklagte aus Lünen würde dadurch allerdings trotzdem nicht auf freien Fuß kommen.

LÜNEN/HAGEN

, 02.03.2018
Verteidiger des Lüners fordert, die Haftbefehle aufzuheben

Das Foto zeigt den Angeklagten aus Lünen neben seiner Verteidigerin Ina Klimpke. © Jörn Hartwich

Der Vorstoß der Anwälte kam unmittelbar nach der Vernehmung einer DNA-Spezialistin vom Landeskriminalamt Bayern. Die 47-jährige Biologin hatte winzige Hauptschuppen untersucht, die nach der Tat mit speziellen Klebefolien von der Haut des erschossenen Unternehmers abgenommen worden waren. Zwei dieser Einzelpartikel stammen laut Gutachterin eindeutig von den Angeklagten. Eine solche DNA-Struktur gebe es statistisch gesehen auf der Welt kein zweites Mal.

Verteidigung sieht zwei Chancen

Aus Sicht der Verteidiger gibt es jedoch zwei Probleme. Erstens: Es sind auch noch vier Hautpartikel isoliert worden, die bisher keiner Person zugeordnet werden konnten. Zweitens: Es könnte auch sein, dass die Hautpartikel der Angeklagten von einer ganz anderen Person an den Tatort gebracht worden sind. Zum Beispiel durch vorheriges Tauschen der Kleidung.

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Der Staatsanwalt hält das allerdings für unwahrscheinlich. „Ich habe noch nie gehört, dass zwei erwachsene Männer ihre Kleidung tauschen und einer das getauschte Kleidungsstück dann auch noch bei einem Überfall trägt“, sagte er im Prozess. „Das wären ja wohl ein bisschen viele Zufälle.“

Entscheidung soll folgen

Die Richter am Hagener Schwurgericht haben noch nicht durchblicken lassen, wie sie über den Antrag der Verteidiger denken. „Wir werden in Ruhe darüber nachdenken“, sagte Richter Marcus Teich am Freitag. „Und dann am nächsten oder übernächsten Verhandlungstag entscheiden.“

Sollten die Haftbefehle wegen eines fehlenden dringenden Tatverdachts tatsächlich außer Vollzug gesetzt werden sollte, käme der Angeklagte aus Bosnien-Herzegowina sofort auf freien Fuß. Für den Lüner würde sich dagegen faktisch nichts ändern, da er wegen einer Raubtat in Bayern gerade ohnehin eine Haftstrafe von zehneinhalb Jahren Haft absitzt. Es wäre für ihn allerdings ein Signal, dass eine weitere Verurteilung wegen des Mordes in Hagen wohl nicht mehr wahrscheinlich wäre.

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, den Hagener Unternehmer im November 2006 erschossen und ausgeraubt zu haben. Im Prozess machen beide von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

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